Politik

Söder ruft «Justizskandal» – und zahlt Schulden

Nach Urteil wegen „Täuschung“ und „Verrat“ hat Söder nun gezahlt – was er als Strafe ablieferte, überrascht.

28.09.2026, 15:06 Uhr

Söder begleicht Strafe des Stockacher Narrengerichts mit 150 Litern Wein

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat eine vom Stockacher Narrengericht verhängte Strafe mit 150 Litern Wein beglichen. Mit einem Augenzwinkern sprach er von einem groben Fehlurteil und einem Justizskandal, stellte aber zugleich klar, dass Spielschulden Ehrenschulden seien. Eine Delegation der Narren aus dem benachbarten Baden-Württemberg nahm den Strafwein entgegen und wollte danach direkt weiter aufs Oktoberfest ziehen.

Nach Söders Angaben befindet sich in dem Fass fränkischer Silvaner. Der Wein schmecke durchaus, sagte er scherzhaft, und werde mit jedem Glas sogar noch besser.

Söder spricht von mildem Ausgang

Das traditionsreiche Stockacher Narrengericht, das seit 675 Jahren besteht und als einer der Höhepunkte der schwäbisch-alemannischen Fastnacht gilt, hatte Söder im Februar unter anderem wegen „Täuschung im Bierzelt“, „Größenwahn“ und „Verrat an der guten konservativen Sache“ schuldig gesprochen. Söder bezeichnete das Verfahren als ungerecht und kritisierte, dass das Urteil seiner Ansicht nach bereits im Vorfeld festgestanden habe. Auch mit seinem Verteidiger zeigte er sich nicht ganz zufrieden. Immerhin sei das Urteil am Ende noch vergleichsweise glimpflich ausgefallen.

Narrenrichter verteidigt Entscheidung

Michael Zehnle, Narrenrichter und Vorsitzender des Narrengerichts, stellte sich hinter den Richterspruch. Mit Blick auf Söder sagte er: „Klein kann jeder – nur Sie nicht.“ Zugleich äußerte er die Hoffnung, dass der CSU-Chef aus dem Urteil etwas mitnehme. Vielleicht könne er damit sogar der Schwesterpartei wieder zu mehr Ansehen verhelfen.

Söder selbst bezeichnete die Teilnahme am Narrengericht insgesamt als „großartiges Erlebnis“ – mit Ausnahme des Urteils. Als Angeklagter reiht er sich damit in eine prominente Liste ein: Auch Franz Josef Strauß und Angela Merkel mussten bereits auf der Anklagebank in Stockach Platz nehmen. Die Verhandlung des Narrengerichts findet traditionell am „schmotzigen Donnerstag“ statt, der andernorts als Weiberfastnacht bekannt ist.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen