Die Atommacht Pakistan hat nach eigenen Angaben erneut Ziele auf afghanischem Gebiet angegriffen.
Informationsminister Ataullah Tarar erklärte am Abend auf der Plattform X, pakistanische Sicherheitskräfte hätten entlang der gemeinsamen Grenze zunächst einen Bodeneinsatz durchgeführt. Anschließend seien im Grenzraum Verstecke und Rückzugsorte angegriffen worden, die unter anderem der pakistanischen Taliban-Bewegung TTP zugerechnet werden.
Nach Angaben Tarars wurden dabei drei Ziele in den afghanischen Provinzen Paktia, Paktika und Kunar zerstört. Zudem seien mehrere mutmaßliche Terroristen getötet worden. Islamabad stellte die Angriffe als Reaktion auf jüngste Anschläge in Pakistan dar. Dazu zählt auch ein Vorfall in der Hafenstadt Karachi, bei dem am Samstag drei Angehörige der Sicherheitskräfte ums Leben kamen.
Afghanistan verurteilte die Angriffe scharf. Der Sprecher der islamistischen Taliban, Sabihullah Mudschahid, erklärte auf X, dabei seien Dutzende Zivilisten getötet und verletzt worden, darunter Frauen und Kinder. Er sprach von einem „feigen Angriff“ und bezeichnete diesen als „Verbrechen“ sowie als „Akt der Brutalität“. Der Sender Tolonews berichtete, bei den Luftangriffen seien mehr als 30 Menschen getötet und mehr als 100 weitere verletzt worden.
Zwischen den beiden Nachbarstaaten kommt es seit dem Herbst immer wieder zu militärischen Zwischenfällen und gegenseitigen Angriffen. Pakistan wirft der Führung in Kabul vor, Terroristen Unterschlupf zu gewähren, die Anschläge auf pakistanischem Boden verüben. Die afghanische Seite weist diese Vorwürfe zurück. Nach einer vorübergehenden Waffenruhe spricht Pakistan seit Ende Februar von einem „offenen Krieg“.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber