Bayern

Wiesn-Alarm: Das ändert sich jetzt

In 50 Tagen heißt’s wieder „Ozapft is“ – doch was die Stadt fürs 191. Oktoberfest jetzt plant, könnte viele überraschen.

31.07.2026, 11:28 Uhr

Oktoberfest reagiert auf Überfüllung: KI-Kameras, neue Leitstelle und weitere Neuerungen für die Wiesn

Nach den kritischen Szenen auf der stark besuchten Wiesn im vergangenen Jahr will die Stadt heuer mit neuen Maßnahmen gegen Überfüllung vorgehen. Künftig sollen KI-gestützte Kameras Menschenansammlungen früh erkennen und bei gefährlichen Entwicklungen sofort Alarm auslösen. Wiesn-Chef Christian Scharpf (SPD) sagte, so werde sehr früh sichtbar, wo sich problematische Situationen zusammenbrauen. Ziel sei es, punktuelle Engpässe wie im Vorjahr zu verhindern. Sicherheit habe auf dem Oktoberfest oberste Priorität.

Dafür sollen Besucherlenkung und Crowdmanagement gezielt ausgebaut werden. Erstmals wird es in diesem Jahr eine eigene Koordinierungsstelle geben, die vor allem Kommunikation und Informationsfluss zwischen Stadt und Sicherheitsbehörden verbessern soll. Um dafür Platz zu schaffen, zieht das Fundbüro der Wiesn in das Verkehrszentrum des Deutschen Museums um.

Blasmusik soll Besucher besser verteilen

Auch das Musikprogramm soll zur Entlastung beitragen. Die Stadt hatte bereits angekündigt, dass in den Festzelten unter der Woche künftig eine Stunde früher Blasmusik gespielt werden darf. Damit soll der Wiesn-Besuch für internationale Gäste an Wochentagen attraktiver werden. Nach Angaben der Stadt ist das Ziel, Besuchszeiten und Besucherströme stärker auf die Woche zu verlagern, damit es vor allem an den Wochenenden nicht wieder zu Überfüllungen kommt.

Scharpf betonte zugleich, dass es sich dabei nicht um stimmungsanheizende Musik handeln werde. Solche Musik bleibe weiterhin den Abendstunden vorbehalten.

Erinnerung an brenzlige Lage im Vorjahr

Im vergangenen Jahr war das Oktoberfest nach Einschätzung vieler nur knapp an einer schweren Gefahrensituation vorbeigekommen. Besonders am zweiten Samstag der Wiesn, dem sogenannten Italiener-Samstag mit vielen internationalen Gästen, staute sich die Menge vor den Zelten derart, dass Tausende weder vor noch zurück konnten. Zusätzliche Verunsicherung entstand, als per Lautsprecherdurchsage die Schließung des Geländes aus Sicherheitsgründen angekündigt wurde, zunächst aber ohne nähere Erklärung.

Drei neue Fahrgeschäfte auf der Wiesn

Neben den verschärften Sicherheitsmaßnahmen gibt es auch Neuigkeiten bei den Attraktionen. Neu dabei sind in diesem Jahr drei Fahrgeschäfte: das „Shake & Roll“ als Weiterentwicklung des klassischen „Break Dance“, bei dem sich die Gondeln überschlagen können, „Fischerman’s“ mit mehreren Ebenen für Spaß, Action und Wasserabenteuer sowie das „Chaos Pendel“, das Fahrgäste in bis zu 42 Metern Höhe und mit Tempo 80 durch die Luft wirbelt.

Veränderungen bei Zelten und Betrieben

Auch bei den Zelten gibt es Änderungen. Weil der Wirt der „Münchner Stubn“ kurzfristig aufgehört hat, rückt „Bartls Flößerstadl“ nach. Zudem erhält „Bodo’s Cafézelt und Cocktailbar“ ein komplett neues Festzelt aus Holz.

Nach Angaben der dritten Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) haben sich 954 Betriebe für die Wiesn 2026 beworben, 478 wurden zugelassen. Darunter sind 36 gastronomische Betriebe und 41 Schaustellerbetriebe.

Rechtsstreit um Wiesn-Zulassungen vorerst ohne Folgen

Wochenlang hatte auch ein Rechtsstreit über die Zulassung für Unruhe gesorgt. Der Wirt Alexander Egger will gerichtlich erreichen, dass die Vergabe von zwei großen Oktoberfestzelten – dem Schottenhamel und dem Paulaner-Festzelt – nach europäischem Vergaberecht behandelt werden muss.

Mit einem Eilantrag wollte er erreichen, dass beide Zelte bis zu einer Entscheidung in der Hauptsache nicht aufgebaut werden dürfen. Damit scheiterte er zunächst vor Gericht. Zwar soll es im Hauptverfahren noch vor Beginn der Wiesn eine Verhandlung geben, Auswirkungen auf das diesjährige Oktoberfest hat das aber nicht mehr. Scharpf sagte dazu: „Es ist alles gut gegangen.“

Neuer Sammlerkrug und Neuauflage beim Wiesn-Lied

Auch traditionell gibt es wieder einen neuen Sammlerkrug. Die seit 1978 bestehende Reihe wird in diesem Jahr um ein Motiv ergänzt, das laut Stadt das Oktoberfest in seiner Essenz zeigen soll – mit Lebensfreude, Tradition, Dynamik und Geselligkeit.

Außerdem wird der im vergangenen Jahr gestartete Musikwettbewerb „A Liad für’d Wiesn“ fortgesetzt. Aus 122 eingereichten Liedern schafften es sieben ins Online-Voting. Der Sieger soll an diesem Samstag beim Brass Wiesn Festival vorgestellt werden.

Start der 191. Wiesn mit neuem Oberbürgermeister

Das 191. Münchner Oktoberfest beginnt in diesem Jahr am 19. September. Den traditionellen Fassanstich mit dem Ruf „Ozapft is“ übernimmt diesmal erstmals der neue Münchner Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne). Er hat im Rathaus den langjährigen Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD) abgelöst.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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