Christine Singer bringt als Europaabgeordnete die Dolmetscher im EU-Parlament bisweilen ins Schwitzen – denn sprachlich fühlt sich die Politikerin der Freien Wähler im Bairischen am meisten zuhause. Das sagte die bayerische Landesbäuerin bei der Verleihung der „Bairischen Sprachwurzel“ in Regensburg.
Der Preis wird jedes Jahr vom Bund Bairische Sprache vergeben. Entscheidend ist dabei vor allem, dass die Ausgezeichneten auch in der Öffentlichkeit konsequent bei ihrem Dialekt bleiben, wie Ehrenvorsitzender und Initiator der Auszeichnung, Sepp Obermeier, erklärte. Singer reiht sich damit in eine prominente Liste von Preisträgern ein – darunter Kabarettist Gerhard Polt und der 2022 verstorbene frühere Papst Benedikt XVI.
Obermeier würdigte Singer als eine Art „Mutter der bairischen Zivilcourage in der Politik“. Dass sie öffentlich Dialekt spreche und damit mit Konventionen breche, habe Vorbildwirkung. Auch Niklas Hilber, Vorsitzender des Bundes Bairische Sprache, sah das Auswahlkriterium bei ihr voll erfüllt. Richard Loibl, Direktor des Museums der Bayerischen Geschichte und Gastgeber der Feier, betonte zudem die besondere Rolle der Landwirtschaft: „Kein Berufsstand hat die Sprache so geprägt wie die Bauern.“
Für Singer selbst ist die Auszeichnung ein Ansporn. Es sei wichtig, den Dialekt an die nächste Generation weiterzugeben, sagte sie. Immer wieder staune sie über die sprachliche Vielfalt allein in ihrem Heimatlandkreis Garmisch-Partenkirchen, wo sich die Mundart teils schon von Ort zu Ort unterscheide. Auch bei jungen Menschen sei der Dialekt keineswegs verschwunden – viele schrieben etwa ganz selbstverständlich Whatsapp-Nachrichten in Mundart. Den Preis verstehe sie daher auch als stellvertretende Anerkennung für Bayerns Bäuerinnen.
Europäisch denkend, bayerisch verwurzelt
Die Laudatio hielt Professor Johannes Holzner von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Eine Wurzel gebe Halt, sagte er mit Blick auf die Auszeichnung, und Dialekt sei ein wichtiger Ausdruck kultureller Identität. Besonders glaubwürdig sei es, die Sprache zu sprechen, mit der man aufgewachsen sei und der man sich verbunden fühle. Entscheidend sei nicht nur, was jemand sage, sondern auch, wie jemand spreche und lebe. Singer verbinde Weltoffenheit mit Heimatverbundenheit – „Europäerin im Kopf, Bayerin im Herzen.“
Auch Holzner blickte optimistisch auf die Zukunft des Dialekts. Bairisch sei keineswegs am Ende, vielmehr beobachte er eine neue Rückbesinnung. Selbst in seinen Vorlesungen werde bairisch gesprochen.
Einsatz für Mundart und Dialekt
Der Bund Bairische Sprache setzt sich für den Erhalt von Dialekt und Mundart ein. Besonders Kinder sowie deren Eltern und Lehrkräfte sollen ermutigt werden, an der regionalen Sprache festzuhalten – auch und gerade im schulischen Umfeld.
Mit der „Bairischen Sprachwurzel“ will der Verein dieses Anliegen sichtbar machen. 2025 ging die Auszeichnung an Kabarettist Josef Hader, im Jahr davor an den früheren Skirennläufer Markus Wasmeier. Zu den früheren Geehrten zählen außerdem Landtagspräsidentin Ilse Aigner, Haindling-Musiker Hans-Jürgen Buchner und Regisseur Markus H. Rosenmüller.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber