Krawalle und Plünderungen in Frankfurts Innenstadt
Am Samstagabend haben sich in Frankfurt dramatische Szenen abgespielt. Junge Männer traten und schlugen mit großer Wucht gegen die Schaufenster mehrerer Geschäfte. Scheiben barsten, aufgeregte Rufe hallten durch die Straßen. Einer der Täter nutzte ein herausgerissenes Verkehrsschild als Rammbock, ein anderer warf mit einem Pflasterstein.
Nachdem ein Ladenfenster zerstört worden war, stürmten mehrere dunkel gekleidete und teils vermummte Personen ins Innere. Dort griffen sie nach Turnschuhen und weiteren Waren, die sie schnell mitnehmen konnten, bevor sie wieder in der Dunkelheit verschwanden. Auch ein Waffengeschäft wurde geplündert; später stellte die Polizei zwei Waffen sicher.
An anderen Orten der Innenstadt lagen Baustellenabsperrungen auf der Fahrbahn, Müll wurde angezündet, und Böller flogen in Richtung eines Wasserwerfers. Die Polizei versuchte mit großem Aufwand, die Lage unter Kontrolle zu bringen. Schließlich sperrten Einsatzkräfte die Zeil, eine der belebtesten Einkaufsstraßen Deutschlands. Auch das SEK wurde alarmiert.
Erinnerungen an französische Ausschreitungen
In Deutschland war zuletzt darüber diskutiert worden, ob es auch hier zu ähnlichen Zuständen kommen könnte wie jüngst in Frankreich. Dort waren im Umfeld sozialer Proteste schwere Ausschreitungen ausgebrochen, Läden wurden geplündert, und viele fragten sich, wie es zu einer solchen Eskalation kommen konnte.
Die Bilder aus Frankfurt werfen nun ähnliche Fragen auf: Wie konnte die Situation so entgleiten? Und welche Verbindung gibt es zwischen den Gewalttätern und der vorausgegangenen Demonstration junger Menschen, die eigentlich auf soziale Probleme aufmerksam machen wollte?
Friedlicher Beginn am Mainufer
Zu Beginn hatte alles ruhig gewirkt. Hunderte Jugendliche, vor allem Schülerinnen, Schüler und Studierende, kamen an der Weseler Werft am Main zusammen. Ihre Themen waren Bildung, soziale Gerechtigkeit und Frieden. Neben der Gruppe „Gen Z regelt“ beteiligten sich weitere Initiativen, die auf einer Bühne ihre Forderungen vortrugen. Das Bild prägten bunte Outfits und selbst gestaltete Plakate.
Bereits dort waren allerdings einzelne Teilnehmer vermummt. Der Start des Demonstrationszuges verzögerte sich, weil die Polizei darauf bestand, dass die Maskierungen abgelegt werden. Als sich der Zug schließlich in Bewegung setzte, waren nach späteren Schätzungen zeitweise 8.000 bis 9.000 überwiegend junge Menschen dabei. Auf Plakaten standen Slogans wie „Kein Geld für Bildung. Aber für Waffen?“, „Wehrpflicht ab 67“ oder „Milliardäre verschmutzen das Stadtbild“.
Pyrotechnik und zunehmende Aggressivität
Immer wieder wurde der Marsch unterbrochen, weil Böller und Feuerwerkskörper gezündet wurden. Der Ablauf wiederholte sich mehrfach: Aus der Menge heraus wurde Pyrotechnik abgebrannt, der Zug stoppte, die Polizei mahnte – dann ging es weiter, bis zur nächsten Unterbrechung. So bewegte sich die Demonstration nur langsam durch die Stadt. Hessens Innenminister Roman Poseck erklärte später, rund 100 gewaltbereite Linksextremisten hätten sich unter die Teilnehmer gemischt.
Mit Einbruch der Dunkelheit verschärfte sich die Stimmung weiter. Es wurden Parolen wie „Ganz Frankfurt hasst die Polizei“ und „Revolution“ gerufen. Zudem waren Totenkopf-Flaggen und Banner der „Antifaschistischen Aktion“ zu sehen. Die Polizei rückte mit Wasserwerfer und gepanzertem Fahrzeug an.
An einer Kreuzung versuchten die Beamten, friedliche Demonstrierende von gewaltbereiten Gruppen zu trennen. Die einen sollten weitergehen, die anderen abgespalten werden. Weil das nicht gelang, wurde die Versammlung wegen ihres „unfriedlichen Verlaufs“ vorzeitig beendet. Die meisten Schülerinnen, Schüler und Studierenden hatten den Ort zu diesem Zeitpunkt bereits verlassen oder gingen spätestens dann.
Eskalation nach dem Ende der Demo
Für die Polizei begann der schwierigste Teil des Abends jedoch erst nach der Auflösung der Demonstration. Die erste größere Konfrontation ereignete sich an der Konstablerwache in der Innenstadt. Dort standen behelmte Polizeikräfte aggressiven Gruppen gegenüber. Zugleich kamen zahlreiche Schaulustige hinzu. Zwischen Corona-Masken, Halloweenkostümen und hochgezogenen Schals bewegten sich auch gewöhnliche Passanten und Einkaufende auf der Zeil.
Insgesamt blieb das Geschehen an diesem Abend unübersichtlich und schwer einzuordnen. Bis in den späten Abend hinein nahm die Polizei nach eigenen Angaben mehr als 30 Personen vorläufig fest. Die Ermittlungen sollen nun klären, wer genau an den Randalen beteiligt war – und ob es sich dabei tatsächlich um Teilnehmer der vorherigen Demonstration handelte.
Scharfe Reaktionen aus der Politik
Auch politisch lösten die Vorfälle große Besorgnis aus. Hessens Ministerpräsident Boris Rhein sprach von „Gewaltexzessen“. Wer in der Frankfurter Innenstadt so auftrete, stelle sich außerhalb der Gesellschaft, erklärte er. Die Vorgänge, die beteiligten Gruppen und der genaue Ablauf müssten nun gründlich bewertet werden.
Innenminister Poseck kündigte ein hartes Vorgehen an. Die Bilder aus Frankfurt seien solche gewesen, die man nicht habe sehen wollen, sagte er. Aus seiner Sicht habe sich eine gefährliche Mischung aus Linksextremisten und gewaltbereiten jungen Menschen entladen. Er sprach von einem enormen Aggressionspotenzial und forderte ein frühes und konsequentes Einschreiten gegen alle, die Regeln missachteten und die Gesellschaft angriffen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber