Politik

G7 erhöht jetzt Druck auf Russland

Beim G7-Gipfel schmieden Europa und die Ukraine Druck auf Putin – und ziehen dafür ausgerechnet einen Schlüsselspieler auf ihre Seite.

16.06.2026, 13:34 Uhr

G7 will Druck auf Russland erhöhen: Merz spricht von „Tag der Hoffnung“, Trump stellt Öl-Sanktionen in Aussicht

Die USA und mehrere führende europäische Staaten wollen nach dem G7-Gipfel im französischen Évian den Druck auf Russland weiter verschärfen, um Bewegung in die Suche nach einem Ende des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine zu bringen.

Nach Angaben von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) herrschte unter den Staats- und Regierungschefs Einigkeit darüber, dass sich die Lage der Ukraine auf dem Schlachtfeld deutlich verbessert habe. Das könne womöglich erstmals eine Chance auf Frieden eröffnen, sagte Merz. Er sprach von einem „Tag der Hoffnung“.

Unterstützung für Kiew soll wachsen

Aus deutschen Regierungskreisen hieß es, alle Beteiligten seien sich einig gewesen, dass die Unterstützung für die Ukraine ausgebaut und zugleich der Druck auf Moskau erhöht werden müsse. An den Beratungen nahmen neben US-Präsident Donald Trump, dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und Merz auch die EU-Spitzen sowie die Staats- und Regierungschefs aus Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada und Japan teil.

Merz beschrieb Trump dabei als „sehr kooperativ“. Deshalb sei er in gewissem Maß optimistisch, dass Europäer und Amerikaner nun gemeinsam alles daransetzen könnten, den Krieg zu beenden.

Nach Darstellung aus dem Umfeld der Bundesregierung hat sich die Dynamik verändert: Die Ukraine befinde sich inzwischen in einer Position der Stärke, während Russland den Krieg nicht gewinnen könne und selbst stärker unter Druck gerate. Entsprechend habe sich auch der Ton in den Gesprächen verändert.

Trump fordert neuen Anlauf für Verhandlungen

Trump rief Russland ausdrücklich dazu auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. „Russland sollte sich auf einen Deal einlassen“, sagte er. Zugleich stellte der US-Präsident in Aussicht, dass die derzeit ausgesetzten Öl-Sanktionen gegen Russland wieder aktiviert werden könnten. Bald werde man dazu in der Lage sein, einen genauen Zeitpunkt nannte er aber nicht.

In der deutschen Delegation wurde das als veränderte Tonlage Trumps gewertet. Der US-Präsident war in der Vergangenheit häufig dafür kritisiert worden, Kremlchef Wladimir Putin zu schonen.

Von der Leyen und Starmer sehen Ukraine im Aufwind

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und der britische Premierminister Keir Starmer äußerten sich nach den Beratungen ebenfalls optimistisch. Von der Leyen erklärte, für die Ukraine wende sich das Blatt. Während die ukrainischen Streitkräfte die Front hielten, zeige sich zugleich die Erschöpfung Russlands immer offener. Die Lage im Jahr 2026 unterscheide sich deutlich von der Situation im Jahr 2025.

Starmer sprach von einem breiten Konsens innerhalb der G7, dass die Sanktionen Wirkung zeigten. Dies werde auch daran sichtbar, dass die Ukraine militärische Erfolge erzielt und Gebiete zurückerobert habe.

Großbritannien und Kanada kündigen neue Sanktionen an

Großbritannien und Kanada legten bereits weitere Maßnahmen gegen Russland nach. Ottawa will nach Angaben von Premierminister Mark Carney 162 Personen, Unternehmen und Schiffe neu auf die Sanktionsliste setzen.

London kündigte 70 neue Sanktionen gegen Russlands Schattenflotte, Lieferketten für die Rüstungsindustrie und illegale Finanznetzwerke an, die bestehende Strafmaßnahmen umgehen sollen. Ziel ist auch, die Beschaffung westlicher Technologie für das russische Militär stärker zu unterbinden.

Europäer drängen auf Platz am Verhandlungstisch

Bislang traten die USA als alleiniger Vermittler zwischen Russland und der Ukraine auf. Die Bemühungen Trumps und seiner Regierung brachten bisher jedoch keine greifbaren Ergebnisse und kamen während des Krieges gegen den Iran nahezu zum Stillstand.

Deutschland, Frankreich und Großbritannien wollen den Prozess nun wieder anschieben. Sollte es neue Gespräche geben, möchten die Europäer diesmal selbst mit am Verhandlungstisch sitzen.

Mögliches neues Gesprächsangebot an Putin

Nach dpa-Informationen wird zudem erwogen, dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ein neues Gesprächsangebot zu machen. Denkbar wären demnach Verhandlungen am Rande der nächsten UN-Generalversammlung.

Selenskyj dankte unterdessen bei einem Treffen mit Merz für die deutsche und europäische Unterstützung. Nach seinen Angaben ging es dabei vor allem um eine weitere Verstärkung der ukrainischen Flugabwehr. Einzelheiten nannte er nicht.

Nach Informationen der dpa berieten die G7-Teilnehmer außerdem über eine gemeinsame Erklärung zum Ukraine-Krieg.

Ukraine setzt Drohnenangriffe gegen Russland fort

Parallel zu den Gipfelgesprächen setzte die Ukraine ihre Gegenangriffe auf russisches Gebiet fort. Nach russischen Angaben schoss die Flugabwehr in Moskau rund 60 ukrainische Drohnen ab. Bürgermeister Sergej Sobjanin teilte mit, eine Drohne habe ein Objekt auf dem Gelände einer Ölraffinerie in der russischen Hauptstadt getroffen.

Selenskyj lobte die Arbeit der ukrainischen Geheimdienste und sprach von einer effektiven Operation. Er verwies darauf, dass die Raffinerie rund 500 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt liege. Russland müsse dazu gezwungen werden, den Krieg gegen die Ukraine zu beenden, sagte er.

Auch der Nahe Osten war Thema beim G7-Gipfel

Neben dem Ukraine-Krieg beschäftigte die G7-Staaten auch die Lage im Nahen Osten. Trump mahnte, Israel müsse im Krieg gegen die Hisbollah im Libanon verantwortungsvoller handeln, damit ein Rahmenabkommen zur Beendigung des Krieges der USA gegen den Iran nicht gefährdet werde.

Am Rande des Gipfels sagte Trump bei einem Treffen mit Katars Emir Tamim bin Hamad Al Thani, Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu müsse mit Blick auf den Libanon mehr Verantwortung zeigen. Zugleich machte Trump deutlich, dass er mit dem Vorgehen Israels gegenüber dem Libanon und der Hisbollah unzufrieden sei.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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