In Russland ist mit Sergej Iwanow ein langjähriger Vertrauter von Präsident Wladimir Putin gestorben. Kremlsprecher Dmitri Peskow teilte laut russischen Nachrichtenagenturen mit, Iwanow sei am heutigen Tag verstorben. Putin habe den Hinterbliebenen kondoliert und ein Beileidstelegramm geschickt. Iwanow wurde 73 Jahre alt. Angaben zur Ursache seines Todes gab es zunächst nicht.
Nach einer Ausbildung zum Übersetzer arbeitete Iwanow bis zum Ende der 1990er Jahre für den sowjetischen beziehungsweise später russischen Geheimdienst. In dieser Zeit lernte er auch Putin kennen, der wie er aus St. Petersburg stammte und nur wenige Monate älter war. Ab 1999 gehörte Iwanow dem russischen Sicherheitsrat an, mit einer Unterbrechung in den Jahren 2008 bis 2012. Zudem war er von 2001 bis 2007 Verteidigungsminister.
Im Machtzentrum des Kremls
Vor der Präsidentenwahl 2008 wurde Iwanow als möglicher Nachfolger Putins gehandelt. Da Putin nach zwei Amtszeiten verfassungsrechtlich nicht erneut antreten durfte, galt die Frage seiner Nachfolge als offen. Am Ende entschied sich der Kreml jedoch für Dmitri Medwedew. Während dessen Präsidentschaft wurde die Verfassung geändert, sodass Putin 2012 wieder kandidieren konnte. Medwedew und Iwanow wurden damals als Rivalen im Ringen um Putins Nachfolge gesehen.
Iwanow blieb dennoch in wichtigen Ämtern: Bis 2011 war er Vize-Regierungschef, anschließend leitete er bis 2016 die Präsidialverwaltung. Zuletzt fungierte er als Sonderbeauftragter des Präsidenten für Natur- und Umweltschutz sowie für Verkehrsfragen. Berichten zufolge legte er dieses Amt im Februar auf eigenen Wunsch nieder. Zugleich hatte es Spekulationen gegeben, dass er zuletzt schwer krank gewesen sei.

Wegen seiner Unterstützung der russischen Annexion der Krim im Jahr 2014 sowie des 2022 begonnenen russischen Kriegs gegen die Ukraine wurde Iwanow von der Europäischen Union, den USA und weiteren Staaten mit Sanktionen belegt. Er hinterlässt seine Ehefrau und einen erwachsenen Sohn.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber