Der Schwarzmilzferner auf der Tiroler Seite der Allgäuer Hochalpen gilt nach dem extrem warmen Sommer nicht mehr als Gletscher. In den vergangenen Monaten verlor er mehr als vier Meter an Dicke sowie etwa die Hälfte seines Volumens. Nach Einschätzung von Christoph Mayer, Glaziologe an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, dürfte er nach dem nächsten Sommer voraussichtlich vollständig verschwunden sein.
Mayer und sein Team beobachten das einst letzte Eisfeld der Allgäuer Hochalpen auf österreichischem Gebiet seit 26 Jahren. Spätestens seit 2016 seien die Verluste an Eismasse deutlich messbar, seit 2022 habe sich der Rückgang nochmals stark beschleunigt. Damit sei klar geworden, dass das Ende des Gletschers bevorstehe. Für die Einstufung als Gletscher ist neben Dicke und Volumen auch entscheidend, ob sich die Eismasse noch bewegt – genau das ist beim Schwarzmilzferner inzwischen nicht mehr der Fall.
Das große Schmelzen
Das Eisfeld liegt auf der Südostseite von Mädelegabel und Hochfrottspitze in rund 2450 Metern Höhe. Sein Verschwinden ist jedoch kein Einzelfall. Laut Mayer verschwinden in den Alpen jedes Jahr mehrere kleinere Gletscher. Selbst schneereiche Winter könnten diesen Trend kaum noch aufhalten, weil die Sommer mittlerweile zu heiß seien. Seine Prognose ist entsprechend düster: Nach heutigem Stand könnten die gesamten Ostalpen zwischen 2060 und 2070 eisfrei sein.
In Bayern dürfte diese Entwicklung sogar noch schneller voranschreiten. Die vier verbliebenen deutschen Gletscher litten ebenfalls massiv unter der Hitze. Bis 2025 verloren sie innerhalb von nur zwei Jahren mehr als ein Viertel ihrer Fläche. Nach Vermessungen des Geografen Wilfried Hagg von der Hochschule München und Mayer gingen dabei insgesamt rund eine Million Kubikmeter Eis verloren. Auch nach diesem Sommer rechnet die Umweltforschungsstation Schneefernerhaus auf der Zugspitze mit erheblichen weiteren Einbußen.

Zwei deutsche Gletscher besonders gefährdet
Dem Blaueisgletscher und dem Watzmanngletscher in den Berchtesgadener Alpen könnte in den nächsten Jahren dasselbe Schicksal drohen wie dem Schwarzmilzferner: Ihre verbliebenen Eisreste könnten bald nicht mehr als Gletscher gelten. Bis zum Ende des Jahrzehnts könnte auch der Nördliche Schneeferner an der Zugspitze seinen Gletscherstatus verlieren.
Am längsten dürfte sich nach aktueller Einschätzung noch der Höllentalferner im Zugspitzgebiet halten. Doch selbst ihm geben Fachleute nur noch höchstens etwa zehn Jahre. Der Südliche Schneeferner hatte seinen Gletscherstatus bereits im Jahr 2022 eingebüßt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber