Gut drei Wochen nach der Vereinbarung einer Waffenruhe zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz verschärft sich die Lage im Grenzgebiet erneut deutlich. Bei neuen israelischen Luftangriffen im Südlibanon wurden nach libanesischen Angaben fünf Menschen getötet. Bereits am Freitag waren demnach bei Angriffen in der Region zwölf Menschen ums Leben gekommen.
Nach Angaben der staatlichen libanesischen Nachrichtenagentur NNA traf eine israelische Drohne ein Auto nahe der Stadt Nabatieh. Die beiden Insassen wurden dabei getötet. Bei einem weiteren Angriff auf ein Haus in Iklim al-Tuffah kamen am frühen Morgen drei weitere Menschen ums Leben. Die Gegend gilt als Hochburg der proiranischen Hisbollah.
Israels Militär meldet rund 50 Angriffe binnen 24 Stunden
Die israelische Armee erklärte auf der Plattform X, innerhalb von 24 Stunden habe es rund 50 Angriffe im Südlibanon gegeben. Das Militär sprach davon, weiter gegen sogenannte Terror-Infrastruktur im Nachbarland vorzugehen und Kämpfer zu töten.
Nach israelischen Angaben gehörten zu den Zielen auch Gebäude, die Hisbollah-Mitglieder für Angriffe auf israelische Soldaten genutzt haben sollen. Zugleich meldete die Armee, dass Soldaten im Südlibanon mit mehreren Raketen aus Reihen der Hisbollah beschossen worden seien. Auch im Norden Israels kommt es demnach weiter zu Drohnenangriffen der Miliz.
Brüchige Feuerpause und neue Eskalation
Obwohl offiziell eine Waffenruhe gilt, kommt es nahezu täglich zu gegenseitigen Angriffen. Seit Anfang März hatte sich der Konflikt im Zuge der regionalen Eskalation erneut deutlich verschärft, nachdem Raketen aus dem Libanon abgefeuert worden waren. Israel reagierte mit Luftangriffen und Bodeneinsätzen im Südlibanon; im Grenzgebiet kam es zu schweren Gefechten.
Nach libanesischen Angaben wurden seit Anfang März mehr als 2.600 Menschen getötet und mehr als eine Million weitere vertrieben. Der Libanon selbst gilt offiziell nicht als Konfliktpartei.
USA drängen auf neue direkte Gespräche
Angesichts der angespannten Lage drängen die USA auf direkte Gespräche zwischen Israel und dem Libanon auf höchster politischer Ebene. Die Waffenruhe gilt offiziell noch bis Mitte Mai. Verkündet worden war sie vor rund drei Wochen nach Gesprächen von US-Präsident Donald Trump mit Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun.
Die US-Botschaft in Beirut sprach sich inzwischen für ein Treffen zwischen Aoun und Netanjahu aus. Ziel seien Garantien für Souveränität, sichere Grenzen, humanitäre Hilfe und den Wiederaufbau unter Absicherung durch die USA. Laut libanesischen Medien lehnt Aoun ein solches Treffen während der anhaltenden Kämpfe jedoch derzeit ab und stellt es erst nach erfolgreichen Verhandlungen in Aussicht.
Bei einem Treffen Aouns mit US-Botschafter Michel Issa am Freitag ging es nach Angaben des Präsidialamts um die Stabilisierung der Waffenruhe sowie um mögliche weitere Gespräche in Washington zur Grenzsicherheit. Bei ersten direkten Kontakten dort hatte Israel die vollständige Entwaffnung der Hisbollah gefordert, während der Libanon auf einen kompletten israelischen Abzug pochte. Die in einer Vereinbarung aus dem Jahr 2024 vorgesehene Entwaffnung der Hisbollah ist bislang nicht umgesetzt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion