Brandenburg

Bombenfund am Umspannwerk

Alarm in Brandenburg: Am Umspannwerk nahe Jänschwalde wurden Sprengvorrichtungen entdeckt – was steckt dahinter?

01.09.2026, 13:37 Uhr

Nahe dem Kraftwerk Jänschwalde in Südbrandenburg hat es nach Angaben der Behörden zwei Sabotageakte an einem Umspannwerk gegeben. Auswirkungen auf die Stromversorgung gab es laut Netzbetreiber 50Hertz jedoch nicht, verletzt wurde niemand.

Nach Angaben von Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) gelang es in zwei Fällen, leitfähiges Material in eine Höchstspannungsleitung einzubringen. In mehreren weiteren Fällen sei das misslungen. Das Gelände nahe der sächsischen Landesgrenze werde weiter abgesucht; dabei seien weitere Vorrichtungen in zweistelliger Zahl entdeckt worden. Auch Entschärfer waren im Einsatz. Redmann betonte, die Art der Tat sei geeignet gewesen, größere Schäden zu verursachen.

Ermittlungen laufen in alle Richtungen

Die Täter sind bislang unbekannt. Nach den Worten Redmanns werde in alle Richtungen ermittelt. Er verwies darauf, dass es in der Region in der Vergangenheit insbesondere aus dem linksextremen Spektrum Angriffe auf das Stromnetz gegeben habe. Zugleich könne weder ausgeschlossen werden, dass fremde Mächte hinter dem Anschlag stehen, noch dass andere bislang unbekannte Täter verantwortlich seien.

Nach Einschätzung des Ministers spricht vieles für ein systematisches Vorgehen. Ziel sei offenbar gewesen, durch das leitfähige Material einen Kurzschluss auszulösen. Genau das sei in zwei Fällen gelungen.

Feuerball beobachtet – Treibsatz im Fokus

Gegen 7.30 Uhr am Dienstag wurde eine mögliche Sachbeschädigung an einer Leitung festgestellt. Spuren wurden gesichert, das Landeskriminalamt Brandenburg übernahm die Ermittlungen.

Nach derzeitigem Stand wurde das leitfähige Material mithilfe eines Treibsatzes in die Höchstspannungsleitung befördert. Ein sichtbarer Feuerball deute vermutlich auf einen Kurzschluss in einer Höchstspannungsleitung hin, der anschließend ins Erdreich gegangen sei. Zugleich betonte Redmann, bislang könne nicht bestätigt werden, dass ein Sprengsatz detoniert sei.

Keine Stromausfälle – auch Sonne und Wind halfen

Vor Ort wurde das Umspannwerk großräumig abgesperrt. Die Anlage liegt abgelegen in einem Waldgebiet zwischen Hochspannungsmasten; von der Straße aus ist der Bereich nicht einsehbar.

Nach Angaben von 50Hertz war die allgemeine Stromversorgung zu keiner Zeit beeinträchtigt. Der Netzbetreiber erklärte zudem, dass dabei auch das Wetter mit Sonne und Wind geholfen habe. Für die Bevölkerung habe es keine direkten Auswirkungen gegeben.

50Hertz hatte zunächst von selbstgebauten Flugkörpern gesprochen, die handelsüblichen Silvesterraketen ähnelten. Redmann stellte jedoch klar, es habe sich nicht um gewöhnliche Silvesterraketen, sondern um eigens zu diesem Zweck hergestellte Raketen gehandelt.

Betreiber spricht von Anschlag – Block B automatisch abgeschaltet

Der Energiekonzern Leag bezeichnete den Vorfall als Anschlag. Betroffen ist ein Umspannwerk in Turnow-Preilack, über das der im Kraftwerk Jänschwalde erzeugte Strom in das Übertragungsnetz von 50Hertz eingespeist wird.

Nach Unternehmensangaben kam es infolge des Vorfalls zu einem technischen Ausfall von Block B im Kraftwerk. Die Abschaltung sei automatisiert als Sicherheitsmaßnahme erfolgt. Ob darüber hinaus ein direkter ursächlicher Zusammenhang mit den Sabotageakten besteht, ist Gegenstand weiterer Prüfungen.

Forderung nach besserem Schutz kritischer Infrastruktur

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke verurteilte den Vorfall als Anschlagsversuch. Die hohe Zahl solcher Taten zeige, dass kritische Infrastruktur entschlossener geschützt werden müsse. Nach seiner Darstellung haben Einsatzkräfte sowie Beschäftigte von Umspannwerk und Kraftwerk Schlimmeres verhindert.

Der Fall soll ebenso wie der versuchte Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig/Halle bei der nächsten Innenministerkonferenz thematisiert werden.

Umspannwerk wichtig für regionale und überregionale Versorgung

Das Umspannwerk Preilack liegt im Landkreis Spree-Neiße nahe der Grenze zu Sachsen. Dort wird der im Kraftwerk Jänschwalde erzeugte Strom regional und überregional verteilt. Das Kraftwerk entstand nach Angaben der Leag zwischen 1976 und 1989 als letzter Kraftwerksneubau der DDR. Ende 2028 sollen alle Blöcke endgültig stillgelegt werden.

Reihe von Angriffen auf Energieinfrastruktur

Der Vorfall reiht sich in mehrere Angriffe auf Energieanlagen im Großraum Berlin ein. Im Januar wurden nahe einem Kraftwerk im Südwesten Berlins mutmaßlich von linksextremen Tätern Starkstromleitungen angezündet und kurzgeschlossen. Rund 45.000 Haushalte sowie mehr als 2.200 Geschäfte und Firmen, außerdem Krankenhäuser und Pflegeheime, waren damals tagelang ohne Strom. Zu der Tat bekannten sich die sogenannten „Vulkangruppen“.

Bereits im März 2024 war zudem ein großer Strommast attackiert worden, der für die Versorgung der Tesla-Fabrik in Grünheide wichtig ist. Die Produktion musste daraufhin für mehrere Tage gestoppt werden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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