US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat auf der Sicherheitskonferenz Shangri-La-Dialog in Singapur Europas Partner deutlich gerügt und zugleich vor einem wachsenden Einfluss Chinas im Indopazifik gewarnt. Die Vereinigten Staaten wollten verhindern, dass eine einzelne Macht die Region beherrsche und das bestehende Kräfteverhältnis aus dem Gleichgewicht bringe, sagte er bei dem Treffen in der südostasiatischen Wirtschaftsmetropole.
Washington strebe nach eigenen Angaben eine Ordnung an, in der kein Land – auch nicht China – seine Hegemonie durchsetzen könne. Gleichzeitig wählte Hegseth gegenüber Peking auch versöhnliche Worte. Das Verhältnis zwischen den USA und China sei besser als seit Jahren. Die Regierung von Präsident Donald Trump wolle einen stabilen Frieden, fairen Handel und respektvolle Beziehungen mit der chinesischen Führung.
Denkfabrik warnt vor Taiwan-Krise
Nach Angaben Hegseths hatten Trump und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping erst vor Kurzem direkt miteinander gesprochen. Diese Kontakte hätten die Basis für eine konstruktive und strategisch stabile Beziehung gestärkt. Auf Taiwan, das von Peking regelmäßig als rote Linie bezeichnet wird, ging der Minister jedoch nicht näher ein. Auch den Konflikt mit dem Iran thematisierte er nur am Rande.
Kurz vor Beginn des Forums hatte die Londoner Denkfabrik IISS, Veranstalterin des Shangri-La-Dialogs, vor den möglichen Folgen eines Konflikts um Taiwan gewarnt. Wegen der hohen strategischen Bedeutung der Insel für China berge eine solche Auseinandersetzung für die USA das Risiko einer gefährlichen Eskalation – im schlimmsten Fall sogar bis hin zu einem Atomkonflikt, so die Einschätzung. Bereits ein begrenzter nuklearer Schlagabtausch hätte für die Region verheerende Folgen. Das chinesische Verteidigungsministerium wies diese Analyse als unrealistisch zurück.

Deutliche Kritik an Europa
In seiner Rede attackierte Hegseth auch die europäischen Verbündeten in ungewöhnlich scharfem Ton. Asiatische Partner gingen traditionell pragmatischer mit Bündnissen um, sagte er. Wenn Interessen auseinanderliefen, werde sich angepasst – ohne großes Drama und ohne moralisierende Debatten. Daran könne sich Westeuropa ein Beispiel nehmen.
Zugleich erneuerte Hegseth die Forderung der Trump-Regierung nach einer aus ihrer Sicht gerechteren Lastenteilung unter Verbündeten. Die Zeit, in der die USA die Verteidigung wohlhabender Staaten mitfinanzierten, sei vorbei. Amerika brauche Partner und keine Protektorate. Europa habe Mahnungen zu höheren Verteidigungsausgaben lange ignoriert, so der Minister.
«Weniger Foren, mehr Schiffe»
Auch die asiatischen Verbündeten forderte Hegseth zu höheren Militärausgaben auf. Es brauche nicht noch mehr Konferenzen, sondern mehr militärische Stärke. Mit Blick auf das Treffen in Singapur formulierte er zugespitzt: weniger Shangri-La, dafür mehr Schiffe und mehr U-Boote.
Beim Shangri-La-Dialog kommen jedes Jahr Hunderte Minister, Militärvertreter und Sicherheitsexperten aus aller Welt zusammen, um über aktuelle Krisen und Bedrohungen zu beraten. China entsandte diesmal nicht seinen Verteidigungsminister, sondern lediglich Militärexperten.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion