Politik

Minister Knoll: Ohne Jugend wankt die Demokratie

Warum wählen so viele Junge plötzlich radikal? Bayerns neuer Minister nennt schonungslos die Fehler, die sie in die Arme treiben.

26.09.2026, 04:00 Uhr

Knoll sieht fehlende Beachtung junger Anliegen als Gefahr für die Demokratie

Der künftige bayerische Minister für Jugend und Demokratie, Manuel Knoll, macht die wachsende Unzufriedenheit vieler junger Menschen mit der Demokratie vor allem daran fest, dass ihre Sorgen aus seiner Sicht zu wenig ernst genommen werden. Der CSU-Politiker sagte in München, junge Leute müssten merken, dass Freiheit und Wohlstand auch für sie ganz konkret Vorteile bringen. Zugleich dürfe nicht das Gefühl entstehen, dass vor allem die jüngere Generation die größten Lasten schultern müsse. Knoll ist auch Vorsitzender der Jungen Union in Bayern und soll am Mittwoch im Landtag vereidigt werden.

Forderung nach mehr Blick auf kommende Generationen

Als Beispiel für mangelnde Anerkennung nannte Knoll die Debatte um die Rente. Dabei sei zeitweise der Eindruck entstanden, jüngere Menschen wollten sich ihrer Verantwortung gegenüber Älteren entziehen. Aus seiner Sicht müsse bei politischen Entscheidungen künftig viel stärker geprüft werden, welche Folgen sie für die Zukunft haben. Knoll sprach sich deshalb für eine Art Nachhaltigkeitsfaktor in Gesetzen aus, der die Interessen kommender Generationen mitdenkt. Die Jüngeren müssten ebenfalls fair berücksichtigt werden und dürften nicht das Gefühl bekommen, dass nur kurzfristig gedacht werde.

Für Knoll hängt die Zukunft der Demokratie eng davon ab, ob es gelingt, junge Menschen wieder stärker dafür zu gewinnen. Wenn ihre Probleme ungelöst blieben und sich an den grundlegenden Bedingungen nichts ändere, steige das Risiko, dass einfache, aber letztlich untaugliche Antworten an Zuspruch gewännen.

Mitte-Parteien erreichen junge Wähler aus seiner Sicht zu wenig

Dass derzeit mehr junge Menschen extreme Parteien wählten, wertet Knoll als Zeichen dafür, dass die politischen Kräfte der Mitte sie zunehmend nicht mehr erreichten. Er meint, demokratische Parteien müssten ihre oft komplizierteren Lösungsansätze auch in der neuen Medienwelt so vermitteln, dass sie bei jungen Menschen ankommen. Dabei müsse klar werden, dass Demokratie und ihre Werte verteidigt werden müssten. Außerdem gehöre zum demokratischen System immer auch der Kompromiss, der nicht sofort neue Empörungswellen auslösen dürfe.

Bei den jüngsten Wahlen in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern hatten vor allem AfD und Linke bei jungen Wählern Stimmen geholt. Eine Umfrage im Auftrag der "Augsburger Allgemeinen" kam zudem zu dem Ergebnis, dass die AfD in Bayern auf 42 Prozent käme, wenn ausschließlich Menschen unter 30 Jahren abstimmen würden.

Warum junge Menschen zur AfD tendieren könnten

Knoll betonte, dass sich die Hinwendung vieler junger Menschen zur AfD nicht mit nur einer Ursache erklären lasse. Eine wichtige Rolle spielten die Verunsicherung durch internationale Krisen sowie die Sorgen rund um den Klimawandel. Hinzu kämen wirtschaftliche Ängste, etwa mit Blick auf die Folgen des demografischen Wandels für die Sozialsysteme. Auch persönliche Unsicherheiten seien ein Thema, beispielsweise weil Wohneigentum für viele kaum noch erreichbar sei.

Zudem habe sich die Medienlandschaft grundlegend verändert, sagte Knoll. Während frühere Generationen sich vor allem über klassische Medien informiert hätten, die Inhalte einordneten, bezögen viele junge Menschen ihre Informationen heute vor allem aus sozialen Netzwerken. Dort fehle oft ein filternder Rahmen, stattdessen träfen sie direkt auf politische Kräfte, die stark auf Zuspitzung, Polarisierung und Zynismus setzten.

Knoll will gezielt auf abgehängte junge Menschen zugehen

Trotz der schwierigen Lage zeigte sich Knoll überzeugt, dass sich junge Menschen weiterhin für die Demokratie gewinnen lassen. Entscheidend sei, ihre Anliegen wahrzunehmen und angemessen in politische Entscheidungen einzubeziehen.

Als Minister wolle er deshalb gezielt dorthin gehen, wo Menschen kaum Zugang zu klassischen Strukturen hätten, also nicht in Vereinen, Verbänden oder Parteien organisiert seien und sich teilweise abgehängt fühlten. Er wolle dabei nicht als belehrender Erklärer auftreten, sondern auf echte Gespräche setzen. Die Themen, die ihm in diesem Austausch begegneten, sollten dann auch in die Regierungsarbeit einfließen.

Mut mache ihm das hohe gesellschaftliche Engagement vieler junger Menschen. Es gebe zahlreiche Jugendliche und junge Erwachsene, die sich ehrenamtlich einbrächten und bereit seien, einen Teil ihrer Freizeit für die Gesellschaft einzusetzen. Dieses Potenzial müsse aus seiner Sicht stärker genutzt werden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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