Bayern unterstützt Recht auf Vergessen nach Krebs
Bayern will sich dafür starkmachen, dass Menschen nach einer überstandenen Krebserkrankung später nicht mehr etwa bei Versicherungen, Krediten oder vergleichbaren Verfahren benachteiligt werden. Das Kabinett hat beschlossen, sich einer entsprechenden Initiative mehrerer Länder im Bundesrat anzuschließen. Ziel ist es, den Bund zu einer gesetzlichen Regelung für ein sogenanntes Recht auf Vergessenwerden bei ehemaligen Krebspatientinnen und -patienten aufzufordern. Auch im eigenen Beamtenrecht will der Freistaat vorangehen.
Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) kritisierte die bisherige Praxis als ungerecht. Aus ihrer Sicht sei es nicht hinnehmbar, dass eine längst überwundene Erkrankung Betroffene noch Jahre später belaste. Deshalb müsse der Bund tätig werden.
Geplant ist, dass nach Ablauf bestimmter Fristen eine frühere Krebserkrankung nicht mehr angegeben werden muss – zum Beispiel beim Abschluss von Versicherungen, bei Verbraucherkrediten oder in Adoptionsverfahren. Wie lang diese Fristen ausfallen sollen, soll sich unter anderem an wissenschaftlichen Erkenntnissen und dem jeweiligen Rückfallrisiko orientieren.
Klarstellung für Beamte in Bayern
Darüber hinaus will die Staatsregierung im bayerischen Beamtengesetz ausdrücklich festschreiben, dass eine ausgeheilte Krebserkrankung für sich genommen kein Grund ist, die gesundheitliche Eignung zu verneinen oder eine Verbeamtung auszuschließen. Damit solle ein deutliches Zeichen für mehr Chancengleichheit und gegen pauschale Benachteiligungen gesetzt werden.
Zugleich warb Gerlach erneut für mehr Prävention und Vorsorge. Nach ihren Angaben erkranken in Bayern jedes Jahr fast 80.000 Menschen neu an Krebs. Bei Frauen ist Brustkrebs mit rund 11.000 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste Krebsart, bei Männern Prostatakrebs mit etwa 13.000 Fällen jährlich.
Die Ministerin betonte, Ziel sei es, Menschen dabei zu helfen, möglichst lange gesund zu bleiben. Dazu gehöre auch, selbst aktiv zu werden und Risiken zu verringern. Gleichzeitig verlangte sie einen grundlegenden Kurswechsel in der Gesundheitspolitik – weg von reiner Reparaturmedizin, hin zu stärkerer Vorsorge.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber