Sport

„Was für ein Spiel“: Merz kontert den Spott

Vom WM-Finale geträumt, jetzt schon raus: Warum Merz trotzdem stolz reagiert, lässt viele nur den Kopf schütteln.

30.06.2026, 15:47 Uhr

Nach dem frühen Aus der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-WM ist Bundeskanzler Friedrich Merz mit einer auffallend positiven ersten Reaktion in die Kritik geraten. Inzwischen hat ein Regierungssprecher in Berlin den Vorgang ausdrücklich als Kommunikationspanne bezeichnet.

Demnach sei der Kanzler über das Ausscheiden der DFB-Elf natürlich enttäuscht gewesen. Zugleich verwies der Sprecher darauf, dass Niederlagen zum Sport gehörten: „Mal gewinnt man, mal verliert man.“ Der erste Beitrag auf X sei jedoch das Ergebnis einer Panne gewesen.

Bereits zuvor hatte es aus Regierungskreisen geheißen, bei der Veröffentlichung habe es einen „Abstimmungsfehler“ gegeben. Das sei „leider sehr ärgerlich“. Nach Angaben aus dem Umfeld der Regierung werden für solche Ereignisse üblicherweise mehrere Social-Media-Texte vorbereitet. Auch diesmal habe es Beiträge für verschiedene denkbare Spielausgänge gegeben. Veröffentlicht worden sei dann der „falsche Tweet mit dem falschen Knopf zur falschen Zeit“. So etwas dürfe nicht passieren, hieß es weiter.

Positiver Ton trotz Niederlage sorgt für Verwunderung

Das 3:4 gegen Außenseiter Paraguay nach Elfmeterschießen war in vielen Medien scharf kommentiert worden – von einem „Trauerspiel“ über eine „Blamage“ bis zu einem „Armutszeugnis für Fußball-Deutschland“. Umso größer war die Verwunderung, als weniger als eine halbe Stunde nach Abpfiff über den offiziellen Account „Bundeskanzler Friedrich Merz“ ein deutlich freundlicherer Ton angeschlagen wurde.

Dort hieß es: „Auch wenn das Ausscheiden schmerzt: Was für ein Spiel.“ Zudem wurde der Mannschaft bescheinigt, mit Einsatz und Teamgeist das Land begeistert zu haben, Deutschland sei stolz auf das Team. Nach Angaben aus dem Regierungsumfeld war genau diese Fassung jedoch nicht zur Veröffentlichung bestimmt.

Spott in sozialen Netzwerken und aus der Opposition

Mit seiner ersten Reaktion traf Merz die Stimmung vieler Fans kaum. In sozialen Netzwerken verbreitete sich rasch die spöttische Frage: „Welches Spiel?“ Die Formulierung trendete zeitweise auf X. Auch politische Gegner griffen den Beitrag auf.

Die FDP-Europaabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann schrieb, sie wisse nicht, was schlimmer gewesen sei: das Spiel oder diese Analyse. Andere nutzten den Vorgang für grundsätzliche Kritik am Kanzler und warfen ihm erneut mangelndes Gespür für die Lage vor.

Merz verteidigt seinen Kurs

Später reagierte der Kanzler selbst erneut auf X und hielt inhaltlich an seiner Linie fest. „Erfolge feiern wir gemeinsam. Und in der Niederlage stehen wir zusammen. Das macht uns stark“, schrieb er. Außerdem betonte Merz: „Wer den Adler auf der Brust trägt, hat unseren Rückhalt verdient und nicht unseren Spott.“

Damit setzte der Kanzler bewusst ein Zeichen der Unterstützung für die Nationalmannschaft – auch wenn die zuerst veröffentlichte Nachricht inzwischen ausdrücklich als Kommunikationsfehler aus seinem Umfeld eingeordnet wird.

Niederlage kommt für Merz zur Unzeit

Das Scheitern des DFB-Teams ist für den Kanzler auch politisch unerquicklich. Merz beklagt seit Längerem, in Deutschland werde zu viel schlechtgeredet und zu wenig Zuversicht verbreitet. Ausgerechnet nun ist die Nationalmannschaft erneut schon vor dem Achtelfinale gescheitert – zum dritten Mal in Folge.

Dabei hatte Merz auf einen positiven Effekt des Turniers für die Stimmung im Land gesetzt. Bereits Anfang Mai sagte er in der ARD-Sendung Miosga, ein erfolgreiches Abschneiden könne das gesellschaftliche Klima spürbar verbessern. Damals hielt er sogar einen Finaleinzug für denkbar.

Frankreich schon früh als möglicher Gegner im Blick

Schon in der Vorrunde bekam dieser Optimismus erste Dämpfer. Beim G7-Gipfel verfolgte Merz auf seinem Handy Teile des französischen 3:1 gegen Senegal. Bereits damals zeichnete sich ab, dass Deutschland in einem möglichen Achtelfinale auf Frankreich hätte treffen können.

In einem RTL-Interview sagte der Kanzler, er habe den möglichen Termin eines solchen Spiels bereits im Blick – ebenso den wahrscheinlichen Gegner. Gegen Frankreich werde es, so Merz damals, „verdammt schwer“.

Keine USA-Reise, stattdessen Reformdruck

Mit dem WM-Aus hat sich auch eine mögliche Reise in die USA erledigt. Wäre Deutschland weitergekommen, hätte der Kanzler ein mögliches Duell mit Frankreich womöglich sogar vor Ort verfolgt.

Statt eines sportlichen Stimmungsschubs droht nun eher schlechte Laune im Land – ausgerechnet vor wichtigen Beratungen über das große Reformpaket der Koalition. Union und SPD wollen in den kommenden Tagen dazu Entscheidungen treffen. Ein Erfolg der Nationalelf hätte den Teamgeist in den schwierigen Verhandlungen womöglich eher gestärkt.

Eine Szene dürfte hängen bleiben

Von dieser WM dürfte für Merz am Ende auch ein Bild in Erinnerung bleiben: Beim G7-Gipfel überreichte er US-Präsident Donald Trump zu dessen 80. Geburtstag ein Deutschland-Trikot. Trump nahm das Geschenk eher reserviert entgegen, lächelte kurz und legte es dann beiseite.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen