Politik

Linnemann will jetzt schärfere Cannabis-Regeln

Cannabis für Erwachsene ist erlaubt, als Medizin boomt es. Jetzt will der neue Minister hart durchgreifen – was steckt dahinter?

15.09.2026, 15:01 Uhr

Linnemann fordert strengere Vorgaben für Medizinal-Cannabis

Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann dringt auf schärfere Regeln bei der Abgabe von Cannabis zu medizinischen Zwecken. Beim Deutschen Apothekertag in München sagte der CDU-Politiker, sein Haus rechne in diesem Jahr mit Importen von rund 300 Tonnen Medizinal-Cannabisblüten. Das sei innerhalb von drei Jahren etwa eine Verzehnfachung.

Linnemann sprach von einer Entwicklung, die aus seiner Sicht in vielen Fällen nichts mehr mit einer echten medizinischen Versorgung zu tun habe, sondern mit Drogenkonsum. Von Missbrauch in der Breite dürfe man nicht länger wegsehen.

Die schwarz-rote Bundesregierung hat dazu bereits einen Gesetzentwurf auf den Weg gebracht, der allerdings seit Ende vergangenen Jahres im Bundestag liegt. Künftig sollen Cannabisblüten nur noch verschrieben werden dürfen, wenn zuvor ein direkter Kontakt mit einer Ärztin oder einem Arzt stattgefunden hat. Außerdem soll Medizinal-Cannabis nicht mehr per Online-Versand erhältlich sein, sondern nur noch in Apotheken.

Linnemann forderte, dass sich die Koalitionsfraktionen dazu einigen. „Konsumcannabis auf Knopfdruck per Versandhandel“ habe mit Gesundheitsversorgung nichts zu tun, machte er deutlich.

Kritik an leichter Bestellung im Internet

Mit der allgemeinen Legalisierung von Cannabis für Erwachsene im Jahr 2024 unter zahlreichen Auflagen wurden auch die Regeln für die medizinische Nutzung neu gefasst. Seitdem gilt Cannabis zu diesem Zweck als verschreibungspflichtiges Arzneimittel und kann unter anderem zur Behandlung von Schmerzen eingesetzt werden.

Linnemann kritisierte jedoch, dass Cannabisblüten bislang über Internetseiten, die oft im Ausland sitzen, vergleichsweise leicht per Privatverordnung zu bekommen seien. Er verwies dabei auf eine kürzlich veröffentlichte Studie. Demnach ist die Zahl der Krankenhausaufnahmen mit cannabisbezogenen Diagnosen wie akuten Vergiftungen oder Psychosen seit der Legalisierung 2024 spürbar gestiegen.

Als mögliche Erklärung wird in der Untersuchung ein stärkerer Konsum von medizinischem Cannabis mit höherem THC-Gehalt genannt.

Neuer Minister mit „frischem Blick“

Linnemann sprach bei der Eröffnung des Apothekertags auf einer seiner ersten großen Veranstaltungen in der Gesundheitsbranche. Er verwies darauf, erst seit sechs Wochen im Amt zu sein. Zugleich sagte der frühere CDU-Generalsekretär, er komme nicht aus einer langen Tätigkeit im Gesundheitsausschuss.

Gerade darin sieht er nach eigenen Worten auch eine Chance: Als Minister wolle er Themen mit einem frischen Blick, mit ökonomischer Perspektive und mit einer gewissen Unbefangenheit angehen.

Kritik an ausländischen Versandhändlern

Mit Blick auf die wirtschaftliche Lage der Apotheken bemängelte Linnemann außerdem Wettbewerbsnachteile durch Arzneiversandhändler aus dem Ausland. Er kündigte an, sich dafür einzusetzen, diese Verzerrungen zu beenden.

Zuvor hatte der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (Abda), Thomas Preis, auf Werbeangebote von Online-Händlern hingewiesen. Diese böten teils an, eigentlich fällige Zuzahlungen für verschreibungspflichtige Medikamente nicht zu erheben.

Bewegung bei der Apotheken-Vergütung

Zum Apothekertag brachte Linnemann zudem eine weitere Ankündigung mit: Eine Verordnung mit neuen Regeln zur Vergütung sei bereits unterzeichnet und solle nun in Kraft treten.

Vorgesehen ist unter anderem, dass über einen festen Bestandteil der Vergütung für verschreibungspflichtige Medikamente künftig jedes Jahr direkt mit den gesetzlichen Krankenkassen verhandelt wird. Nach langem Drängen der Branche war dieser Betrag bereits zum 1. Juli von 8,35 Euro auf 9,00 Euro je Packung erhöht worden. Zum 1. Januar 2027 ist eine weitere Anhebung auf 9,50 Euro geplant.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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