Steinmeier und Dobrindt rufen beim Katholikentag zu Zuversicht und Engagement auf
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat beim 104. Deutschen Katholikentag in Würzburg die Bedeutung des Ehrenamts für die Demokratie hervorgehoben und zugleich für mehr Zuversicht geworben. Eine demokratische Gesellschaft sei auf Zusammenhalt angewiesen, sagte er. Demokratie entstehe nicht durch Anweisungen von oben, sondern dadurch, dass Menschen sie im Alltag mit Leben füllten – auch durch freiwilliges Engagement.
Steinmeier, der im Januar 70 Jahre alt wurde, verwies dabei auch auf persönliche Erfahrung im Umgang mit Krisen. Das Alter habe nur einen Vorteil: Man habe erlebt, dass sich Krisen überwinden ließen. Daraus erwachse Zuversicht für die kommenden Jahre.
Auch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) appellierte an die Bürger, die großen Herausforderungen der Gegenwart mit mehr Optimismus, Einsatz und Leistungsbereitschaft anzugehen. Die heutige Gesellschaft könne sich an den Generationen vor 30, 40, 50 oder 60 Jahren orientieren. Deutschland stehe nicht zum ersten Mal vor schwierigen Aufgaben, sagte er.
Auf Tuchfühlung mit den Menschen
Der Katholikentag ist ein großes Treffen katholischer Christinnen und Christen in Deutschland und findet in der Regel alle zwei Jahre in einer anderen Stadt statt. Nach der Eröffnung am Mittwoch und einem Gottesdienst am Donnerstag mischte sich Steinmeier in Würzburg unter die Besucherinnen und Besucher, sprach mit vielen Menschen und wurde stellenweise auch direkt einbezogen – etwa beim Kinderzirkus „Blamage“ oder sogar beim Biertrinken.
Bis Sonntag sind rund 900 Veranstaltungen geplant. Dazu gehören Debatten über Reformbewegungen in der Kirche ebenso wie die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt. Beim Katholikentag geht es längst nicht nur um kirchliche Fragen, auch die Angebote richten sich nicht ausschließlich an Christinnen und Christen.
Erwartet werden unter anderem Bundestagspräsidentin Julia Klöckner und Bundeskanzler Friedrich Merz (beide CDU), Bundesinnenminister Alexander Dobrindt sowie der Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer.
Viel Applaus erhielt Kerstin Claus, die unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen. Sie mahnte eine konsequente Aufarbeitung und bessere Strukturen an.
Ehrenamt als Rückgrat der Gesellschaft
Steinmeier warb bei einer Podiumsdiskussion erneut für eines seiner zentralen Anliegen: das Ehrenamt. Die Demokratie funktioniere nicht ohne gesellschaftlichen Zusammenhalt, sagte er. Sie werde gelebt – oder eben nicht gelebt –, aber nicht von oben verordnet. Freiwilliges Engagement spiele dabei eine entscheidende Rolle.
Ehrenamt beginne dort, wo Menschen nicht nur auf sich selbst blickten, betonte der Bundespräsident. Es sei das „Rückgrat der Gesellschaft“. Ohne die vielen Freiwilligen würde das Leben in Deutschland ärmer und kälter werden. Zugleich warb er erneut für seinen Vorschlag einer sozialen Pflichtzeit.
Motto: „Hab Mut, steh auf!“
Veranstaltet wird der Katholikentag vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken, das die katholische Zivilgesellschaft in Deutschland vertritt. Die diesjährige Ausgabe in Würzburg steht unter dem Leitwort „Hab Mut, steh auf!“. Bis Sonntag werden in der Mainstadt mehrere Zehntausend Menschen erwartet.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion