Politik

G7 alarmiert: Hackerangriffe im Fokus

Darknet-Schock für Tajani: Daten seiner Familie geleakt – jetzt will er prorussische Hacker auf die G7-Agenda setzen.

08.11.2026, 15:36 Uhr

Italiens Außenminister Antonio Tajani will die jüngsten Cyberangriffe, hinter denen eine mutmaßlich prorussische Gruppe stehen soll, bei dem ab Montag in Paris beginnenden Treffen der G7-Außenminister zur Sprache bringen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa sagte Tajani, man befinde sich in einem „hybriden Krieg“ und habe daher angeregt, das Thema ins Zentrum der Beratungen zu rücken. Zur G7 gehören Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Kanada, Großbritannien und die USA; die Europäische Union nimmt dauerhaft an den Treffen teil.

Zuvor hatte Tajani bekannt gemacht, dass Hacker persönliche und sensible Daten von ihm und seiner Familie im Darknet veröffentlicht hätten. Auf der Plattform X schrieb er, dadurch sei er neuen Drohungen und Einschüchterungsversuchen ausgesetzt. Auch seine Angehörigen würden einbezogen, zudem werde für weitere Informationen über ihn und seine Familie Geld geboten. Einschüchtern lasse er sich davon nicht, betonte der Außenminister.

Ministerpräsidentin Giorgia Meloni machte prorussische Hacker für die Attacken verantwortlich. Innenminister Matteo Piantedosi berief für Dienstag eine Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats in Rom ein.

Tajani vermutet als Hintergrund der Angriffe die Unterstützung Italiens für die von Russland angegriffene Ukraine. Wer sich klar für die Freiheit, Demokratie und Unabhängigkeit eines souveränen Staates einsetze, werde für solche kriminellen Akteure zur Zielscheibe, erklärte er.

Bericht: Verbindungen zum russischen Militärgeheimdienst

Die Zeitung Il Fatto Quotidiano berichtete, die Hackergruppe NoName057(16), der Kontakte zum russischen Militärgeheimdienst GRU nachgesagt werden, biete seit dem 26. Oktober Geld für Passwörter, Wohnadressen, Lebensläufe, private Telefonnummern und weitere persönliche Daten von 18 Personen an. Diese würden von der Gruppe als „Feinde Russlands“ bezeichnet. Neben Tajani seien unter anderem der Staatsanwalt Francesco Lo Voi, Postpolizei-Chef Ivano Gabrielli und der Bürgermeister von Aviano, Paolo Tassan-Zanin, betroffen.

BKA stuft „NoName057(16)“ als prorussisch ein

Nach Angaben des Bundeskriminalamts aus dem Jahr 2025 handelt es sich bei NoName057(16) um eine prorussische Hackergruppe, die seit dem Beginn der russischen Vollinvasion in die Ukraine im Februar 2022 in Erscheinung trat und Unterstützer angeworben haben soll. Diesen sei eine Software zur Verfügung gestellt worden, mit der sie unter Nutzung eigener Ressourcen an sogenannten DDoS-Angriffen teilnehmen konnten. Solche Überlastungsangriffe zielen darauf ab, Webseiten zeitweise unerreichbar zu machen.

Im Juli 2025 legte eine international abgestimmte Polizei- und Justizaktion unter Leitung des BKA und der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt die IT-Infrastruktur und das weltweite Botnetz der Gruppe lahm. Dennoch blieb das Netzwerk offenbar weiterhin aktiv.

Laut Ansa auch Deutsche und ein Österreicher im Visier

Wie Ansa weiter berichtete, sollen auch deutsche Amtsträger sowie ein Österreicher von der Gruppe ins Visier genommen worden sein. Genannt werden ein Frankfurter Staatsanwalt, BKA-Präsident Holger Münch, ein deutscher Journalist sowie der österreichische Präsident der EU-Justizbehörde Eurojust, Michael Schmid. Eine unabhängige Bestätigung dafür lag zunächst nicht vor.

Meloni sichert Tajani Unterstützung zu

Meloni stellte sich demonstrativ hinter Tajani. Angesichts der Enthüllungen über prorussische Hacker und die Verbreitung seiner persönlichen Daten im Darknet sprach sie ihm ihre volle Solidarität aus. Solche Vorgänge seien höchst alarmierend und müssten mit aller Entschlossenheit bekämpft werden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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