Berlin

Am Blackout-Tag: Kein Anruf zwischen Merz und Wegner

Nach Berlins Mega-Blackout sind Krisenlücken weiter offen – jetzt muss die Bundesregierung ihre eigene Darstellung zurücknehmen.

15.05.2026, 11:13 Uhr

Kanzleramt korrigiert Angaben zu Kontakt zwischen Merz und Wegner während des Berliner Blackouts

Bundeskanzler Friedrich Merz hat am ersten Tag des großen Stromausfalls in Berlin entgegen früheren Angaben doch nicht direkt mit dem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner telefoniert. Das stellte eine Sprecherin der Bundesregierung nun klar und korrigierte damit frühere Auskünfte.

Demnach war Merz am 3. Januar 2026 zwar in die Kommunikation mit Wegner eingebunden, ein unmittelbares Gespräch oder Telefonat zwischen beiden habe es jedoch nicht gegeben. Frühere anderslautende Aussagen seien auf ein Missverständnis in der internen Kommunikation zurückzuführen. Über die neue Darstellung hatte zuvor der Tagesspiegel berichtet und sich dabei auf Unterlagen aus einer presserechtlichen Auseinandersetzung mit dem Kanzleramt berufen.

Frühere Angaben aus dem März

Noch am 17. März hatte ein Regierungssprecher auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur erklärt, Wegner habe am 3. Januar mehrfach mit Merz und Kanzleramtsminister Thorsten Frei gesprochen. Dabei sei es um mögliche Unterstützung des Landes Berlin durch Bundesbehörden zur Bewältigung der Folgen des Stromausfalls gegangen.

Nun präzisierte die Bundesregierung: Ein Gespräch mit dem Chef des Bundeskanzleramts habe an diesem Tag stattgefunden. Zu weiteren Regierungsmitgliedern außerhalb des Kanzleramts lägen hingegen keine Informationen vor.

Wegner selbst hatte im Januar mitgeteilt, er habe kurz nach 8 Uhr begonnen, zahlreiche Telefonate mit beteiligten Stellen zu führen, darunter mit der Bundesregierung, konkret dem Kanzleramt und dem Bundesinnenminister.

Längster Stromausfall der Berliner Nachkriegsgeschichte

Auslöser des Blackouts war am 3. Januar nach bisherigen Erkenntnissen ein Brandanschlag mutmaßlicher Linksextremisten auf eine Kabelbrücke. In der Folge kam es zum bislang längsten Stromausfall im Berlin der Nachkriegszeit.

Im Südwesten der Hauptstadt waren rund 100.000 Menschen in 45.000 Haushalten sowie mehr als 2.000 Betriebe teilweise über mehrere Tage hinweg ohne Strom. Damit fiel vielerorts auch die Heizung aus. Erst am 7. Januar war die Stromversorgung vollständig wiederhergestellt.

Offene Fragen zu Wegners Tagesablauf

Schon während des mehrtägigen Stromausfalls stand Wegner in der Kritik. Hintergrund war, dass er ein Tennismatch von etwa einer Stunde am ersten Tag gegen Mittag zunächst nicht offengelegt hatte. Bis heute ist nicht vollständig geklärt, wie sein Tagesablauf am Tag des Anschlags genau aussah und mit welchen Stellen er wann und in welcher Form Kontakt hatte. Dazu gab es teils widersprüchliche Angaben.

Einige Einzelheiten über jenen Samstag wurden erst nach und nach durch Medienberichte bekannt. Nach Angaben der Senatskanzlei verbrachte Wegner den Tag – abgesehen vom Tennismatch – in seinem häuslichen Büro. Später bat er für Fehler in seiner Kommunikation um Entschuldigung. Dennoch wird weiterhin über den genauen Ablauf des Tages spekuliert, auch weil bis heute keine offizielle Chronologie veröffentlicht wurde.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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