Papst Leo XIV. hat junge Menschen in Europa dazu aufgerufen, sich von Krisen, Kriegen und Spannungen nicht entmutigen zu lassen. Am letzten Tag seines viertägigen Frankreich-Besuchs sagte er in Metz: „Habt keine Angst vor der Zukunft!“
In seiner Grundsatzrede über Europa zeigte sich das Oberhaupt der katholischen Kirche zugleich besorgt über den raueren Ton in der Welt. Sowohl zwischen Staaten als auch im persönlichen Miteinander nehme die Verhärtung zu.
Kritik an Lüge und wachsender Verrohung
Nach den Worten des Papstes werden Beziehungen zwischen Menschen und Staaten heute immer „barbarischer“. Das gegebene Wort werde missachtet, stattdessen werde sich offen der Lüge und Täuschung gerühmt. Konkrete Politiker oder Länder nannte Leo XIV. nicht. Bekannt ist jedoch, dass das Verhältnis zwischen dem ersten Papst aus den USA und US-Präsident Donald Trump als schwierig gilt.
Europa soll die „Abwärtsspirale“ stoppen
Vor dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron rief Leo XIV. die Europäer dazu auf, dieser „Abwärtsspirale“ mit eigenen Anstrengungen ein Ende zu setzen. Europa habe in den vergangenen 80 Jahren eindrucksvoll bewiesen, dass unterschiedliche Meinungen und Interessen nicht durch Kampf, sondern durch Begegnung ausgetragen werden können.
Nun komme es darauf an, zu den Wurzeln der eigenen Werte zurückzufinden und sie kreativ neu zu entdecken.
Metz als symbolischer Ort der Reise
Dass Leo XIV. seine Reise in Metz beendete, war kein Zufall. Die Stadt ist eng mit Robert Schuman verbunden, einem der Gründerväter der Europäischen Union. Der französische Politiker legte nach dem Zweiten Weltkrieg als Außenminister wichtige Grundlagen für die heutige EU.
Zuvor war der Papst bereits in Paris und Lourdes gewesen. Dort wurde er bei Gottesdiensten unter freiem Himmel von mehr als einer Million Menschen gefeiert, darunter viele Jugendliche. In Metz traf er zudem auch Vertreter anderer Religionen.
Mahnung zu mehr Offenheit gegenüber Flüchtlingen
In Metz sprach der Papst auch das Thema Migration an. Er warnte Europa davor, sich abzuschotten, und forderte für Menschen, die vor Krieg und Armut fliehen, „ernsthafte Aufnahme- und Integrationsprozesse“.
Einen Menschen aufzunehmen bedeute, ihn wie ein Familienmitglied zu integrieren und ihm die Möglichkeit zu geben, seine Talente, Fähigkeiten und seine Persönlichkeit zu entfalten. Zugleich machte Leo deutlich, dass von Neuankömmlingen erwartet werde, sich „in den Geist des Hauses einzufügen“.
Kleine Schritte nicht gering schätzen
Der Papst ging außerdem auf den Vorwurf ein, Europa handle oft zu langsam und zu zögerlich. Dennoch dürfe das Vertrauen in die eigene Fähigkeit zum Fortschritt nicht verloren gehen, betonte er. Auch kleine und fast unmerkliche Schritte könnten wichtig sein.
Warnung vor Wiederaufrüstung
Den seit mehr als vier Jahren andauernden Krieg in der Ukraine bezeichnete Leo XIV. als „sinnloses Gemetzel“. Mit Blick auf Europas Reaktion auf den russischen Angriff warnte er davor, einer „Illusion der Wiederaufrüstung“ nachzugeben.
Stattdessen rief er zu mehr kreativen Anstrengungen auf, um den Weltfrieden zu fördern.
Appell an junge Menschen und Familien
Zum Ende seiner Rede wandte sich der Papst direkt an die Jugend. Sie solle sich nicht der Logik von Gewalt und Unterdrückung unterwerfen, sondern das Leben in jedem Augenblick lieben und ohne Angst nach vorn blicken.
Auch vor der Gründung einer Familie und davor, Kinder zur Welt zu bringen, dürfe man sich nicht fürchten, sagte er.
Nur geringe Resonanz auf Macrons Einladung
Macron hatte zu der Europa-Rede des Papstes auch die Staats- und Regierungschefs der übrigen EU-Staaten eingeladen. Das Interesse blieb jedoch weitgehend gering. Aus Deutschland nahm lediglich die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) teil.
Nach Angaben der saarländischen Staatskanzlei sprach Rehlinger mit Papst Leo XIV. über die deutsch-französische Aussöhnung als Geschenk der Weltgeschichte nach Jahrzehnten des Krieges sowie über die Bedeutung der deutsch-französischen Freundschaft für Europa und den Frieden.
Macron kommt doch zur Messe in Metz
Am Nachmittag feierte der Papst in der Kathedrale von Metz noch eine Messe. Überraschend nahm auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron daran teil – gemeinsam mit seiner Frau Brigitte. Wegen der strikten Trennung von Kirche und Staat in Frankreich war Macron bei den vorherigen Gottesdiensten der Reise nicht dabei gewesen.
Nächste große Reise führt nach Südamerika
Am Abend fliegt Leo XIV. nach Rom zurück. Seine nächste größere Auslandsreise ist für November geplant: Dann will das Oberhaupt von weltweit 1,4 Milliarden Katholiken für zehn Tage nach Südamerika reisen.
Vorgesehene Stationen sind Uruguay, Argentinien und Peru. Mit Peru verbindet den gebürtigen US-Amerikaner eine besondere Geschichte: Dort war er viele Jahre als Missionar und Bischof tätig und erhielt in dieser Zeit auch die peruanische Staatsbürgerschaft.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber