Politik

Bolsonaros Sohn will jetzt Präsident werden

Bolsonaros Sohn greift nach Brasiliens Macht – und bei seiner Kür taucht plötzlich ein prominenter ausländischer Unterstützer auf.

25.07.2026, 18:59 Uhr

Der rechtsgerichtete Politiker Flávio Bolsonaro ist in Brasilien von seiner Partei als Präsidentschaftskandidat nominiert worden. Der 45-jährige Senator, ältester Sohn des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro, tritt bei der Wahl im Oktober gegen Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva an. Lula soll im August offiziell erneut von seiner Partei bestätigt werden.

Neu ist dabei auch der verschärfte politische Hintergrund in der Bolsonaro-Familie: Ex-Präsident Jair Bolsonaro wurde wegen eines versuchten Staatsstreichs zu mehr als 27 Jahren Haft verurteilt.

Beim Parteitag der Partido Liberal (PL) in São Paulo erhielt Flávio Bolsonaro Rückendeckung vom argentinischen Präsidenten Javier Milei. Der ultraliberale Staatschef war eigens zu der Veranstaltung nach Brasilien gereist und sorgte dort mit einem ungewöhnlich demonstrativen Auftritt für Aufmerksamkeit.

Flávio Bolsonaro stellte sich bei seiner Nominierung als Fortsetzung des politischen Projekts seines Vaters dar. Er bezeichnete Jair Bolsonaro als den bedeutendsten Führer der brasilianischen Rechten und schwang auf der Bühne eine große Schere als Symbol für geplante Ausgabenkürzungen.

Milei nutzte seinen Auftritt zudem für scharfe Attacken auf Lula. Er rief dazu auf, dem „sozialistischen Abschaum“ in Brasilien und Lateinamerika ein Ende zu setzen. Die Bolsonaro-Familie pflegt außerdem enge politische Kontakte zu US-Präsident Donald Trump.

Allerdings gilt Flávio Bolsonaro laut Experten nicht als so populär wie sein Vater. Zudem fehlt ihm bislang die geschlossene Unterstützung des gesamten konservativen Lagers. Zeitweise soll es sogar Spannungen mit Jair Bolsonaros Ehefrau Michelle Bolsonaro gegeben haben.

KI-Video von Jair Bolsonaro bei Parteitag gezeigt

Bei der Veranstaltung wurde nach Berichten brasilianischer Medien auch ein mit Künstlicher Intelligenz erstelltes Video mit Bild und Stimme von Jair Bolsonaro gezeigt. Darin beklagte ein digital erzeugter Bolsonaro seine aus seiner Sicht „willkürliche“ Inhaftierung und erklärte, keine Haft könne die Hoffnung der Brasilianer brechen.

Jair Bolsonaro steht derzeit unter Hausarrest. Ihm ist bis zum Ende der Präsidentenwahl im Oktober untersagt, Besuche mit politischem oder wahlbezogenem Charakter zu empfangen oder politische Botschaften – auch über Dritte – zu verbreiten.

Arbeiterpartei will Lula in Kürze offiziell bestätigen

Nach einer aktuellen Umfrage des Instituts Datafolha liegt der linke Präsident Lula derzeit vor seinem Herausforderer. Der 80-Jährige steht seit 2023 erneut an der Spitze des Landes, nachdem er bereits von 2003 bis 2011 Präsident gewesen war. Lula gehört der Arbeiterpartei PT an.

Neben Lula und Flávio Bolsonaro wollen sich auch Kandidaten kleinerer Parteien an der Wahl beteiligen.

Die Präsidentschaftswahl in der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas ist für den 4. Oktober angesetzt. Sollte im ersten Wahlgang niemand die absolute Mehrheit erreichen, ist eine Stichwahl am 25. Oktober vorgesehen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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