Zverev steht vor Sprung an die Spitze – Becker gratuliert schon vorab
Für Alexander Zverev dürfte nach seinem Grand-Slam-Durchbruch nun mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch der zweite große Karrieretraum in Erfüllung gehen. Der Hamburger ist auf Kurs, noch in diesem Jahr die Nummer eins der Tennis-Welt zu werden, weil Spitzenreiter Jannik Sinner wegen anhaltender Knieprobleme den Rest der Saison verpasst. Das teilte der Italiener in einer Videobotschaft über soziale Medien mit.
Sinner kann damit in den verbleibenden Turnieren seine zahlreichen Punkte aus der Vorsaison nicht verteidigen. Zverev hat deutlich weniger Zähler zu verlieren und dürfte den Südtiroler deshalb schon bald überholen – unabhängig davon, wie erfolgreich der 29-Jährige in den kommenden Wochen selbst spielt. Der Abstand zwischen beiden beträgt derzeit noch 1.280 Punkte. Spätestens bei den ATP-Finals in Turin ab dem 15. November könnte Zverev den Tennis-Thron übernehmen.
Dass Carlos Alcaraz ihn in diesem Jahr noch abfängt, gilt praktisch als ausgeschlossen. Der Spanier gewann zwar am Dienstag das Finale von Tokio gegen den Tschechen Jiri Lehecka, im Rennen um Platz eins dürfte das aber keine entscheidende Rolle mehr spielen. Ebenso unrealistisch erscheint es, dass Sinner entgegen seiner Ankündigung doch noch einmal in dieser Saison zurückkehrt.
Zweiter Deutscher seit Boris Becker
Sollte Zverev die Spitze übernehmen, wäre er bei den Männern erst der zweite Deutsche nach Boris Becker an der Spitze der Weltrangliste. Becker stand insgesamt zwölf Wochen auf Platz eins. Der dreimalige Wimbledon-Sieger gratulierte Zverev bereits vorab und schrieb auf X: „Herzlichen Glückwunsch, Sascha!!!“
Die Führung in der Weltrangliste wäre die Krönung von Zverevs bislang stärkstem Karrierejahr. Im Frühjahr gewann er in Paris bei den French Open nach vielen vergeblichen Anläufen erstmals ein Grand-Slam-Turnier. Im September folgte dann auch noch der Titel bei den US Open.
Anfang des Jahres noch über 9.000 Punkte Rückstand
Zverev profitiert derzeit auch vom Verletzungspech seiner größten Rivalen Sinner und Alcaraz. Anfang Februar nach den Australian Open hatte er noch mehr als 9.000 Punkte Rückstand auf den damaligen Spitzenreiter Alcaraz und knapp 5.700 Zähler auf Sinner. Während Sinner bereits seit Monaten ausfällt, gab Alcaraz erst bei den US Open in New York nach mehr als vier Monaten Pause wegen einer Handgelenksverletzung sein Comeback.
Sinner denkt an seine langfristige Karriere
Sinner erklärte, die Entscheidung über sein Saison-Aus in Absprache mit den Ärzten getroffen zu haben, weil sein Knie weitere Behandlungen brauche. Im Moment müsse er auch an seine langfristige Karriere denken. Sein Ziel sei es, alles dafür zu tun, wieder zu 100 Prozent fit zurückzukehren.
Zverev dagegen blieb durchgängig fit und überzeugte über die gesamte Saison mit konstanten Leistungen. Auch in Wimbledon erreichte er das Finale, in dem er auf Sinner traf. Zuletzt hatte der Olympiasieger von 2021 betont, bis zum Jahresende fokussiert zu bleiben und sich die Chance auf Rang eins zu erarbeiten.
Allerdings musste Zverev zuletzt in Peking einen Rückschlag hinnehmen. Dort verlor er im Viertelfinale gegen Novak Djokovic. Der serbische Rekord-Grand-Slam-Sieger holte sich am Dienstag im Finale gegen den Australier Alex de Minaur den Titel, nachdem dieser im zweiten Satz verletzungsbedingt aufgeben musste. Für Djokovic war es der 34. Sieg im 34. Match bei den China Open und zugleich der insgesamt 102. Turniersieg seiner Karriere auf der Tour.
Nächstes Ziel: Davis-Cup-Triumph
Trotz seines außergewöhnlich erfolgreichen Jahres 2026 verfolgt Zverev noch ein weiteres großes Ziel – beziehungsweise sein drittes großes in dieser Saison: den ersten Triumph im Davis Cup. Im Duell mit Kroatien hatte er maßgeblichen Anteil daran, dass Deutschland die Finalrunde in Bologna vom 24. bis 29. November erreicht hat.
Zverev machte deutlich, wie wichtig ihm dieser Wettbewerb ist. Die aktuelle deutsche Mannschaft werde nicht jünger, sagte er – und er wolle jede Chance nutzen, mit dem Team den Davis Cup zu gewinnen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber