Zwei Millionenspenden für Reform UK brechen alle bisherigen Rekorde
Die britische Rechtsaußenpartei Reform UK kann sich laut einem Medienbericht über gleich zwei außergewöhnlich hohe Spenden freuen. Zunächst überwies der Krypto-Unternehmer Ben Delo 36 Millionen Pfund, umgerechnet etwa 42 Millionen Euro. Damit handelt es sich um die höchste Einzelspende an eine politische Partei in Großbritannien seit Beginn der offiziellen Erfassung. Wenig später kündigte ein weiterer Unternehmer aus der Kryptobranche an, denselben Betrag spenden zu wollen.
Christopher Harborne erklärte der Zeitung The Telegraph, sein „sportlicher Ehrgeiz“ habe ihn zu diesem Schritt bewegt. Zugleich bezeichnete er die Zahlung als „philanthropisches Geschenk an unser Land“.
Historische Summen im britischen Parteiensystem
Beide Zuwendungen liegen deutlich über allen bisher registrierten Parteispenden im Vereinigten Königreich. Die britische Wahlkommission veröffentlicht entsprechende Angaben jeweils vierteljährlich. Der bisherige Höchstwert lag bei zehn Millionen Pfund, die Lord John Sainsbury im September 2023 an die Konservative Partei gegeben hatte. Harborne selbst hatte Reform UK bereits im August 2025 mit neun Millionen Pfund unterstützt.
Ein Blick nach Deutschland zeigt die Größenordnung: Im Bundestagswahljahr 2025 erhielt die Union mit zusammen fast 7,9 Millionen Euro mehr Spenden als jede andere im Parlament vertretene Partei. Die SPD kam auf 2,3 Millionen Euro, die Grünen auf knapp 1,2 Millionen und die Linke auf 300.000 Euro. In Deutschland gelten Spenden ab 35.000 Euro als Großspenden und müssen der Bundestagspräsidentin gemeldet werden.
Geld soll Reform UK im Wahlkampf stärken
Ben Delo sagte dem Telegraph, seine Spende solle einen „fairen Wettbewerb“ bei künftigen Wahlen ermöglichen. Regulär wird das nächste Parlament im Vereinigten Königreich erst 2029 gewählt. Reform UK hatte in Umfragen zuletzt zeitweise klar geführt, verlor diesen Vorsprung jedoch wieder.
Delo erklärte weiter, aus den jüngsten Problemen der Partei ziehe er den Schluss, dass Reform weniger Energie auf das Eintreiben von Geld verwenden und sich stattdessen stärker auf die Vorbereitung einer möglichen Regierungsverantwortung konzentrieren sollte. Parteichef Nigel Farage sagte der Zeitung, er fühle sich durch dieses Vertrauen geehrt.
Partei steht wegen Spendenaffären unter Druck
In den vergangenen Wochen war Reform UK mehrfach wegen mutmaßlich fragwürdiger Finanzflüsse in die Schlagzeilen geraten. Die Polizei prüft Vorwürfe aus einer investigativen Recherche, wonach führende Parteimitglieder versucht haben könnten, Spenden aus dem Ausland zu verschleiern. Für die Annahme politischer Zuwendungen gelten in Großbritannien strenge Vorgaben.
Auch Nigel Farage selbst sieht sich mit Vorwürfen konfrontiert. Gegen ihn läuft eine parlamentarische Untersuchung, weil er im Jahr 2024 ein Geldgeschenk von Harborne über fünf Millionen Pfund erhalten und dieses nicht angegeben haben soll. Farage weist den Vorwurf zurück und betont, es habe sich nicht um eine Parteispende, sondern um ein persönliches, an keine Bedingungen geknüpftes Geschenk gehandelt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber