Langzeitumfrage: Zustimmung zur Wiedervereinigung in Südkorea sinkt deutlich
In Südkorea hält eine wachsende Zahl von Menschen eine Wiedervereinigung mit Nordkorea nicht mehr für vordringlich. Das geht aus einer neuen Langzeiterhebung von Gallup Korea hervor, die im Auftrag der Seoul National University durchgeführt wurde. Demnach bewerten nur noch 39 Prozent eine Vereinigung der beiden koreanischen Staaten als notwendig oder eher notwendig. Zum Start der Untersuchung im Jahr 2007 hatte dieser Wert noch bei 63,8 Prozent gelegen.
Besonders gering ist die Unterstützung unter jungen Erwachsenen. In der Altersgruppe der Menschen in ihren Zwanzigern sprechen sich lediglich 25,2 Prozent für eine Wiedervereinigung aus.
Mehr Akzeptanz für den aktuellen Zustand
Parallel dazu wächst die Bereitschaft, die bestehende Teilung der koreanischen Halbinsel hinzunehmen. 31,5 Prozent der Befragten gaben an, dass es besser sei, den gegenwärtigen Zustand beizubehalten. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Erhebung.
Vor allem unter Menschen in ihren Zwanzigern und Dreißigern zeigt sich eine klare Distanz zum Wiedervereinigungsgedanken: In beiden Altersgruppen bevorzugen jeweils mehr als 55 Prozent entweder den Status quo oder zeigen nur geringes Interesse an einer Annäherung beider Staaten.
Deutliche Mehrheit sieht Nordkorea weiter als Gefahr
Nordkorea wird in Südkorea weiterhin klar als Bedrohung wahrgenommen. 86,4 Prozent der Teilnehmer sehen sich durch das nordkoreanische Atomwaffenprogramm gefährdet. Zudem halten 78,3 Prozent Gespräche und Kompromisse mit der Führung in Pjöngjang für kaum möglich. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das einen deutlichen Anstieg, damals lag dieser Wert bei 66,5 Prozent.
Unterstützung für eigene Atombewaffnung wächst
Zugleich steigt die Zustimmung zu einer eigenen nuklearen Abschreckung Südkoreas. Mehr als 61 Prozent befürworten inzwischen, dass das Land selbst Atomwaffen besitzt. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Plus von über neun Prozentpunkten. Die Unterstützung dafür findet sich laut Umfrage in allen politischen Lagern, von konservativen bis zu progressiven Wählern.
Die Forscher weisen jedoch darauf hin, dass mit dieser Frage nur eine grundsätzliche Haltung erfasst wurde. Mögliche wirtschaftliche Belastungen oder außenpolitische Konsequenzen einer solchen Entscheidung seien dabei nicht berücksichtigt worden.
Historischer Hintergrund bleibt unverändert
Nord- und Südkorea haben auch mehr als 70 Jahre nach dem Koreakrieg keinen Friedensvertrag geschlossen. Formal befinden sich beide Staaten damit weiterhin im Kriegszustand. Getrennt werden sie durch eine stark militarisierte Grenze.
Hinzu kommt, dass Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un sich seit Ende 2023 offen vom langjährigen Ziel einer Wiedervereinigung mit dem Süden distanziert hat. In Südkorea dagegen ist das Ziel der Wiedervereinigung weiterhin in der Verfassung verankert.
Die Umfrage wurde zwischen dem 1. und 26. Juli unter 1.200 Erwachsenen im Alter von 19 bis 74 Jahren durchgeführt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber