Vier Freiwillige haben ein außergewöhnliches Nasa-Experiment beendet: 378 Tage lebten sie auf engem Raum in einer Umgebung, die den Alltag auf dem Mars nachstellen sollte. Unter Applaus verließen drei Männer und eine Frau die Anlage in Houston, Texas, und schlossen damit die zweite Mission des Programms Chapea ab, wie Aufnahmen der US-Raumfahrtbehörde zeigten.
Die Crew mit Ross Elder, Matthew Montgomery, James Spicer und Ellen Ellis verbrachte mehr als ein Jahr in der fensterlosen Versuchsanlage „Mars Dune Alpha“, einem per 3D-Druck errichteten Habitat. Während dieser Zeit durften sie das Gelände nicht verlassen. Zu ihren Aufgaben gehörten unter anderem der Anbau von Pflanzen, die Wartung von Technik und Wohnbereich sowie regelmäßiges Training. Das gesamte Setting war auf ein mögliches Leben auf dem roten Planeten zugeschnitten.
Bei einer Pressekonferenz nach dem Ende der Mission sagte Elder, die Gruppe sei stolz darauf, einen Beitrag zu einem großen Ziel zu leisten: der Vorbereitung künftiger bemannter Marsreisen. Spicer meinte scherzhaft, er freue sich darauf, nach mehr als einem Jahr endlich wieder Sonne zu sehen – oder vielleicht auch einen kräftigen Regenschauer. Ellis erklärte, am meisten freue sie sich darauf, ihren Ehemann wieder in die Arme zu schließen.
Kommunikation nur mit Verzögerung
Die Schlafkabinen in der Anlage waren jeweils etwa zwei mal drei Meter groß. Zusätzlich gab es einen Gemeinschaftsbereich mit Fernseher und Sesseln, Arbeitsplätze mit Computern sowie eine kleine Krankenstation. In einem abgetrennten Außenbereich simulierten die Teilnehmenden Außeneinsätze auf dem Mars.

Kontakt zu Familie und Freunden war zwar möglich, allerdings nur unter Bedingungen, die der Mars-Kommunikation nachempfunden waren. Selbst eine kurze Textnachricht brauchte etwa 22 Minuten. Spicer berichtete nach Ende des Versuchs, er habe rund 4.000 E-Mails von Angehörigen und Freunden erhalten – das sei für ihn ein wichtiger emotionaler Halt gewesen.
Die vier Teilnehmenden waren keine aktiven Nasa-Astronauten. Bewerben konnten sich Menschen im Alter zwischen 30 und 55 Jahren, sofern sie gesund, motiviert und Nichtraucher waren. Voraussetzung waren außerdem die US-Staatsbürgerschaft oder ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht, ein naturwissenschaftlicher Hochschulabschluss sowie mindestens 1.000 Flugstunden.
Nächste Mission für 2027 vorgesehen
Eine erste Chapea-Mission hatte bereits von 2023 bis 2024 stattgefunden, ebenfalls mit vier Freiwilligen in einjähriger Isolation. Die nächste Runde ist für 2027 geplant. Mit dem Programm Crew Health and Performance Exploration Analog will die Nasa Erkenntnisse gewinnen, die für künftige Reisen zum Mond und später auch zum Mars wichtig sind.
Solche Isolationstests haben allerdings schon Tradition. Die Nasa sammelte bereits auf Hawaii mit den Hi-Seas-Missionen Erfahrungen. Auch Europa, Russland und China führten vor rund 15 Jahren mit dem Projekt „Mars 500“ ähnliche Untersuchungen durch. Bereits Anfang der 1990er Jahre gab es mit „Biosphere 2“ in Arizona ein vergleichbares Langzeitexperiment.
Auch in Deutschland wurde zuletzt ein ähnlicher Versuch abgeschlossen: Im August beendeten die Europäische Weltraumorganisation Esa und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln die Studie „Solis100“, bei der jeweils drei Männer und drei Frauen im Alter von 26 bis 32 Jahren für 100 Tage isoliert lebten.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber