Politik

«Da häng ich eben»: So sieht Merkels neues Porträt aus

Nach 20 Jahren Stillstand im Kanzleramt kommt endlich ein neues Porträt – doch zuerst sorgt es in Berlin für Aufsehen.

30.06.2026, 05:17 Uhr

Angela Merkel ist nun auch offiziell Teil der Porträttradition der Kanzler im Bundeskanzleramt – wenn auch zunächst nur auf Zeit. Am Abend wurde ihr neues Gemälde im Berliner Bode-Museum in Anwesenheit der früheren Kanzlerin enthüllt. Geschaffen hat es der deutsch-französische Künstler Jérémie Queyras, 28 Jahre alt und aus einer Freiburger Musikerfamilie.

Bis Oktober bleibt das Werk zunächst auf der Berliner Museumsinsel zu sehen, nur wenige Meter von Merkels Wohnung entfernt. Danach soll es an Bundeskanzler Friedrich Merz für das Kanzleramt übergeben werden – allerdings nur als Leihgabe.

Zur Präsentation im kleinen Kreis kamen auch mehrere frühere Weggefährten Merkels, darunter Ex-Kanzleramtschef Peter Altmaier und die frühere Bildungsministerin Annette Schavan.

Entschlossener Blick vor goldbraunem Hintergrund

Das Porträt zeigt Merkel mit entschlossenem, zugleich nachdenklichem Blick in einem leuchtend blauen Blazer vor goldbraunem Hintergrund. Anders als bei vielen Darstellungen ehemaliger Regierungschefs ist sie stehend gemalt, leicht überlebensgroß und bis zu den Knien sichtbar.

Auf ihr Gesicht fällt ein starkes Licht, das die sogenannten „Spuren der Macht“ sichtbar machen soll. Die bekannte Merkel-Raute fehlt: Die linke Hand ruht auf der Lehne eines Sessels.

Neu zu sehen sind auch weitere Details: Merkel trägt eine Bernsteinkette. Auf einem Tisch neben ihr liegen eine Aktenmappe und ein silberner Würfel, den sie nach eigenen Angaben schon als Kanzlerin gern in schwierigen Momenten drehte und wendete. Auf dem Original steht: „In der Ruhe liegt die Kraft“. Den Würfel nahm sie nach ihrem Ausscheiden aus dem Kanzleramt mit in ihr neues Büro.

Warum Merkel sich so lange Zeit ließ

Bis zur Auswahl des Künstlers vergingen Jahre. Merkels Ausscheiden aus dem Amt nach 16 Regierungsjahren liegt inzwischen fast fünf Jahre zurück. Bei der Enthüllung sagte sie, sie habe zunächst Abstand gebraucht. Das Porträt habe für sie kein Punkt auf einer To-do-Liste sein sollen, sondern ein Vorgang, an dem sie auch Freude haben wollte.

Für den blauen Blazer habe sie sich bewusst entschieden, weil diese Farbe etwas Starkes und Herrschaftliches ausstrahle. Nach ihren Worten war die Entscheidung für den jungen Künstler ein „kleines Abenteuer“ – schließlich liegen mehr als 40 Jahre zwischen beiden. Besonders gereizt habe sie an Queyras, dass er für sie ein „Wanderer zwischen den Welten“ sei. Merkel ist inzwischen 71 Jahre alt.

Bewerbung per handgeschriebenem Brief

Queyras hatte sich bereits 2022 mit einem handschriftlichen Brief bei Merkel beworben. Auf den Auftrag musste er dann drei Jahre warten. Im April 2025 kam es zum ersten Gespräch, im Frühjahr begann dann der Prozess, an dessen Ende das offizielle Staatsporträt stand.

Für den Künstler sei diese Arbeit lebensverändernd gewesen. Er betonte, ein Porträt wie dieses könne nur entstehen, wenn Vertrauen da sei. Sein Anspruch sei gewesen, Merkel einerseits so zu malen, dass man sie sofort erkenne, sie andererseits aber auch noch einmal neu sehe – als Mensch und zugleich im Licht ihrer Amtszeit.

Kindheitserinnerungen an das Bode-Museum

Der Raum im Bode-Museum, in dem das Gemälde nun vorübergehend hängt, ist eigentlich der französischen Kunst des 18. Jahrhunderts gewidmet. Für das Merkel-Porträt musste dort sogar ein anderes Gemälde weichen – allerdings nur für drei Monate.

Der Ort weckt bei Merkel persönliche Erinnerungen. Sie erzählte, sie sei schon mit 13 oder 14 Jahren dort gewesen und erinnere sich aus dieser Zeit vor allem an die Münzsammlung. Die Idee, das Porträt zunächst in einem Museum zu zeigen, habe sie nach eigenen Worten von Helmut Kohl übernommen, der sein Bild einst zuerst in der Neuen Nationalgalerie präsentieren ließ.

Später für die Kanzlergalerie vorgesehen

Langfristig ist das Bild für die Kanzlergalerie im Bundeskanzleramt vorgesehen, in der bereits die Porträts von Merkels Amtsvorgängern hängen. Dort soll sie später neben Gerhard Schröder ihren Platz bekommen. Dessen Porträt malte der inzwischen verstorbene Künstler Jörg Immendorff – ebenfalls mit viel Gold. Dass Merkels Hintergrund goldbraun gehalten ist, gilt daher nicht als Zufall.

Bevor es dorthin kommt, haben Besucherinnen und Besucher nun mehrere Monate Zeit, das Werk im Bode-Museum aus der Nähe zu betrachten. Ganz wohl scheint Merkel bei dem Gedanken, selbst Teil der Geschichte an der Wand zu werden, allerdings nicht zu sein. Kürzlich sagte sie über das Gemälde: „Es ist komisch, wenn man langsam Geschichte wird. Da häng‘ ich dann eben.“

Scholz hat sich noch nicht entschieden

Neben Merkel gibt es noch einen weiteren Ex-Kanzler, dessen offizielles Porträt aussteht: Olaf Scholz. Er hatte schon 2024 angedeutet, dass er sich Gedanken über einen Künstler gemacht habe und bereits eine erste Idee habe. Nach Angaben seines Büros hat er sich bislang aber noch nicht entschieden.

Damit wächst auch ein praktisches Problem im Kanzleramt: Wenn Merkel in der Galerie hängt, ist dort kein Platz mehr. Deshalb werden derzeit Vorschläge für eine neue Hängung der Kanzlerporträts geprüft.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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