Rentenkommission empfiehlt höheres Rentenalter und Kapitalrente
Die Rentenkommission der Bundesregierung spricht sich nach Informationen der dpa für eine weitere Anhebung des gesetzlichen Rentenalters aus. Demnach soll es ab dem Jahr 2042 pro Jahrzehnt um ein halbes Jahr steigen. Zugleich soll das Rentenniveau abgesichert und mithilfe einer neuen kapitalgedeckten Komponente sogar leicht verbessert werden. Klar ist aber auch: Die Rentenbeiträge dürften weiter zulegen.
Die Kommission will ihre Beratungen am Montag beenden und die Ergebnisse am Dienstag vorstellen. Schon zuvor war bekannt geworden, dass sich das Gremium auf 30 Vorschläge verständigt hat. Nach dpa-Angaben kamen dabei in großer Runde rund 150 Beratungsstunden zusammen. Auch mehrere Medien hatten bereits über zentrale Inhalte berichtet.
Neue Kapitalrente geplant
Künftig soll ein Teil der Rentenbeiträge am Aktienmarkt investiert werden. Zunächst soll dafür ein Prozent des Bruttolohns in eine neue, beitragsfinanzierte Kapitalsäule fließen, je zur Hälfte getragen von Beschäftigten und Arbeitgebern. Später soll dieser Anteil auf zwei Prozent steigen. Die Erträge daraus sollen helfen, das Rentenniveau langfristig zu stabilisieren. Bis diese Wirkung eintritt, ist ein steuerfinanzierter Übergangsmechanismus vorgesehen.
Nachhaltigkeitsfaktor soll zurückkehren
Ab 2032 soll der derzeit ausgesetzte Nachhaltigkeitsfaktor wieder gelten, wenn die Regeln der jüngsten Rentenreform auslaufen. Damit würden Rentenerhöhungen erneut stärker an die Entwicklung der Zahl der Beitragszahler gekoppelt. Das würde sowohl das Wachstum der Renten als auch der Beiträge dämpfen. Langfristig soll durch die zusätzliche Kapitaldeckung für künftige Rentnerinnen und Rentner wieder ein Rentenniveau von 48 Prozent erreicht werden.
Nach Angaben aus dem Umfeld der Kommission sinkt das Niveau der gesetzlichen Rente über die Jahre des Ruhestands hinweg durch den Nachhaltigkeitsfaktor. Dieses Minus soll durch die neue Kapitalrente ausgeglichen werden. Für 2040 wird ein Gesamtniveau aus gesetzlicher Rente und Kapitalsäule von 50 Prozent in Aussicht gestellt, bis 2050 soll es weiter steigen.
Abschlagsfreier früherer Renteneintritt soll entfallen
Die Kommission empfiehlt außerdem, den abschlagsfreien Renteneintritt nach 45 Beitragsjahren abzuschaffen, der häufig als „Rente mit 63“ bezeichnet wird. Für Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen nach besonders belastenden Erwerbsbiografien soll es jedoch eine neue Sonderregel geben.
Nach dpa-Informationen sollen Minijobs ohne Rentenbeiträge künftig nur noch für Schülerinnen und Schüler möglich sein. Damit soll ein Anreiz geschaffen werden, die Wochenarbeitszeit auszuweiten.
Mehr Gruppen sollen in die gesetzliche Rente einzahlen
Künftig sollen auch Politikerinnen und Politiker Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung leisten, darunter Abgeordnete in Bundestag und Landtagen. Ebenso sollen Selbstständige und Vorstandsvorsitzende von Aktiengesellschaften einbezogen werden. Langfristig ist demnach auch vorgesehen, Beamtinnen und Beamte in das System aufzunehmen.
Bereits beschlossene Maßnahmen der Bundesregierung wie die Mütterrente und die Sicherung des Rentenniveaus bis 2031 stellt die Kommission trotz eigener Vorbehalte nicht infrage. Im Kampf gegen zunehmende Altersarmut setzt sie zudem darauf, dass Betroffene die Grundsicherung im Alter stärker nutzen. Dabei unterstützt sie Vorschläge einer anderen Regierungskommission zur Reform des Sozialstaats.
Zentrales Vorhaben der Koalition
Die Rentenreform zählt zu den wichtigsten Projekten der Bundesregierung. Die Empfehlungen der Kommission sollen als Grundlage für die weiteren politischen Entscheidungen dienen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte zuletzt erklärt, er rechne mit tragfähigen Vorschlägen. Ziel sei es, das Land so zu reformieren, dass auch kommende Generationen gute Chancen auf ein Leben in Freiheit, Frieden und Wohlstand hätten.
Zum geplanten Reformpaket der schwarz-roten Koalition gehören darüber hinaus Vorhaben für den Arbeitsmarkt, Änderungen bei der Einkommensteuer sowie Schritte zum Abbau von Bürokratie.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion