Israel

Film «NAZA» zum Gaza-Krieg: Droht jetzt ein Armee-Eklat?

Preisgekrönter Gaza-Film schockt – Israels Militärchef spricht von Lügen und lässt nun juristische Schritte prüfen.

14.09.2026, 17:42 Uhr

Israelische Armee prüft rechtliche Schritte wegen Dokumentarfilm «NAZA»

Nach der Auszeichnung des Dokumentarfilms «NAZA» beim Filmfestival in Venedig mit dem Spezialpreis der Jury hat Israels Generalstabschef mehrere Schritte veranlasst. Wie die Armee auf der Plattform X mitteilte, wies Militärchef Ejal Zamir nach einer internen Beratung den Militärstaatsanwalt an, mögliche juristische Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Film und dessen Beteiligten zu untersuchen und gegebenenfalls einzuleiten.

Dabei gehe es unter anderem um die Verbreitung aus Sicht der Armee falscher Behauptungen über israelische Soldaten sowie um mögliche Folgen für deren persönliche Sicherheit und die Sicherheit des Staates. Zusätzlich sollen Fragen der Informationssicherheit und eine mögliche Weitergabe geheimer Materialien durch beteiligte Personen geprüft werden.

Film stützt sich auf anonyme Aussagen

Der Film von Rachel Szor und Yuval Abraham befasst sich mit den mutmaßlichen Strukturen und Abläufen hinter der israelischen Kriegsführung im Gazastreifen. Für die Dokumentation sprach Abraham mit 24 Angehörigen des israelischen Militärs und der Geheimdienste. Die Gesprächspartner bleiben anonym: Ihre Stimmen wurden technisch verfremdet, ihre Gesichter sind nicht zu sehen.

Nach Darstellung des Films berichten die Interviewten unter anderem darüber, wie Ziele im Gazastreifen ausgewählt werden und welche Zahl ziviler Opfer bei Angriffen in Kauf genommen werde. Der Titel «NAZA» verweist auf ein hebräisches Kürzel für Kollateralschaden.

Armeeführung weist Vorwürfe entschieden zurück

Die israelische Armee bestreitet die im Film erhobenen Anschuldigungen klar. Besonders kritisiert sie, dass die Dokumentation auf anonymen Aussagen beruhe, deren Urheber und tatsächliche Funktionen innerhalb des Militärs nicht überprüfbar seien. Auch die im Film angesprochene Nutzung Künstlicher Intelligenz bei der Zielauswahl weist die Armee zurück. Entscheidungen über Angriffe würden ausschließlich von Menschen getroffen und genehmigt.

Generalstabschef Zamir erklärte, bei dem Werk handle es sich nicht um legitische Kritik, sondern um Verleumdung, eine gezielte Verzerrung der Wirklichkeit und um schwere, unwahre Vorwürfe gegen Soldaten und Kommandeure. Die Armee werde, so Zamir, alle verfügbaren Mittel einsetzen, um ihre Soldaten und den Ruf des Militärs zu schützen.

Hintergrund: Krieg seit dem 7. Oktober 2023

Auslöser des Gaza-Kriegs war der Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023. Dabei wurden in Israel nach offiziellen Angaben rund 1.200 Menschen getötet und mehr als 250 Personen als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Seit Beginn des Krieges wurden nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde im Gazastreifen mehr als 73.600 Palästinenser getötet.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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