Kopf-an-Kopf-Rennen nach Wahl in Neuseeland
Nach der Parlamentswahl in Neuseeland deutet sich wie erwartet ein äußerst knappes Ergebnis zwischen der konservativen National Party von Regierungschef Christopher Luxon (56) und der sozialdemokratischen Labour-Partei um Chris Hipkins (48) an. Nach ersten Auszählungen ist offen, ob einer der beiden Lagerchefs problemlos eine neue Regierung bilden kann.
Etwa 3,8 Millionen Wahlberechtigte waren zur Stimmabgabe aufgerufen. Die Wahllokale schlossen um 19.00 Uhr Ortszeit (07.00 Uhr MEZ), unmittelbar danach begann die Auszählung. Für eine Mehrheit im 120 Sitze umfassenden Parlament werden mindestens 61 Mandate benötigt.
Die Abstimmung wurde teils von schweren Unwettern begleitet. Besonders betroffen war die Millionenstadt Auckland auf der Nordinsel.
Im Zentrum des Wahlkampfs standen vor allem die steigenden Lebenshaltungskosten. Viele Menschen in dem Pazifikstaat kämpfen derzeit mit Inflation, hohen Ausgaben im Alltag und teureren Kraftstoffen, die auch durch den Konflikt im Nahen Osten beeinflusst werden. Dadurch geriet die Regierung von Luxon zusätzlich unter Druck. Entlastungen für private Haushalte spielten deshalb eine zentrale Rolle im Wahlkampf.
Kleine Parteien könnten entscheidend werden
Umfragen hatten bereits vor dem Wahltag darauf hingedeutet, dass beide großen Parteien unter 30 Prozent bleiben könnten. Damit dürften kleinere Parteien eine wichtige Rolle bei der Mehrheitsbildung spielen. Beobachter rechnen deshalb mit möglicherweise langen und schwierigen Koalitionsverhandlungen.

Hinzu kommt, dass in den kommenden Wochen noch zahlreiche sogenannte Sonderstimmen gezählt werden. Dazu gehören unter anderem Stimmen von Neuseeländern im Ausland sowie von Wählern, die außerhalb ihres eigentlichen Wahlkreises abgestimmt haben. Das offizielle Endergebnis soll am 27. November vorliegen.
Luxons National Party regiert seit 2023 gemeinsam mit der rechtsliberalen ACT-Partei und der populistischen New Zealand First und strebt nun eine weitere Amtszeit an. Schon bei der vergangenen Wahl trat Luxon gegen Labour-Chef Hipkins an. Wegen des gemeinsamen Vornamens bezeichnen Medien das politische Kräftemessen seitdem gern als das „Duell der beiden Chrises“.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber