Trotz Aufrufen in sozialen Netzwerken zu einer erneuten massenhaften Grenzüberquerung nach Ceuta ist es am Samstag zunächst ruhig geblieben. Weder an der Grenze zur spanischen Exklave in Nordafrika noch in der Stadt selbst kam es im Tagesverlauf zu größeren Zwischenfällen. Spanien und vor allem Marokko hatten ihre Sicherheitsvorkehrungen im Vorfeld deutlich verschärft.
Ein Reporter vor Ort sprach am Morgen von absoluter Stille am Grenzübergang. Auch später blieb die Lage weitgehend entspannt. Im Stadtzentrum war von dem befürchteten Andrang kaum etwas zu merken, dort patrouillierten nur vereinzelt Polizei und Militär. Lediglich in den Außenbezirken wurden Gruppen junger Migranten beobachtet. Ähnlich äußerten sich auch der spanische Staatssender RTVE und weitere Medien.
Spanischer Minister: Massenankunft soll sich nicht wiederholen
Mit den verstärkten Kontrollen wollen beide Länder verhindern, dass sich die dramatischen Ereignisse von Ende Juli wiederholen. Damals gelangten Schätzungen zufolge bis zu 80.000 Migranten nach Ceuta. Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska bekräftigte erneut, es habe sich um ein „außergewöhnliches“ Ereignis gehandelt, das sich nicht wiederholen werde.
Vor wenigen Tagen hatte das marokkanische Innenministerium mitgeteilt, eine Gruppe von Menschen festgenommen zu haben. Sie sollen neue Versuche der illegalen Einreise in die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla angestiftet haben. In sozialen Netzwerken waren Aufrufe zu gemeinsamen Massenüberquerungen am 15. August verbreitet worden.
Stacheldraht, Wasserwerfer und Patrouillenboote
Vor allem auf marokkanischer Seite wurden die Sicherheitsmaßnahmen in den vergangenen Tagen massiv ausgeweitet. Nach Angaben von Augenzeugen waren Sicherheitskräfte rund um Ceuta und Melilla stark präsent und verhinderten mögliche Grenzübertritte bereits im Vorfeld. Hunderte Migranten, darunter viele aus Ländern südlich der Sahara, wurden nahe der etwa 20 Kilometer von Ceuta entfernten Grenzstadt Fnideq gestoppt und an einer Überquerung gehindert.
Unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtete das marokkanische Portal Le360, dass in Fnideq und Umgebung 294 Menschen ohne gültige Papiere festgenommen worden seien.
Laut RTVE wurden in Fnideq zusätzliche Sperren aus Stacheldraht und Nato-Draht errichtet. Patrouillenboote überwachen die Küste, an der Grenze stehen Wasserwerfer bereit. Hinzu kommen zahlreiche Kontrollstellen auf den Zufahrtsstraßen.
Auch Spanien hat die Sicherheitsvorkehrungen erhöht. In Ceuta sind inzwischen 880 Beamte der Nationalpolizei im Einsatz, 270 mehr als noch Ende Juli. Unterstützt werden sie von rund 2.000 Soldaten sowie etwa 700 Kräften der Guardia Civil.
Rückkehr zur Normalität braucht Zeit
Der Ansturm von Ende Juli gilt als beispiellos. Vor allem am 30. Juli gelangten Zehntausende Migranten meist schwimmend nach Ceuta. Dabei kamen Dutzende Menschen ums Leben. Nach der jüngsten offiziellen Mitteilung aus Madrid wurden 83 Leichen aus dem Meer geborgen. Nichtregierungsorganisationen gehen von weit mehr als hundert Todesopfern aus.
Nach Angaben der spanischen Regierung kehrte der Großteil der Ankommenden innerhalb weniger Stunden oder Tage nach Marokko zurück. Laut Innenminister Grande-Marlaska halten sich derzeit noch rund 5.000 Migranten in Ceuta auf. Bis wieder völlige Normalität herrscht, dürfte es allerdings noch einige Zeit dauern.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber