Nahezu 50.000 Migranten sind laut übereinstimmenden Medienberichten in den vergangenen Tagen von Marokko aus unerlaubt in die spanische Nordafrika-Enklave Ceuta gelangt. Wie der staatliche Radiosender Radio Nacional meldete, stammt diese Schätzung von der Regierung in Madrid. Zuvor hatte bereits die Zeitung „El Periódico“ unter Berufung auf einen Sprecher der Guardia Civil von 49.000 Ankömmlingen berichtet.
Der außergewöhnlich starke Zustrom hat am Donnerstag eine ernste Krise ausgelöst. Die spanische Regierung entsandte erstmals seit dem Massenandrang im Mai 2021 wieder das Militär, um die Grenzsicherung zu unterstützen. Ministerpräsident Pedro Sánchez wollte am Freitag in das Gebiet an der Straße von Gibraltar reisen, um sich persönlich ein Bild von der Situation zu machen.
Andrang lässt etwas nach
Nach Angaben der Behörden kamen mindestens 19 Menschen ums Leben, als sie versuchten, schwimmend von Marokko nach Ceuta zu gelangen. In der Nacht zum Freitag verbrachten spanischen Medien zufolge hunderte junge Migranten die Nacht auf den Straßen der Exklave.
Auch in der Nacht und am Freitagmorgen gelangten demnach weiterhin hunderte Menschen über die Grenze, gleichzeitig machten sich aber auch viele wieder auf den Rückweg. Insgesamt habe sich die Lage inzwischen etwas beruhigt.
Die Szenen in Ceuta erinnern an die Ereignisse von vor fünf Jahren: Im Mai 2021 waren innerhalb von nur 36 Stunden mehr als 8.000 Menschen von Marokko aus in die Exklave gelangt. Obwohl Marokko bereits 1956 seine Unabhängigkeit von Frankreich und Spanien erhielt, gehören die beiden Exklaven Ceuta und Melilla weiterhin zu Spanien. Marokko erhebt jedoch Anspruch auf beide Gebiete. In ihrer Umgebung warten oft tausende Menschen, vor allem aus Ländern südlich der Sahara, auf eine Gelegenheit, in das zur EU gehörende Territorium zu gelangen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber