Plünderungen, Angriffe mit Molotowcocktails auf Einsatzkräfte und zerstörte Schaufenster: Nach zunächst überwiegend friedlichen Protesten mit Zehntausenden jungen Teilnehmern ist die Lage am Abend vor allem in Frankfurt und Köln eskaliert.
Ausschreitungen nach den bundesweiten Gen-Z-Protesten
In beiden Städten verschärfte sich die Situation nach den Demonstrationen der Initiative „Gen Z regelt“ deutlich. In der Frankfurter Innenstadt beobachteten Reporter, wie mehrere Menschen in Geschäfte eindrangen und unter anderem Turnschuhe sowie weitere Waren entwendeten. Auch ein Laden für Waffenbedarf wurde Ziel eines Angriffs.
Nach Angaben der Polizei wurden an mehreren Geschäften Scheiben eingeschlagen. Zudem seien Molotowcocktails auf Beamte geworfen worden. Bis zum späten Abend nahm die Polizei in Frankfurt mehr als 30 Personen vorläufig fest. Laut einem Sprecher waren Einsatzkräfte rasch vor Ort und stellten zwei Waffen sicher.
Einkaufsstraße Zeil in Frankfurt gesperrt
Als Reaktion auf die Krawalle riegelte die Polizei die Frankfurter Einkaufsmeile Zeil ab. Auch Spezialeinsatzkräfte waren in der Innenstadt im Einsatz. Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) kündigte ein konsequentes Vorgehen gegen die Randalierer an. Er zeigte sich angesichts der Gewalt erschüttert und sprach von Bildern, die man in Frankfurt nicht sehen wolle.
Angriffe auf Polizisten auch in Köln
Auch in Köln kam es auf der Domplatte nahe des Hauptbahnhofs zu Angriffen auf Polizeikräfte. Nach Polizeiangaben wurden Flaschen und Fahrräder geworfen, eine Person wurde verletzt. Mehrere Randalierer wurden festgesetzt, fünf Menschen kamen in Gewahrsam. In einer Seitenstraße ging zudem eine Fensterscheibe zu Bruch, nachdem ein E-Scooter dagegen geschleudert worden war.

Kölns Polizeipräsident Johannes Hermanns verteidigte die kurzfristige Untersagung des Aufzugs durch die Stadt. Nach seinen Worten stellte die Polizei bei vermummten Personen Molotowcocktails und Nothämmer sicher. Hermanns sagte, man habe wohl verhindert, dass aus Köln Bilder gesendet würden, die an Ausschreitungen in Paris oder Mailand erinnerten.
Weitere Zwischenfälle in mehreren Städten
Bereits zuvor waren aus Berlin Würfe mit Flaschen, Böllern und Eiern gemeldet worden. Aus Hamburg berichtete die Polizei von brennenden Barrikaden. Auch in Hannover und Bremen kam es zu Zwischenfällen. In einigen Städten setzte die Polizei Wasserwerfer ein.
Vor allem die Szenen in Frankfurt weckten Erinnerungen an Frankreich. Dort beteiligten sich am Samstag nach Angaben aus dem Nachbarland rund 320.000 Menschen an Demonstrationen, darunter 70.000 in Paris. Bis 20.00 Uhr wurden laut Innenministerium landesweit 511 Personen festgenommen.
Veranstalter distanzieren sich von der Gewalt
Vor den abendlichen Ausschreitungen hatte die Initiative „Gen Z regelt“ noch eine positive Bilanz der Proteste gezogen. Ein Sprecher des Presseteams, der nur unter dem Vornamen Amadeo auftreten wollte, erklärte, auf das Geschehen nach dem Ende der Kundgebungen habe man keinen Einfluss gehabt. Zugleich hob er hervor, dass Hunderttausende junge Menschen gezeigt hätten, wofür sie auf die Straße gingen.
Amadeo kündigte zudem an, dass die Initiative schon in drei Wochen erneut mobilisieren wolle. Man sehe die Aktionen als ersten Schritt und wolle sich auch an den europaweiten Protesten am 20. November beteiligen.
Polizeigewerkschaft mit gemischter Einschätzung
Die Gewerkschaft der Polizei zog vor den massiven Ausschreitungen in Frankfurt und Köln eine gemischte Zwischenbilanz. Andreas Roßkopf, Vorsitzender für den Bereich Bundespolizei, sagte der Rheinischen Post, die Gen-Z-Proteste seien zunächst sehr friedlich verlaufen. Erst nach dem offiziellen Ende der Veranstaltungen habe sich die Lage in einigen Städten zugespitzt.
Demos in mehr als 30 Städten
Die Initiative hatte zu friedlichen Protesten in über 30 deutschen Städten aufgerufen. Gefordert werden mehr finanzielle Mittel für Schulen, Suchthilfe und Psychotherapie, außerdem Maßnahmen gegen steigende Lebenshaltungskosten, mehr soziale Gerechtigkeit und stärkere Anstrengungen beim Klimaschutz.
Kurz vor 20.00 Uhr sprach ein Sprecher der Initiative von mehr als 100.000 Teilnehmern, wobei aus sechs bis acht Städten noch keine Zahlen vorgelegen hätten. Eine bundesweite Gesamtbilanz der Polizei lag zunächst nicht vor.
Berlin: Demo vorzeitig beendet
In Berlin stand ein weiterer Protestzug zwar in Zusammenhang mit den bundesweiten Jugendprotesten, gehörte jedoch nicht offiziell zu den Demonstrationen von „Gen Z regelt“. Am Nachmittag hatten am Brandenburger Tor Tausende friedlich demonstriert. Am frühen Abend versammelten sich dann rund 700 Menschen zu einem weiteren Zug, den die Polizei vorzeitig stoppte. Anschließend entwickelte sich laut Polizei über Stunden eine Art Katz-und-Maus-Spiel.
Die Bilanz dort: 27 leicht verletzte Beamte und bis zu 56 vorläufige Festnahmen, wie die Polizei am späten Abend mitteilte.
Hamburg: Barrikaden in Brand gesetzt
In Hamburg verlief eine Demonstration zunächst weitgehend ruhig. Gegen Abend kippte die Lage jedoch in der Nähe des Hauptbahnhofs. Nach Polizeiangaben zündeten schwarz gekleidete und teilweise vermummte Personen mehrfach Pyrotechnik, rissen Baustellenabsperrungen heraus und setzten diese anschließend in Brand.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber