Bayern

Warum Kaufbeuren jetzt Deutschlands Raketenabwehr bekommt

Neuer Schutzschild gegen Raketen: Einer von drei Deutschland-Standorten entsteht im Süden – doch auf die Abwehr wartet man noch.

30.06.2026, 16:44 Uhr

Kaufbeuren soll einer von insgesamt drei deutschen Standorten für das aus Israel beschaffte Raketenabwehrsystem Arrow 3 werden. Das kündigte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bei einem Besuch im Technischen Ausbildungszentrum der Luftwaffe in Kaufbeuren an. Nach seinen Worten schließt das System eine wichtige Lücke in der deutschen Luftverteidigung und stärkt die Sicherheitsarchitektur des Landes deutlich.

Generalleutnant Holger Neumann sprach von einer Entscheidung mit strategischer Tragweite. Mit der geplanten Stationierung des südlichen Radarsensors des Arrow-Waffensystems im Raum Kaufbeuren reagiere Deutschland auf veränderte Bedrohungslagen. Der russische Angriff auf die Ukraine habe gezeigt, dass militärische Gefahren in Europa wieder konkrete Realität seien. Zugleich nehme die Verbreitung und technische Weiterentwicklung ballistischer Raketen weltweit zu. Das System diene ausschließlich der Verteidigung und ermögliche eine frühzeitige Warnung.

Drei Standorte in Deutschland geplant

Der erste von drei vorgesehenen Arrow-Standorten in Deutschland war bereits im Dezember auf dem Truppenübungsplatz Annaburger Heide an der Grenze zwischen Sachsen-Anhalt und Brandenburg in Betrieb gegangen. In Kaufbeuren wird die Umsetzung noch einige Zeit in Anspruch nehmen: Die bauliche Fertigstellung der Anlage in der Nähe der Stadt ist für 2028 vorgesehen.

Den exakten Standort der Radaranlage nennt die Bundeswehr nicht. Die Abfangraketen sollen jedoch auf dem nahegelegenen Fliegerhorst Lagerlechfeld stationiert werden.

Das System Arrow 3 ist dafür ausgelegt, feindliche Raketen in Höhen von mehr als 100 Kilometern abzufangen und zu zerstören. Eine solche Fähigkeit besitzt die Bundeswehr bislang nicht. Entwickelt wurde das Abwehrsystem gemeinsam von Israel und den USA; in Israel ist es seit 2024 im Einsatz.

Söder sieht großen Sicherheitsgewinn

Söder betonte, mit dem Standort in Kaufbeuren werde die Sicherheit Deutschlands spürbar verbessert. Er bezeichnete das System als eine Art "Iron Dome für Deutschland". Auch wirtschaftlich soll die Region profitieren: In den kommenden Jahren sollen dort nach seinen Angaben mehr als 80 Millionen Euro investiert werden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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