Politik

Demos eskalieren: «Schockiert über brutale Gewalt»

Über 100.000 protestieren friedlich – dann eskaliert die Lage in Frankfurt und Köln. Jetzt melden sich die ersten Politiker.

01.11.2026, 02:38 Uhr

Nach den schweren Ausschreitungen am Samstagabend in Frankfurt am Main hat sich die Situation in der Nacht auf Sonntag wieder beruhigt. Ein Polizeisprecher erklärte jedoch, dass weiterhin zahlreiche Einsatzkräfte vor Ort blieben.

Nach einer Demonstration war es in der Frankfurter Innenstadt zu massiven Zwischenfällen gekommen. Randalierer griffen Polizeikräfte an und plünderten Geschäfte. Dabei wurden Menschen verletzt, mehr als 30 Personen nahm die Polizei vorläufig fest. Auch ein Spezialeinsatzkommando war im Einsatz. Erst nachdem Teile der Innenstadt abgesperrt worden waren, entspannte sich die Lage bis in die frühen Morgenstunden.

Zuvor hatten in vielen Städten Zehntausende junge Menschen zunächst überwiegend friedlich demonstriert. Am Samstagabend kam es dann insbesondere in Frankfurt und Köln zu Gewalt und Ausschreitungen. In Berlin wurden Flaschen und Böller auf Einsatzkräfte geworfen, mancherorts setzte die Polizei Wasserwerfer ein.

Auch Schaufenster gingen zu Bruch.

Zu den Protesten in mehr als 30 Städten hatte die Initiative „Gen Z regelt“ aufgerufen. Sie verlangt unter anderem mehr Investitionen in Schulen, soziale Gerechtigkeit, Schritte gegen steigende Lebenshaltungskosten sowie entschlosseneren Klimaschutz.

Landesregierung kündigt Konsequenzen an

Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) zeigte sich entsetzt über die Vorfälle in Frankfurt. Die Gewalttaten würden Folgen haben, kündigte er an. Wer in der Innenstadt Polizisten angreife und Chaos verursache, stelle sich außerhalb der Gesellschaft. Die Vorgänge und beteiligten Gruppen würden nun genau analysiert.

Ausschreitungen in Frankfurt am Main
Auch Schaufensterscheiben wurden eingeschlagen. Quelle: Andreas Arnold/dpa

Auch Innenminister Roman Poseck (CDU) stellte ein entschiedenes Vorgehen gegen die Verantwortlichen in Aussicht. Er sprach von einer gefährlichen Mischung aus Linksextremisten und gewaltbereiten jungen Menschen.

CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann übte ebenfalls scharfe Kritik. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur sagte sie, es sei bedrückend, dass friedlicher Protest offenbar immer häufiger von Gewalt überschattet werde. Zudem sei das eigentliche Anliegen der Demonstrationen für viele unklar geblieben. Für manche sei dies offenbar nur ein Vorwand für Ausschreitungen gewesen, die von der Mehrheit der Teilnehmer sicher nicht gewollt gewesen seien.

Ein Sprecher von „Gen Z regelt“ betonte dagegen, die Initiative habe keinen Einfluss auf das gehabt, was nach dem offiziellen Ende der Kundgebungen geschehen sei. In einer Stellungnahme auf Instagram distanzierte sich die Gruppe ausdrücklich von jeder Form von Gewalt sowie von Aktionen anderer Gruppen oder Einzelpersonen, die nicht Teil der Demonstrationen gewesen seien. Die Bewegung stehe für friedlichen Protest, demokratische Werte und freie Meinungsäußerung.

Weitere Demonstrationen angekündigt

Bereits in drei Wochen will die Initiative erneut bundesweit viele Menschen auf die Straße bringen. Die Proteste vom Samstag seien nur ein erster Schritt gewesen. Man wolle sich an den europaweiten Aktionen am 20. November beteiligen, sagte Pressesprecher Amadeo, der öffentlich nur mit seinem Vornamen auftritt.

Für diesen Tag ruft ein breites Bündnis zu einem Internationalen Jugendstreiktag auf. Dazu gehört auch die Bundesschülerkonferenz, die sich im Vorfeld von den Protesten von „Gen Z regelt“ distanziert hatte. Als Grund nannte sie unklare Strukturen innerhalb der Bewegung. Es sei nicht eindeutig, wer hinter der Organisation stehe, hatte Generalsekretärin Amy Kirchhoff vor den Demonstrationen erklärt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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