Wetter

Schock-Wetter: Deutschland kühlt abrupt ab

Die Hitzewelle kippt – jetzt drohen heftige Gewitter. Welche Regionen es zuerst trifft und wie drastisch das Wetter umschlägt.

29.06.2026, 04:45 Uhr

Nach dem extrem heißen Wochenende mit einem vorläufigen neuen Temperaturhöchstwert von 41,7 Grad in Neißemünde im brandenburgischen Landkreis Oder-Spree strömt nach Deutschland nun etwas kühlere Luft. Die Entlastung bleibt jedoch riskant: Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt weiter vor teils kräftigen bis schweren Gewittern mit Starkregen, Hagel und Sturmböen. Zugleich zieht die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) eine erschütternde Bilanz: Mindestens 26 Menschen starben von Freitag bis Sonntag beim Baden – alle Opfer waren Männer oder Jungen.

Wetterlage bleibt angespannt

Der DWD rechnet für Dienstag zunächst mit einem vergleichsweise ruhigen Start. Im Westen zeigt sich häufiger die Sonne. Vom Oberrhein über Rheinland-Pfalz bis in den Süden Hessens sind erneut mehr als 30 Grad möglich. Sonst werden verbreitet 27 bis 30 Grad erwartet, an den Küsten um 22 Grad.

Am Nachmittag steigt das Gewitterrisiko aber wieder deutlich. Bis auf den äußersten Westen muss vielerorts mit Schauern und Gewittern gerechnet werden. Vor allem vom Südosten über die Mitte bis in den Osten sieht der DWD erhöhtes Unwetterpotenzial. Möglich sind Starkregen, Sturmböen und Hagel.

Dritter Hitzerekord binnen weniger Tage

Der neue vorläufige Spitzenwert von 41,7 Grad wurde am Sonntagnachmittag in Neißemünde direkt an der Grenze zu Polen gemessen. Es ist bereits die dritte Bestmarke innerhalb weniger Tage.

Der bisherige deutsche Hitzerekord hatte sieben Jahre Bestand: Am 25. Juli 2019 waren in Tönisvorst und Duisburg-Baerl in Nordrhein-Westfalen 41,2 Grad registriert worden.

Juni 2026 war der zweitwärmste seit Messbeginn

Nach einer vorläufigen Auswertung des DWD war der Juni 2026 der zweitwärmste Juni seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Mitteltemperatur lag bei 19,5 Grad. Noch wärmer war nur der Juni 2019 mit 19,8 Grad im Schnitt.

Zugleich fiel der erste meteorologische Sommermonat deutlich zu trocken aus. Im bundesweiten Mittel wurden rund 66 Liter pro Quadratmeter gemessen, in der Referenzperiode sind es 85 Liter. Der Niederschlag war allerdings sehr ungleich verteilt: Am Alpenrand und im Nordwesten kamen teils 120 bis 180 Liter pro Quadratmeter zusammen, während am Mittel- und Oberrhein, in Unterfranken und im Großraum Berlin nur 15 bis 30 Liter fielen.

Die Sonne zeigte sich dagegen besonders häufig. Der DWD registrierte im Juni 248 Sonnenstunden – rund 20 Prozent mehr als im langjährigen Mittel. Damit war der Juni bereits der vierte Monat in Folge, der deutlich sonniger ausfiel als üblich. Alle Angaben sind vorläufig und können sich noch ändern.

DLRG: 26 Badetote an nur einem Wochenende

Die DLRG meldet für die Zeit von Freitag bis Sonntag mindestens 26 Todesfälle beim Baden. In die vorläufige Bilanz wurden auch Vermisste einbezogen, deren Identität bekannt ist, die aber noch nicht gefunden wurden. Alle Opfer waren männlich – Männer oder Jungen.

DLRG-Präsidentin Ute Vogt sieht darin ein wiederkehrendes Muster: Männer überschätzten sich oft, nähmen Gefahren nicht ernst und gingen zudem häufiger unter Alkohol- oder Drogeneinfluss ins Wasser. Bereits 2025 waren 82 Prozent der Ertrunkenen männlich. Schon am Donnerstag hatte es nach DLRG-Angaben mindestens sieben weitere tödliche Badeunfälle gegeben.

Unwetter sorgten bereits für Flugausfälle in Frankfurt

Schon in der Nacht zum Montag und im Laufe des Montags hatte es teils heftige Gewitter gegeben. Am Frankfurter Flughafen musste der Betrieb laut Fraport dreimal unterbrochen werden – teils bis in die Morgenstunden. Nach Angaben des Unternehmens wurden insgesamt 100 Flüge annulliert – darunter 50 Abflüge und 50 Ankünfte. Ein Flug wurde nach München umgeleitet. Am Flughafen habe die Sicherheit von Passagieren und Personal Vorrang, hieß es.

Bahn zieht trotz Rekordhitze positive Bilanz

Die Deutsche Bahn bewertete den Zugverkehr während des Hitzewochenendes insgesamt positiv. Nach Unternehmensangaben fanden rund 90 Prozent der geplanten Fahrten statt – einschließlich der Verbindungen anderer Anbieter im Fern- und Regionalverkehr. Insgesamt wurden demnach etwa 94.000 Zugfahrten durchgeführt. Das bedeutet allerdings auch, dass jede zehnte Fahrt hitzebedingt ausfiel.

Forschende sehen klaren Zusammenhang mit dem Klimawandel

Wissenschaftler der Organisation World Weather Attribution betonen, dass eine Hitzewelle in diesem Ausmaß ohne den Einfluss des Klimawandels nahezu ausgeschlossen wäre. Solche extremen Tages- und Nachttemperaturen wären zu dieser Jahreszeit in West- und Mitteleuropa vor 50 Jahren praktisch unmöglich gewesen.

Deutschland hat sich seit der vorindustriellen Zeit bereits um 2,5 Grad erwärmt und liegt damit über dem globalen Durchschnitt. Laut DWD führt das unter anderem zu häufigeren Hitzewellen und Dürrephasen, erhöht den Druck auf Landwirtschaft und Trinkwasserversorgung und steigert die Waldbrandgefahr. Hinzu kommen Schäden durch heftigere Unwetter mit Sturm, Starkregen und Überschwemmungen. Zudem gab es in Deutschland in den vergangenen Jahren viele Tausend Hitzetote – auch wegen der vergleichsweise alten Bevölkerung.

WHO warnt vor den Folgen extremer Hitze

Nach Einschätzung von WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus ist die beispiellose Hitzewelle in Europa mitverantwortlich für zahlreiche zusätzliche Todesfälle. Seit dem 21. Juni seien in Europa mehr als 1.300 zusätzliche Todesfälle registriert worden, die mit den hohen Temperaturen in Verbindung stünden.

Tedros betonte zudem, Europa erwärme sich schneller als jeder andere Kontinent – etwa doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt. Nach seinen Angaben leiden derzeit rund 150 Millionen Menschen unter extremer Hitze. Schulen seien geschlossen, und Stromnetze brächen teils zusammen. Hitzestress werde nicht ohne Grund als „stiller Killer“ bezeichnet, auch weil viele Wohnungen, Arbeitsplätze und Schulen in Europa für solche Temperaturen nicht ausgelegt seien.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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