Iran

Iran kündigt überraschenden Diplomatie-Vorstoß an

Teheran sendet plötzlich ein Signal an die USA: gesprächsbereit ja – doch warum warnt Ghalibaf vor Zugeständnissen?

22.09.2026, 11:40 Uhr

Im Streit mit den USA hat die iranische Führung erneut Verhandlungsbereitschaft erkennen lassen. Diplomatie bedeute keine Kapitulation, sondern die Umsetzung militärischer Stärke in politische Erfolge, sagte Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf laut iranischen Medien in Teheran.

Der als konservativer Pragmatiker geltende Ghalibaf deutete damit vorsichtig neue diplomatische Schritte in der festgefahrenen Konfrontation mit Washington an. Seit Wochen gibt es jedoch keine Hinweise auf ein baldiges Ende des Kriegs. Vertreter des harten Lagers in Teheran hatten sich zuletzt betont selbstbewusst gezeigt und auch eine weitere militärische Eskalation in Kauf genommen.

Selbstbewusste Ansage an Trump

Zugleich machte Ghalibaf deutlich, dass aus seiner Sicht keine raschen Zugeständnisse zu erwarten sind. An US-Präsident Donald Trump gerichtet sagte der iranische Chefunterhändler, dieser müsse verstehen, dass er weder dem iranischen Volk noch den Streitkräften seinen Willen aufzwingen könne.

Irans Präsident bei den UN in New York

Unterdessen ist Irans Präsident Massud Peseschkian zur UN-Generalversammlung in New York eingetroffen. Dort will er an diesem Mittwoch eine Rede halten. Beobachter spekulieren zudem über mögliche Kontakte der iranischen Delegation zu Vermittlern oder Vertretern der US-Regierung.

Zusätzliche Aufmerksamkeit bekam die Reise durch einen Vorstoß des bekannten iranischen Klerikers und Oppositionspolitikers Mehdi Karrubi. Der 88-Jährige, der viele Jahre unter Hausarrest stand, forderte Peseschkian in einem Brief zu einem Treffen mit Trump auf – sofern die Voraussetzungen dafür gegeben seien.

Karrubi schrieb laut dem reformistischen Portal Ensafnews, die iranische Regierung müsse den Mut haben, selbst geschaffene Tabus zu überwinden. Obwohl die Gegenseite im üblichen Sinne nicht vertrauenswürdig sei, gebe es keinen anderen Weg als den der Diplomatie. Diese sei kein Zeichen von Schwäche, sondern Ausdruck von Vernunft und der Stärke eines Volkes, das an sich selbst glaube.

Vor mehr als sechs Monaten hatten die USA und Israel ihren Krieg gegen den Iran begonnen. Inzwischen konzentriert sich der Konflikt vor allem auf die Straße von Hormus. Während Washington versucht, Teheran mit Sanktionen und einer Seeblockade wirtschaftlich in die Knie zu zwingen, setzt die iranische Führung offenbar darauf, dass steigende Energiepreise den Westen zusätzlich unter Druck setzen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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