Bayern

Überraschende Einigung im Sessellift-Streit

Monatelang tobte der Seilbahn-Zoff am Fellhorn – jetzt kommt die überraschende Wende im Allgäuer Dauerstreit.

04.08.2026, 15:22 Uhr

Naturschützer und Bergbahn-Betreiber haben ihren Streit um den Bau eines neuen Sessellifts im Allgäu beigelegt. Wie die Oberstdorf Kleinwalsertal (OK) Bergbahnen und der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) Bayern mitteilten, verpflichtet sich das Unternehmen im Rahmen eines Vergleichs zu zusätzlichen Maßnahmen zum Schutz bedrohter Arten. Im Gegenzug kann die Scheidtobelbahn am Fellhorn bei Oberstdorf noch in dieser Saison gebaut werden und soll bereits im kommenden Winter den Betrieb aufnehmen.

Zuvor hatte der LBV vor Gericht einen Teilerfolg erzielt. Das Verwaltungsgericht Augsburg hatte den Neubau in einem Eilverfahren zunächst gestoppt. Daraufhin kündigten die Betreiber an, die von den Naturschützern geforderte Umweltprüfung rasch nachzuholen. Über die eigentliche Klage war zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht entschieden. Mit der nun erzielten Einigung ziehen die Naturschützer ihre Verfahren zurück.

Warum der LBV dem Vergleich zustimmte

LBV-Geschäftsführer Helmut Beran stellte klar, dass die Einigung nicht bedeute, alle Eingriffe im Nachhinein gutzuheißen. Die grundsätzlichen naturschutzfachlichen Bedenken blieben bestehen. Dennoch bringe der Vergleich spürbare Verbesserungen für gefährdete Arten wie Birkhuhn, Alpenmosaikjungfer, Zitronenzeisig und Waldbirkenmaus.

Vorgesehen ist unter anderem, dass rund 2,4 Hektar als Rückzugsgebiet für das bedrohte Birkhuhn für Wintersportler gesperrt werden. Für die Alpenmosaikjungfer soll ein auf fünf Jahre angelegtes Schutzkonzept erarbeitet werden. Außerdem muss der Betreiber zusätzliche Wasserstellen anlegen, um seltene alpine Arten zu unterstützen.

OK-Bergbahnen-Geschäftsführer Andreas Gapp erklärte, die Vereinbarung verursache zwar Mehrkosten. Zugleich werde damit aber ein Konflikt beendet, der die Fertigstellung des Projekts in dieser Saison verhindert hätte. Insgesamt sei die Lösung sowohl für die Region als auch für den Naturschutz sinnvoll.

Streit um das Gesetz – Einigung beim Projekt

Die Scheidtobelbahn hatte schon vor dem Rechtsstreit überregional Aufmerksamkeit erregt. Sie ist das erste Vorhaben, das auf Grundlage des umstrittenen dritten bayerischen Modernisierungsgesetzes genehmigt wurde. Mit diesem Gesetz will die Staatsregierung Verfahren vereinfachen und Bürokratie abbauen. In bestimmten Fällen entfällt dadurch jedoch eine Umweltverträglichkeitsprüfung. Das Landratsamt Oberallgäu hatte deshalb bei diesem Projekt auf eine solche Prüfung verzichtet.

Beran betonte, für den LBV seien auf dem Weg zur Einigung vor allem verbindliche Vorgaben entscheidend gewesen. Dazu gehörten klar festgelegte Flächen, ein verlässliches Monitoring sowie eine Arbeitsgruppe, in der die Umsetzung fortlaufend fachlich begleitet werde.

Begleitet wurden die Gespräche von Oberallgäus Landrat Christian Wilhelm. Er sagte, es sei wichtig gewesen, eine Lösung zu finden, die dem Naturschutz zugutekomme und zugleich Planungssicherheit für ein Vorhaben schaffe, von dem in der Region viele Arbeitsplätze abhingen. Dass die Einigung ohne weitere Gerichtsinstanzen gelungen sei, wertete er als positives Signal für den Umgang miteinander im Oberallgäu.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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