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Experten fordern Social-Media-Verbot an Grundschulen

Social Media tabu für Grundschüler? Bildungsexperten fordern ein Verbot – und drängen auf ein völlig neues Lernziel.

31.05.2026, 05:30 Uhr

Experten fordern Social-Media-Verbot an Grundschulen

Im Streit über strengere Regeln für den Zugang von Kindern und Jugendlichen zu sozialen Netzwerken sprechen sich Fachleute des Aktionsrats Bildung für ein Verbot von Social Media an Grundschulen aus. Nach Einschätzung der Bildungsforscher überwiegen in diesem Alter die Risiken deutlich gegenüber möglichen Vorteilen. Nur in klar begründeten Ausnahmefällen mit konkretem pädagogischem Zweck solle ein Einsatz überhaupt infrage kommen.

Risiken reichen von Übernutzung bis Cybermobbing

Ein Gutachten des Gremiums kommt zu dem Schluss, dass die Nutzung von Smartphones, sozialen Medien und Social Games bereits bei Grundschulkindern merklich zunimmt. Problematisch sei dabei vor allem, dass Kinder immer häufiger Informationen ausgesetzt seien, die nicht mehr durch Erwachsene eingeordnet, sondern von Algorithmen gesteuert würden. Gleichzeitig fehle es oft an ausreichend sicheren und kindgerechten Angeboten.

Nach Darstellung der Experten zeigen sich schon in diesem Alter erhebliche Gefahren: Dazu zählen Konzentrationsprobleme, übermäßige Nutzung bis hin zu suchtähnlichem Verhalten sowie Erfahrungen mit Cybermobbing. Ziel der Grundschule müsse es deshalb sein, Kinder auf einen selbstbestimmten und kompetenten Umgang mit digitalen Medien vorzubereiten. Dazu gehöre insbesondere die Fähigkeit zur Selbstregulation.

Neues Bildungsziel: „mediale Integrität“

Der Aktionsrat Bildung schlägt vor, das Leitbild der medialen Integrität als neues Bildungsziel einzuführen. Kinder sollen damit frühzeitig lernen, sich sicher, verantwortungsbewusst und reflektiert im digitalen Raum zu bewegen. Dieses Ziel solle für alle Altersgruppen gelten und gezielt in den Unterricht eingebunden werden.

Handyverbot
Bei Grundschulkindern ist bei Smartphone-Nutzung laut NRW-Schulministerium Zurückhaltung geboten. (Archivbild) Quelle: Jens Kalaene/dpa

Zugleich sehen die Autoren den Schutz von Kindern im Internet als gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Schulen sollten Eltern stärker beraten und unterstützen, etwa durch Informationen über Chancen und Risiken sozialer Medien, konkrete Empfehlungen zur Nutzung sowie Hinweise auf Ansprechpartner an den Schulen.

Forderung nach strengeren gesetzlichen Regeln

Darüber hinaus verlangen die Experten auf Bundesebene verbindliche gesetzliche Vorgaben für eine schärfere Regulierung sozialer Medien. Plattformbetreiber müssten stärker in die Verantwortung genommen werden, etwa durch zuverlässige Alterskontrollen bei der Kontoerstellung. Zudem sollten manipulative oder suchtverstärkende Funktionen sowie auf Kinder zugeschnittene Werbung in sozialen Medien und sozialen Spielen verboten werden.

Haltung des NRW-Schulministeriums

Auch das nordrhein-westfälische Schulministerium mahnt beim Thema Zurückhaltung an. Nach Angaben eines Sprechers sollten insbesondere Grundschulkinder Smartphones und soziale Medien nur sehr eingeschränkt nutzen. Seit 2025 hätten alle Schulen Regeln zur Handynutzung eingeführt, basierend auf landesweiten Vorgaben. Für Grundschulen gelte dabei die klare Empfehlung, die private Nutzung von Smartphones und Smartwatches grundsätzlich zu untersagen.

Gleichzeitig betont das Ministerium, dass die Vermittlung von Medienkompetenz eine zentrale Aufgabe der Schulen bleibt. Kinder und Jugendliche müssten lernen, digitale Angebote sicher, kritisch und verantwortungsvoll zu nutzen. Medienbildung sei deshalb fest im Schulgesetz von NRW verankert.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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