Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) will angesichts tiefgreifender Veränderungen der Demokratie den Austausch zwischen den Generationen stärken und Populisten entschlossen entgegentreten. Zum Auftakt der Synode in Würzburg sagte die EKD-Ratsvorsitzende Kirsten Fehrs, Demokratie lebe zwar vom Streit, brauche aber vor allem Respekt zwischen politischen Gegnern.
Fehrs mahnte, man dürfe sich nicht nur an Populisten und Extremisten abarbeiten, sondern müsse mit einer eigenen Agenda antworten. Es gehe darum, klar zu benennen, wofür Kirche stehe. Die EKD handle überparteilich, müsse aber Ungerechtigkeit und politische Versäumnisse deutlich ansprechen können. Fehrs sprach sich zudem dafür aus, ein AfD-Verbotsverfahren zu prüfen.
Zugleich müsse die Kirche mit Menschen im Gespräch bleiben, die sich von der Demokratie abwendeten, sagte Fehrs. Die Zukunft dürfe nicht den Extremisten überlassen werden. Die gegenwärtigen Angriffe auf die liberale Demokratie bereiteten ihr große Sorge.
Schuster: Unrecht auch mit Mut benennen
Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, rief dazu auf, Unrecht auch dann klar anzusprechen, wenn das Überwindung koste. Wer den Mund aufmache, erleichtere es auch anderen, Haltung zu zeigen, sagte er zum Auftakt der Synode in seiner Heimatstadt Würzburg.
Als Beispiel nannte Schuster den Schulalltag: Lehrkräfte müssten eingreifen, wenn Kinder oder Jugendliche von Mitschülern rassistisch beleidigt würden. Auch im Freundeskreis, am Arbeitsplatz oder im Verein dürfe man nicht schweigen, wenn Antisemitismus sichtbar werde. Gerade gegenüber Menschen aus dem eigenen Umfeld verlange Widerspruch oft Mut.
Niemand wolle den Kollegen bloßstellen, mit dem man am nächsten Tag weiterarbeiten müsse, oder beim Familienessen Streit auslösen. Dennoch dürfe man nicht darauf warten, dass andere den ersten Schritt machten. Schuster forderte, antisemitischen Witzen und abwertenden Äußerungen über Herkunft, Hautfarbe oder Geschlecht entschieden zu widersprechen.
Steinmeier als Gast erwartet
Die 7. Tagung der 13. Synode der EKD läuft bis zum 11. November in Würzburg. Die Zusammenkunft mit Foren und Arbeitsgruppen steht unter dem Motto: „Gemeinsam weiter – Kirche als Werkstatt für Demokratiebildung und intergenerationales Lernen als Ausdruck gelebten Glaubens“. Für Dienstag wird Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier als Gast erwartet.
Die Synode gilt als Kirchenparlament der EKD. Insgesamt gehören der evangelischen Kirche knapp 17,4 Millionen Menschen an.
Sexualisierte Gewalt ebenfalls Thema der Tagung
In Würzburg geht es außerdem um Konsequenzen aus der Anfang 2024 veröffentlichten unabhängigen Forum-Studie. Demnach sind Betroffene sexualisierter Gewalt über Jahrzehnte hinweg von der evangelischen Kirche alleingelassen worden. Dokumentiert wurden mindestens 2.225 betroffene Kinder und Jugendliche sowie 1.259 mutmaßliche Täter.
Synoden-Präses Anna-Nicole Heinrich kündigte an, dass keine Entscheidung zum Thema sexualisierte Gewalt mehr ohne die Beteiligung von Betroffenen getroffen werde. Für Montag ist der Bericht des Beteiligungsforums Sexualisierte Gewalt vorgesehen. Das Gremium gilt als zentraler Ort für den Austausch zwischen Betroffenen sowie Vertretern von Kirche und Diakonie.
Mit der laufenden Tagung endet die sechsjährige Legislaturperiode der 13. Synode. Im April 2027 kommt das neue Kirchenparlament zusammen. Heinrich hat bereits erklärt, nicht erneut für das Amt der Präses zu kandidieren.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber