Iran

Drohnenalarm: Kuwait und Emirate unter Beschuss

Waffenruhe? Von wegen: Mit neuen Angriffen am Golf erhöht Teheran den Druck auf die USA – und torpediert jede Vermittlung.

10.05.2026, 13:16 Uhr

Mutmaßliche iranische Drohnen über Kuwait und VAE – Teheran legt Antwort auf US-Friedensplan vor

Trotz einer seit gut einem Monat geltenden Waffenruhe ist der Iran-Krieg erneut von Zwischenfällen überschattet worden. Kuwait ist nach Angaben seines Verteidigungsministeriums Ziel mutmaßlich iranischer Drohnen geworden. Ein Sprecher erklärte, die Streitkräfte hätten mehrere „feindliche Drohnen“ im kuwaitischen Luftraum entdeckt und darauf reagiert. Nähere Angaben wurden zunächst nicht gemacht. Das Ministerium betonte jedoch, man sei vollständig darauf vorbereitet, die Sicherheit des Landes und seiner Bevölkerung zu schützen.

Auch die Vereinigten Arabischen Emirate meldeten einen neuen Angriff. Nach Angaben des emiratischen Verteidigungsministeriums fing die Luftabwehr zwei iranische Drohnen ab.

Seit Beginn des Krieges zwischen den USA, Israel und dem Iran Ende Februar reagiert Teheran mit Angriffen, die sich auch gegen Golfstaaten richten. In der Region befinden sich wichtige US-Militärstützpunkte und diplomatische Einrichtungen. Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate zählen bislang zu den besonders betroffenen Staaten.

Diplomatische Bemühungen gehen weiter

Parallel zu den neuen Angriffen laufen die Gespräche über ein mögliches Kriegsende weiter. Nach Informationen des Portals Axios trafen sich US-Außenminister Marco Rubio und der Sondergesandte des Weißen Hauses, Steve Witkoff, am Samstag mit dem katarischen Ministerpräsidenten Mohammed bin Abdulrahman Al Thani. Ziel des Treffens war demnach eine Vereinbarung zur Beendigung des Krieges.

Dem Bericht zufolge betrachtet das Weiße Haus Katar als besonders wirkungsvollen Gesprächspartner gegenüber dem Iran. Pakistan vermittelt in dem Konflikt offiziell, während Katar eher hinter den Kulissen Einfluss nimmt.

Zeitung: Neue Gespräche in Islamabad möglich

Die militärischen Spannungen bleiben trotz der Waffenruhe hoch. Laut Wall Street Journal könnten Gespräche der Konfliktparteien unter pakistanischer Vermittlung bereits in der neuen Woche erneut in Islamabad stattfinden.

Mehrere geplante Verhandlungsrunden in der pakistanischen Hauptstadt waren zuletzt gescheitert. Neu ist, dass der Iran seine Antwort auf den US-Friedensvorschlag nach Angaben der Staatsagentur Irna am Sonntag an Vermittler Pakistan übergeben hat. Der iranische Staatssender Irib berichtete zudem, der von Teheran vorgeschlagene Text konzentriere sich auf ein Ende der Kampfhandlungen an allen Fronten, insbesondere im Libanon, sowie auf die Sicherung der Schifffahrt.

Bei dem US-Vorschlag handelt es sich iranischen Angaben zufolge um eine 14 Punkte umfassende Absichtserklärung. Das Papier soll unter anderem einen Rahmen für zunächst 30 Tage dauernde Verhandlungen schaffen, um den Krieg zu beenden. Medienberichten zufolge geht es außerdem um mögliche Lockerungen von US-Sanktionen, um Vereinbarungen zur Zukunft der Straße von Hormus und um eine Grundlage für weitere Gespräche über das umstrittene iranische Atomprogramm.

Russland könnte Uran aus dem Iran lagern

Russland hat sich unterdessen erneut bereit erklärt, angereichertes Uran aus dem Iran abzutransportieren und einzulagern. Präsident Wladimir Putin sagte nach den Feierlichkeiten zum Jahrestag des Sieges im Zweiten Weltkrieg in Moskau, darüber habe ursprünglich Einigkeit bestanden. Später hätten die USA ihre Haltung jedoch verschärft.

Putin verwies darauf, dass Russland bereits 2015 angereichertes Uran aus dem Iran abtransportiert habe. Moskau sei bereit, diese Erfahrung zu wiederholen. Nach seinen Worten hatten Iran, die USA und Israel dem Vorgehen zunächst zugestimmt. Erst als Washington verlangt habe, das Material ausschließlich in die USA zu bringen, habe Teheran seine Position verschärft.

Großbritannien bereitet Marineeinsatz vor

Großbritannien hat einen Zerstörer für einen möglichen Einsatz zum Schutz von Handelsschiffen in der Straße von Hormus entsandt. Die HMS Dragon wird demnach in Position gebracht, um an einer von Großbritannien und Frankreich geführten Mission teilzunehmen, sobald die Kämpfe zwischen dem Iran und israelisch-amerikanischen Streitkräften enden.

Das Schiff war zuletzt im östlichen Mittelmeer im Einsatz, nachdem ein britischer Luftwaffenstützpunkt auf Zypern von einer Drohne iranischer Bauart getroffen worden war.

Auch Deutschland will sich beteiligen

Unter Führung Frankreichs und Großbritanniens wird bereits ein internationales Bündnis für einen möglichen Marineeinsatz nach einem Ende der Kampfhandlungen vorbereitet. Deutschland erwägt dabei eine Beteiligung mit Minenjagdbooten, einer Führungs- und Versorgungsplattform sowie seegestützter Aufklärung.

Die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt, ist seit Wochen durch iranische Maßnahmen blockiert. Die Folgen für die Weltwirtschaft sind erheblich. Die USA haben ihrerseits eine Blockade iranischer Häfen verhängt.

Flughäfen warnen vor weiteren Flugstreichungen

Angesichts drohender Engpässe bei der Versorgung mit Kerosin warnt die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) vor weiteren Flugausfällen und steigenden Preisen. ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel sagte der Welt am Sonntag, besonders bei Low-Cost-Airlines und touristisch weniger bedeutenden Zielen könnten weitere Verbindungen gestrichen werden.

Im schlimmsten Fall drohe an einzelnen Flughäfen ein Kapazitätsrückgang von bis zu zehn Prozent. Hochgerechnet auf alle Flughäfen in Deutschland könnten rund 20 Millionen Fluggäste betroffen sein. Manche Ziele würden dann gar nicht mehr, andere nur noch seltener und zu höheren Preisen angeflogen.

Hintergrund sind stark gestiegene Kerosinpreise infolge der durch den Iran-Krieg gestörten Öltransporte durch die Straße von Hormus. Einige Fluggesellschaften haben deshalb bereits Flüge gestrichen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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