Politik

Nato-Paukenschlag: General Breuer steigt ganz nach oben

Machtwechsel bei der Nato: Deutschlands Top-Soldat Breuer übernimmt einen der wichtigsten Militärposten des Bündnisses.

19.09.2026, 17:19 Uhr

Deutschlands ranghöchster Soldat übernimmt künftig eine der wichtigsten militärischen Funktionen im Bündnis: Generalinspekteur Carsten Breuer ist in Kopenhagen zum neuen Vorsitzenden des Nato-Militärausschusses gewählt worden. Das teilte die Nato nach der Sitzung des Gremiums mit.

Breuer setzte sich bei der Wahl gegen die kanadische Generalstabschefin Jennie Carignan durch. Bei einem Erfolg wäre sie die erste Frau an der Spitze des Militärausschusses gewesen. Breuer soll das Amt im Juli 2027 vom italienischen Admiral Giuseppe Cavo Dragone übernehmen.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erklärte nach der Wahl, Deutschland übernehme in schwierigen Zeiten Verantwortung in der Allianz. Auf X schrieb er, die Bundesrepublik sei dankbar für das Vertrauen der Verbündeten.

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) lobte Breuer für dessen strategische Weitsicht. Er habe an zentraler Stelle dazu beigetragen, die Bundeswehr neu aufzustellen. Zugleich betonte Pistorius, im Bündnis brauche es mehr denn je einen klaren Kurs: Vor allem die Bedrohung durch Russland nehme zu, während die europäischen Partner sich noch stärker um ihre eigene Sicherheit und konventionelle Abschreckung kümmern müssten und die USA ihren Blick auch auf andere Weltregionen richteten.

Breuer selbst dankte für das Vertrauen der Verbündeten. Die Unterstützung der Generalstabschefs der Nato-Staaten bedeute ihm viel, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Zugleich verwies er auf die großen Aufgaben, vor denen das Bündnis bei Sicherheit und Frieden in Europa und darüber hinaus stehe.

Einer der einflussreichsten Militärs der Nato

Der Vorsitzende des Nato-Militärausschusses zählt neben dem Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte in Europa (Saceur) zu den einflussreichsten Militärs des Bündnisses. Er ist wichtigster militärischer Berater des Nato-Generalsekretärs und zugleich das Bindeglied, über das die gemeinsamen Empfehlungen der Generalstabschefs aller Mitgliedstaaten an die politischen Entscheidungsgremien weitergegeben werden.

Außerdem leitet er Weisungen und Richtlinien des Militärausschusses an die strategischen Nato-Befehlshaber sowie an den Generaldirektor des Internationalen Militärstabs weiter.

Der bislang letzte Deutsche auf diesem Posten war General Harald Kujat. Er war ebenfalls zuvor Generalinspekteur der Bundeswehr und führte den Militärausschuss von Juli 2002 bis Juni 2005.

Die Wahl Breuers wird im Bündnis auch als Anerkennung dafür gewertet, dass Deutschland zuletzt deutlich zur Stärkung der europäischen Verteidigungsfähigkeiten beigetragen hat. Nach Nato-Angaben liegt die Bundesrepublik bei den Verteidigungsausgaben mit rund 125 Milliarden Euro derzeit klar auf Platz eins in Europa. Zudem besetzt Deutschland in der militärischen Kommandostruktur des Bündnisses seit diesem Jahr mehr Spitzenposten als die USA.

Das soll Washington ermöglichen, frei werdende Mittel und Kräfte stärker für den Ausbau der Abschreckung im Indopazifik einzusetzen. Aus Sicht der Vereinigten Staaten ist inzwischen nicht mehr Russland, sondern China die größte sicherheitspolitische Herausforderung.

Breuer prägte den Kurswechsel nach der „Zeitenwende“

Breuer ist seit März 2023 Generalinspekteur und damit militärisch verantwortlich für die Neuaufstellung und Stärkung der Bundeswehr nach der von Bundeskanzler Olaf Scholz ausgerufenen „Zeitenwende“ infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine.

Vor seiner Ernennung war Breuer Befehlshaber des Territorialen Führungskommandos der Bundeswehr, das er selbst mit aufgebaut hatte. Bekannt wurde er einer breiteren Öffentlichkeit zudem als Leiter des Corona-Krisenstabs im Kanzleramt.

Der General trat 1984 in die Bundeswehr ein. Seine Laufbahn begann in einem Flugabwehrregiment – noch in der Zeit des Kalten Krieges und der Konfrontation zwischen Ost und West in Europa.

In jungen Jahren war Breuer Truppenfachlehrer der später aufgelösten Heeresflugabwehr. Wie für Spitzenoffiziere üblich, wechselte er in seiner Laufbahn zwischen Kommandeursverwendungen und politischen Aufgaben. In den Jahren 2015 und 2016 war er unter anderem Projektbeauftragter für das Weißbuch zur Zukunft der Bundeswehr.

Wer folgt Breuer an die Spitze der Bundeswehr?

Mit Breuers Wahl steht Verteidigungsminister Boris Pistorius in den kommenden Monaten vor der Entscheidung, wer künftig die militärische Führung der Bundeswehr übernimmt.

Als möglicher Nachfolger wurde in der Vergangenheit der frühere Luftwaffeninspekteur Ingo Gerhartz genannt. Er ist jedoch seit Juni 2025 Befehlshaber des operativen Nato-Hauptquartiers im niederländischen Brunssum und dort für die Nato-Ostflanke verantwortlich. Mit dieser Besetzung steht Deutschland auch gegenüber den Verbündeten in der Pflicht.

Als weiterer aussichtsreicher Kandidat gilt Generalleutnant Christian Freuding, der heutige Inspekteur des Heeres. Er treibt die Modernisierung der deutschen Landstreitkräfte voran und war zuvor Chefkoordinator der militärischen Ukraine-Hilfe Deutschlands.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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