Bayern

IS-Prozess in München – Ihr Satz lässt aufhorchen

Urteil nach Horror-Prozess naht: Das angeklagte Paar schweigt fast völlig – dabei sind die Vorwürfe gegen sie kaum zu ertragen.

30.06.2026, 11:33 Uhr

Im Prozess vor dem Oberlandesgericht München um die Versklavung zweier jesidischer Mädchen hat die angeklagte Frau in ihrem letzten Wort lediglich gesagt: „Es tut mir leid.“ Ihr mitangeklagter Ehemann wollte sich nicht äußern und erklärte nur: „Ich möchte nichts sagen.“

Seit etwas mehr als einem Jahr verhandelt das Gericht gegen das irakische Ehepaar. Im Mittelpunkt stehen schwerste Vorwürfe: Gewalt, Missbrauch, Folter und die Ausbeutung zweier Kinder.

Das Urteil soll am 13. Juli im neuen Strafjustizzentrum verkündet werden. Die Bundesanwaltschaft fordert für beide Angeklagten lebenslange Freiheitsstrafen. Zudem soll nach ihrem Antrag die besondere Schwere der Schuld festgestellt werden.

Nur wenige Worte zum Schluss

Zu den gegen sie erhobenen Vorwürfen äußerten sich die Angeklagten in ihrem letzten Wort nicht. Im Hochsicherheitssaal der JVA München-Stadelheim wirkten beide angespannt und blass. Nach etwas mehr als zehn Minuten war der Verhandlungstag beendet.

Vorwürfe von Kriegsverbrechen bis Völkermord

Die Bundesanwaltschaft legt dem Paar unter anderem Kriegsverbrechen, Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Last. Hinzu kommen der Vorwurf des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern beziehungsweise der Beihilfe dazu. Die Vertreterin des Generalbundesanwalts hatte die Taten als „monströse Gewalt“ beschrieben, die „fern jeglicher Menschlichkeit“ liege. Nach ihrer Darstellung dienten die Verbrechen dem Ziel des sogenannten Islamischen Staates, den jesidischen Glauben auszulöschen.

Prozess wegen Versklavung jesidischer Mädchen
Im Prozess um die Versklavung zweier jesidischer Mädchen hatte das angeklagte Ehepaar das letzte Wort. (Archivbild) Quelle: Britta Schultejans/dpa

Ein Mädchen als Brautgabe gewünscht

Mit dem Verfahren endet ein Prozess, in dem an 56 Verhandlungstagen erschütternde Einzelheiten bekannt wurden. Nach der Anklage gehörte das Ehepaar im Irak und in Syrien der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) an. Demnach soll sich die Frau zur Hochzeit ein jesidisches Mädchen als Brautgabe gewünscht haben.

Auf einem Sklavenmarkt in Mossul sollen die beiden im Herbst 2015 ein damals fünf Jahre altes Mädchen gekauft haben. Im Herbst 2017 soll dann eine Zwölfjährige hinzugekommen sein. Nach ihrer späteren Ausreise aus Syrien sollen sie beide Kinder an andere IS-Mitglieder weitergegeben haben.

Missbrauch und Zwang

Der Mann soll die Mädchen mehrfach vergewaltigt haben. Nach Darstellung der Bundesanwaltschaft habe seine Frau dafür ein Zimmer vorbereitet und eines der Kinder sogar geschminkt. Zudem hätten die Mädchen ständig arbeiten müssen und seien gezwungen worden, islamische Gebete und Regeln zu befolgen.

Ihre eigene jesidische Religion durften sie laut Anklage nicht ausüben. Auf vermeintliches Fehlverhalten soll das Paar mit massiver körperlicher Gewalt reagiert haben. In einem Fall soll die Frau die Hand des jüngeren Mädchens mit heißem Wasser verbrüht haben.

„Meine ganze Kindheit war nur Leid“

In ihrem Plädoyer zitierte die Vertreterin des Generalbundesanwalts aus der Aussage eines der Opfer: „Ich fragte mich, wird mein Leben nur aus Vergewaltigung, Verkauf und Weiterverkauf bestehen.“ Weiter hieß es demnach: „Ich war etwas, das absolut wertlos ist“ und „Meine ganze Kindheit war nur Leid.“

Der Hintergrund der Taten reicht zurück in den August 2014. Damals griff der IS das Siedlungsgebiet der Jesiden rund um das Sindschar-Gebirge im Nordwesten des Iraks an. Ziel war es nach Überzeugung der Anklage, die jesidische Bevölkerung zu vernichten, sie zur Konversion zu zwingen, religiös umzuerziehen, zu verschleppen und zu versklaven. Frauen und Mädchen wurden systematisch Opfer sexualisierter Gewalt, Männer und Jungen, die nicht konvertieren wollten, sollten getötet werden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen