Kontinentalverbände erhöhen den Druck auf Infantino
Die Kritik an FIFA-Präsident Gianni Infantino reißt nicht ab. In einem offenen Brief haben sich die führenden Fußballverbände aus Europa (UEFA), Asien (AFC) sowie Nord- und Mittelamerika und der Karibik (Concacaf) gemeinsam an die Öffentlichkeit gewandt. Darin halten sie an ihrer Kritik fest und verlangen weiterhin einen Neuanfang an der Spitze des Weltverbands.
Unterzeichnet wurde das Schreiben von UEFA-Chef Aleksander Ceferin, AFC-Präsident Salman bin Ibrahim al-Chalifa und Concacaf-Präsident Victor Montagliani. Darin betonen sie, dass Führung im Fußball kein persönlicher Anspruch auf Macht sei, sondern eine Verantwortung gegenüber der gesamten Fußballgemeinschaft.
Scharfe Kritik an Infantinos Investorenprojekt
Aus Sicht der drei Verbände wurde dieses Vertrauen schwer beschädigt. Wer sich über die Gemeinschaft stelle, die ihm Verantwortung übertragen habe, gebe den eigentlichen Auftrag der Führung auf, heißt es sinngemäß in dem Brief.
Infantino steht seit Wochen stark unter Druck, teils werden sogar Rücktrittsforderungen laut. Auslöser war sein Vorstoß, Rechte an FIFA-Wettbewerben an private Investoren zu veräußern. Nach massiven Protesten musste dieses Vorhaben jedoch wieder zurückgezogen werden. Seither ist der Machtkampf innerhalb des Weltfußballs offen entbrannt.
Besonders deutlich kritisieren die Verbände, dass Infantino den Plan im Alleingang vorangetrieben habe. Der Vorschlag sei in viel zu kurzer Zeit entwickelt und ohne echte Abstimmung präsentiert worden. Zudem habe man versucht, eine Entscheidung zu erzwingen, bevor die Mitgliedsverbände die Bedingungen gründlich prüfen konnten. Für die Unterzeichner war das kein Versehen, sondern ein bewusstes Vorgehen, um Kontrolle und kritische Prüfung zu begrenzen.

Verbände sprechen von tiefem Vertrauensverlust
Die drei Dachverbände beziehen sich auch auf ein FIFA-Schreiben, in dem Fehler im Ablauf eingeräumt wurden. Das reiche jedoch nicht aus. Ihrer Ansicht nach wurde nicht erkannt, dass schon die Idee selbst grundsätzlich falsch gewesen sei. Der Versuch, Anteile an der FIFA-Weltmeisterschaft zu verkaufen, stelle nicht bloß einen Verfahrensfehler dar, sondern einen schweren Vertrauensbruch gegenüber den Verbänden, denen die FIFA eigentlich dienen müsse.
Zum Abschluss rufen Ceferin, al-Chalifa und Montagliani die internationale Fußballgemeinschaft zur Geschlossenheit auf. Die Stärke des Fußballs habe immer in seiner Einheit gelegen. Genau diese Einheit müsse nun verteidigt werden – ebenso wie eine Führung, die dem Fußball dient, statt über ihn herrschen zu wollen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber