Noam Bettan tritt für Israel beim ESC an – Wettbewerb von Boykotten und Protesten überschattet
Der 28-jährige Sänger Noam Bettan vertritt Israel in diesem Jahr beim Eurovision Song Contest. Die Teilnahme des Landes sorgt erneut für Kontroversen: Mehrere Staaten, darunter Spanien und die Niederlande, boykottieren den Wettbewerb aus Protest gegen Israels Vorgehen im Gazastreifen nach dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023. Rund um den ESC werden außerdem Demonstrationen und mögliche Störaktionen erwartet.
Zu den Boykottaufrufen und den Anfeindungen, denen israelische Teilnehmerinnen in den vergangenen Jahren ausgesetzt waren, hat sich Bettan bislang kaum öffentlich geäußert. Nach Berichten israelischer Medien hatte er seine Teilnahme vor einigen Monaten lediglich damit beschrieben, dass es sich anfühle, "als gehe man in die Höhle des Löwen".
Der Leiter der israelischen Delegation sagte laut lokalen Medien, Bettan sei mental gefestigt. Dennoch seien Buhrufe, wie sie israelische Acts in früheren Jahren erleben mussten, belastend. Der Sänger selbst berichtete der "Bild", sein Team simuliere solche Reaktionen sogar bei Proben, um ihn auf den Ernstfall vorzubereiten.
Mit „Michelle“ setzt Israel auf einen kraftvolleren Popsong
Bettan kommt aus einer Stadt nördlich von Tel Aviv und hat in Israel bereits mehrere erfolgreiche Songs sowie ein Album veröffentlicht. Er ist der Sohn französischer Einwanderer und singt teilweise auf Französisch. Das zeigt sich auch in seinem ESC-Beitrag „Michelle“, der neben hebräischen und englischen auch viele französische Textzeilen enthält.

Im Unterschied zu den beiden israelischen Beiträgen der vergangenen Jahre handelt es sich diesmal nicht um eine Ballade. „Michelle“ ist ein emotionaler, zugleich aber deutlich dynamischerer Popsong. Inhaltlich geht es darum, sich aus einer belastenden Beziehung zu befreien.
Bei der Vorstellung des Liedes im israelischen Fernsehen sagte Bettan, das Land sehne sich danach, wieder unbeschwert und glücklich sein zu können. Mitgeschrieben wurde der Titel unter anderem von Yuval Raphael, Israels ESC-Vertreterin des Vorjahres und Überlebende des Hamas-Massakers von 2023.
In Israel stößt der Boykott auf viel Unverständnis
Viele Menschen in Israel empfinden den Boykott der ESC-Teilnahme ihres Landes als einseitig. Ihrer Ansicht nach blenden Kritiker das Massaker der Hamas aus, das dem Krieg im Gazastreifen vorausging. Hinzu kommt der Ärger darüber, dass aus ihrer Sicht häufig kein Unterschied zwischen der israelischen Bevölkerung und der politischen Führung gemacht wird.
Die Forderung, israelische Künstler etwa vom ESC auszuschließen, wird von vielen daher als Form der Kollektivbestrafung verstanden. Dabei hatte es auch innerhalb Israels wiederholt größere Demonstrationen gegen den Gaza-Krieg sowie für eine Einigung mit der Hamas gegeben.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion