Trump erhöht Druck auf Iran – UN warnt vor humanitärer Not in der Straße von Hormus
US-Präsident Donald Trump verschärft im Konflikt um die Straße von Hormus den Druck auf den Iran. Während das US-Militär in der 13. Nacht in Folge Ziele in dem Land bombardierte, kündigte Trump auf seiner Plattform Truth Social an, Schäden an Schiffen und Fracht künftig mit iranischem Geld ausgleichen zu wollen. Gemeint sind offenbar eingefrorene Vermögenswerte Teherans. Wie das rechtlich umgesetzt werden soll, ließ er offen. Trump sprach dennoch von einem „fairen und gerechten“ Vorgehen.
Der Iran zeigt sich davon unbeeindruckt. Nach Informationen der „New York Times“ lehnte die Führung in Teheran einen von Iraks Ministerpräsident Ali al-Saidi übermittelten US-Vorschlag für eine neue Waffenruhe ab. Details des Angebots wurden dem Bericht zufolge nicht bekannt. Iranische und irakische Vertreter erklärten demnach jedoch, Teheran habe kein Interesse an einer Übergangslösung, solange die Kontrolle über die Straße von Hormus ungeklärt bleibe. Der Iran beansprucht die alleinige Kontrolle über die für den weltweiten Handel mit Öl, Gas und Dünger zentrale Meerenge.
Das US-Militär begründet seine nächtlichen Angriffe damit, die vom Iran ausgehende Gefahr für Handelsschiffe und zivile Seeleute einzudämmen. Der Konflikt, der zwischenzeitlich etwas abgeflaut war, war Anfang des Monats erneut eskaliert, nachdem iranische Streitkräfte Handelsschiffe in der Straße von Hormus beschossen hatten.
Tausende Seeleute sitzen in der Meerenge fest
Die Folgen der Kämpfe treffen inzwischen auch die zivile Schifffahrt mit voller Wucht. Nach Angaben des Büros des UN-Hochkommissars für Menschenrechte, Volker Türk, sitzen wegen der anhaltenden gegenseitigen Angriffe von USA und Iran mindestens 6.000 Menschen auf rund 400 Schiffen in der Straße von Hormus fest.
Besonders dramatisch ist die Lage demnach auf mindestens neun Schiffen mit 93 Besatzungsmitgliedern, die von ihren Eignern aufgegeben worden sein sollen. Die Seeleute müssten selbst organisieren, wie sie an Wasser, Nahrung und medizinische Hilfe kommen. Türk warnte, lange Isolation in einer aktiven Konfliktzone könne schwere Folgen für die körperliche und psychische Gesundheit haben.
Nach UN-Angaben wurden seit Beginn der Angriffe Israels und der USA auf den Iran Ende Februar mindestens 17 Seeleute getötet. Türk rief die Konfliktparteien dazu auf, einen Weg zu finden, um die festgesetzten Besatzungen in Sicherheit zu bringen.
Erneut Explosionen im Iran
Nach dem Ende der jüngsten Angriffswelle am frühen Morgen erklärte das US-Regionalkommando Centcom auf X, erneut seien Kommandozentralen, Drohnenlager und Küstenüberwachungsanlagen attackiert worden. Zuvor hatten iranische Medien über Explosionen nahe Ahwaz, Andimeschk und Omidiyeh in der Provinz Chusestan berichtet. Auch aus dem Gebiet um die Insel Gheschm in der Straße von Hormus sowie aus der Großstadt Bandar Abbas wurden Detonationen gemeldet. Laut dem dem Sicherheitsrat nahestehenden Portal „Nur News“ war zudem die Flugabwehr in Teheran im Einsatz.
Die staatliche Nachrichtenagentur Irna meldete unter Berufung auf Behördenvertreter in Chusestan vier Tote infolge der jüngsten US-Angriffe. Bereits am Donnerstagabend hatte das iranische Gesundheitsministerium von insgesamt 55 Toten seit der Wiederaufnahme der Kämpfe im Juli gesprochen.
Wie in den Nächten zuvor reagierte der Iran mit Gegenangriffen. Kuwait meldete erneut abgefangene iranische Raketen und Drohnen und forderte die Bevölkerung auf, Schutzanweisungen zu beachten. Nach Darstellung der iranischen Agentur Tasnim richteten sich die Attacken gegen einen Militärstützpunkt, der auch von der US-Luftwaffe genutzt wird. Unabhängig überprüfen ließen sich diese Angaben zunächst nicht.
Zusätzlich meldete der Iran erneut Angriffe auf Bahrain und Jordanien. In Bahrain heulten nach Angaben des Innenministeriums in Manama am Morgen die Sirenen. Für mögliche Angriffe in Jordanien gab es zunächst keine offizielle Bestätigung.
Kuwait gehört zu den Staaten am Golf, die zuletzt wiederholt Ziel iranischer Gegenangriffe wurden. Die Mitglieder des Golfkooperationsrats – Bahrain, Katar, Kuwait, Oman, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate – sowie Jordanien verurteilten die Attacken. Nach ihrer Darstellung richteten sich die Angriffe auch gegen Zivilisten und nicht-militärische Infrastruktur wie Flughäfen und Wasserentsalzungsanlagen.
Bericht: Iran behebt Kriegsschäden schneller als erwartet
Nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ ist ein Teil der im Krieg beschädigten Infrastruktur im Iran überraschend schnell wieder instand gesetzt worden. Das soll sowohl für tief in den Bergen gelegene Raketenstützpunkte als auch für Brücken, Häfen und Produktionsanlagen gelten. Die Zeitung beruft sich dabei auf westliche und israelische Beamte sowie auf Satellitenbilder. Demnach bleibt der Iran trotz der heftigen Angriffe in der Lage, Schiffe präzise zu treffen und US-Verbündete mit Raketen anzugreifen.
Dem Bericht zufolge hatten die USA und Israel den Krieg am 28. Februar begonnen. Trotz schwerer Schäden scheint Teheran wichtige militärische und logistische Strukturen rasch wiederherzustellen.
Trump droht Iran nach Huthi-Angriffen
Bereits zuvor hatte Trump der iranischen Führung nach Angriffen der mit Teheran verbündeten Huthi-Miliz vor Jemens Küste mit Vergeltung gedroht. Sollte es zu weiteren Attacken kommen, würden die USA den Iran zur Rechenschaft ziehen, schrieb er auf Truth Social, da die Huthi als Stellvertreter Teherans agierten. Zugleich stellte er „schwere militärische Strafen“ sowohl gegen den Iran als auch gegen die Huthi in Aussicht.
Die Huthi reklamierten Angriffe auf zwei saudische Öltanker für sich, die nach ihrer Darstellung eine von ihnen ausgerufene „Blockade“ im Roten Meer missachtet hätten. Zuvor hatten etwa ein halbes Dutzend Schiffe nach Ausrufung der Blockade zu Wochenbeginn den Kurs geändert, um auch die Meerenge Bab al-Mandab vor Jemens Küste zu meiden, die von der Miliz mit Drohnen, Raketen und Marschflugkörpern bedroht werden kann. In der Nacht zum Donnerstag kam es dann zum Angriff der Huthi. Saudi-Arabien kündigte an, „alle notwendigen Schritte“ zum Schutz seiner Schiffe zu unternehmen.
Unterdessen wächst in den USA auch der innenpolitische Druck auf Trump. Das Repräsentantenhaus verabschiedete erneut eine Resolution, in der der Präsident aufgefordert wird, den Militäreinsatz zu beenden. Rechtlich bindend ist der Beschluss zwar nicht, er zeigt aber den zunehmenden Widerstand gegen Trumps Kurs – auch mit Blick auf die Kongress-Zwischenwahlen im November.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber