Zum besseren Schutz vor Hitze verlangen die Grünen im bayerischen Landtag, alle öffentlich zugänglichen kühlen Orte im Freistaat systematisch zu erfassen, zu fördern und öffentlich sichtbar zu machen. Nach Auskunft des Gesundheitsministeriums liegen dem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) bislang jedoch nur Übersichten aus 13 Städten und Landkreisen vor. Aus Schwaben und der Oberpfalz gibt es bisher keine Einträge.
Grüne kritisieren mangelnden Hitzeschutz
Patrick Friedl, Sprecher der Grünen-Fraktion für Naturschutz und Klimaanpassung, wirft der Staatsregierung vor, ihrer Verantwortung beim Schutz der Bevölkerung nicht gerecht zu werden. Wenn Wohnungen sich im Sommer stark aufheizen oder Menschen auf versiegelten Flächen in den Städten Abkühlung suchen, müsse schnell erkennbar sein, wo es in der Nähe Schatten, Trinkwasser oder kühle Innenräume gibt. Diese Aufgabe dürfe das Land nicht allein auf Kommunen abwälzen.
Ministerium plant vorerst keine landesweite Erfassung
Das Gesundheitsministerium teilte mit, dass eine entsprechende Kartierung derzeit nicht vorgesehen sei. Auch verbindliche Mindestanforderungen für bestehende kühle Orte – etwa barrierefreier Zugang oder kostenloses Trinkwasser – sowie finanzielle Hilfen für deren Ausbau seien aktuell nicht geplant. Zur Begründung heißt es, strenge Vorgaben könnten das Angebot eher verkleinern, weil manche Orte wie etwa Kirchen nicht alle möglichen Kriterien erfüllen könnten.
Forderung nach digitaler Karte und klaren Standards
Die Grünen drängen deshalb auf eine bayernweite digitale Übersicht, praxistaugliche Regeln für kühle Räume und gezielte Unterstützung für Städte und Gemeinden. Nach ihrer Vorstellung sollen vorhandene Infrastrukturmittel genutzt werden, um Rathäuser, Bibliotheken, Bürgerhäuser, Kirchen, Schulen, Turnhallen und andere öffentliche Gebäude bei großer Hitze als verlässliche Zufluchtsorte nutzbar zu machen. Vor allem ältere, kranke und pflegebedürftige Menschen müssten diese Orte schnell finden und gut erreichen können.
Bauministerium verweist auf klimagerechten Städtebau
Das Bauministerium betont unterdessen die Bedeutung einer klimaangepassten Stadtentwicklung, um Folgen des Klimawandels abzumildern. Minister Christian Bernreiter (CSU) erklärte, Städte und Gemeinden stünden angesichts von Extremwetter wie Starkregen vor großen Aufgaben und müssten entsprechend klimagerecht planen und bauen.
In einem Modellprojekt sollen nun in Dachau, Freising, Dingolfing, Bayreuth, Coburg, Fürth, Nürnberg, Aschaffenburg und Memmingen praktische Erfahrungen zur Klimaanpassung gesammelt werden.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber