Politik

Spionage-Schock: Ex-BND-Chef Hanning festgenommen

Ex-BND-Chef im Fadenkreuz der Ermittler: Was ihm vorgeworfen wird – und warum er zuletzt für Schlagzeilen sorgte.

06.10.2026, 11:14 Uhr

Ex-BND-Chef August Hanning wegen Spionageverdachts festgenommen

Der frühere Präsident des Bundesnachrichtendienstes, August Hanning, ist am Morgen festgenommen worden. Wie der Generalbundesanwalt in Karlsruhe mitteilte, wurde außerdem sein ehemaliger Büroleiter Manfred D. in Gewahrsam genommen.

Gegen Hanning wird demnach unter anderem wegen des Verdachts des versuchten Landesverrats sowie geheimdienstlicher Agententätigkeit ermittelt. Manfred D. soll ihn dabei unterstützt haben.

Ein Sprecher der Bundesregierung erklärte mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen, dass es dazu keine Stellungnahme geben werde.

Verdacht auf Weitergabe geheimer Informationen

Nach Angaben der Bundesanwaltschaft soll Manfred D., der während Hannings Amtszeit dessen Büroleiter beim BND war, ihn auch nach dessen Ausscheiden weiter mit internen Informationen aus dem Nachrichtendienst versorgt haben. Den Ermittlern zufolge arbeitete D. von März 2012 bis März 2026 weiterhin für verschiedene BND-Präsidenten als Büroleiter.

Die Ermittler gehen davon aus, dass beide nach Hannings Zeit beim BND vereinbart hätten, gegen Bezahlung weiterhin Erkenntnisse des Dienstes weiterzuleiten. Hanning soll diese Informationen für seine spätere Arbeit als Berater genutzt haben.

Hanning stand von 1998 bis 2005 an der Spitze des BND. Anschließend war er Staatssekretär im Bundesinnenministerium, bevor er in die Privatwirtschaft wechselte und als Sicherheitsberater tätig wurde.

Tausende Unterlagen sollen übergeben worden sein

Laut Bundesanwaltschaft soll Manfred D. seinem früheren Chef im Lauf der Jahre mehr als 2.000 Dokumente zugänglich gemacht haben. Viele davon seien als Verschlusssache eingestuft gewesen und nur für den internen Gebrauch bestimmt gewesen, darunter Unterlagen für Lagebesprechungen hochrangiger Beamter im Kanzleramt.

In einem Fall soll Hanning die Informationen nach Darstellung der Ermittler genutzt haben, um eine Analyse für Mitarbeiter eines ausländischen Nachrichtendienstes zu erstellen. Ob diese Auswertung tatsächlich bei den vorgesehenen Empfängern angekommen sei, sei bislang unklar. Zudem werfen die Behörden ihm vor, über Jahre engen Kontakt zu einem Angehörigen eines anderen Geheimdienstes gehalten und ihn mit Informationen versorgt zu haben.

Spur führte über den Fall Christina Block

Zuletzt war Hanning bereits wegen einer möglichen Verwicklung in die Entführung der Kinder der Hamburger Unternehmerin Christina Block in den Fokus geraten. Die Staatsanwaltschaft hatte im Herbst 2025 erklärt, der ehemalige BND-Präsident und ein pensionierter Beamter des Hamburger Landeskriminalamts stünden im Verdacht, 2022 als Verantwortliche einer Sicherheitsfirma einen Auftrag zur Kindesentziehung angenommen zu haben.

Nach Angaben der Bundesanwaltschaft brachten erst die Ermittlungen in diesem Komplex die Behörden auf die Spur von Hanning und seinem Mitarbeiter. Das jetzige Verfahren gehe auf Funde bei einer Durchsuchung von Hannings Anwesen im Zusammenhang mit dem Block-Fall zurück.

Festgenommen wurden Hanning und Manfred D. nach Behördenangaben im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen in Bayern sowie im nordrhein-westfälischen Kreis Steinfurt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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