Die auf den Seychellen festgesetzte Regierungsmaschine der Flugbereitschaft wird voraussichtlich erst in einigen Tagen nach Deutschland zurückkehren. Nach Angaben eines Sprechers des Verteidigungsministeriums in Berlin ist der Abflug nun für Freitag vorgesehen. Zwar seien die benötigten Ersatzteile für die Reparatur bereits auf der Insel im Indischen Ozean eingetroffen, es fehlten jedoch noch notwendige Überfluggenehmigungen anderer Staaten.
Diese sogenannten „Diplomatic Clearances“ sind für Militärflüge zwingend erforderlich und müssen im Vorfeld beantragt und erteilt werden. Deshalb benötigen solche Flüge in der Regel mehr organisatorischen Vorlauf.
Die betroffene Bombardier Global 5000 hatte sich auf einem Übungsflug von Ägypten zur französischen Insel Réunion befunden, als wegen eines technischen Defekts eine außerplanmäßige Landung auf den Seychellen nötig wurde. Für die Instandsetzung brachte ein französisches Transportflugzeug vom Typ A400M Ersatzmaterial auf die Insel, darunter auch eine Hydraulikpumpe.
Die ungeplante Landung in dem Inselstaat hatte Spekulationen ausgelöst, nachdem der AfD-Bundestagsabgeordnete Malte Kaufmann auf der Plattform X ein Foto des Flugzeugs veröffentlicht hatte. Kaufmann, der nach eigenen Angaben Urlaub auf den Seychellen macht, vermutete dahinter eine nicht angekündigte private Reise des Bundeskanzlers oder eines Ministers.
Verteidigungsministerium erklärt den Hintergrund des Fluges
Das Verteidigungsministerium widersprach dieser Darstellung. Demnach handelte es sich um ein sogenanntes Afrika-Training der Crew. Dabei würden Einsatzbedingungen geübt, die speziell beim Fliegen über unkontrollierten Lufträumen relevant seien. Dazu gehörten unter anderem Anflugverfahren sowie der Betrieb unter besonderen klimatischen Bedingungen.

Ein Ministeriumssprecher betonte, dass sich der Flugbetrieb in Afrika deutlich von dem in Europa oder Nordamerika unterscheide. Während in Europa meist satellitengestützte GPS-Anflugverfahren genutzt würden, komme in vielen Regionen Afrikas weiterhin das klassische Funkfeuerverfahren zum Einsatz.
Hinzu kämen besondere geografische und klimatische Herausforderungen. Genannt wurden etwa sogenannte Hot-and-High-Bedingungen – also hohe Temperaturen in Verbindung mit größeren Höhenlagen, wie sie beispielsweise im äthiopischen Hochland vorkommen. Beides könne die Leistungsfähigkeit eines Flugzeugs beeinflussen. Auch Wetterphänomene wie die Innertropische Konvergenzzone spielten eine Rolle und seien in Europa so nicht anzutreffen.
Geplante Route führte quer über den Kontinent
Nach Angaben des Ministeriums war ein Langstreckenflug vorgesehen, der von der ostafrikanischen Küste auf Höhe des Äquators quer über den Kontinent bis zur Westküste und anschließend zurück nach Europa führen sollte. Auf dieser Strecke hätten die Besatzungsmitglieder vielfältige Erfahrungen unter realen Bedingungen sammeln können.
Wegen des technischen Defekts musste der Flug jedoch bereits an der Ostküste mit der Landung auf den Seychellen beendet werden.
Das Ministerium hob hervor, dass solche Trainings für junge und noch wenig erfahrene Crewmitglieder ein wichtiger Teil ihrer Ausbildung seien. Bestimmte Eindrücke und Situationen ließen sich im Simulator nur begrenzt abbilden und müssten daher im realen Flugbetrieb erlebt werden. Gerade mit Blick auf mögliche spätere Einsätze für Bundesregierung, Bundeskanzler oder Bundespräsident sei es wichtig, dass die Crews mit den regionalen Besonderheiten vertraut seien.
Allerdings ist diese Form der militärischen Schulung selbst unter Fachleuten der zivilen Luftfahrt offenbar nicht allgemein bekannt. Ein Sprecher der Lufthansa Aviation Training GmbH erklärte auf Anfrage, dass es in den vom Luftfahrt-Bundesamt vorgeschriebenen Trainings kein spezielles Afrika-Modul gebe.
Er verwies darauf, dass sich Besonderheiten wie eingeschränkte Flugsicherung am Boden oder spezielle Anflugverfahren einzelner Flughäfen grundsätzlich auch im Simulator trainieren ließen. Falls keine Flugsicherung verfügbar sei, nutzten Flugzeuge Systeme, über die sie sich gegenseitig über Position und Lage informieren können.
Kritik an Leerflügen der Flugbereitschaft
Unabhängig von dem Vorfall auf den Seychellen gerät die Flugbereitschaft der Bundeswehr auch wegen ihrer Einsatzstatistik in die Kritik. Laut Verteidigungsministerium wurde im ersten Halbjahr etwa die Hälfte der Flüge ohne Passagiere durchgeführt. Demnach entfielen 308 Teilstrecken auf Dienstreisen mit Mitgliedern der Bundesregierung, während 305 Teilstrecken lediglich der Bereitstellung der Flugzeuge dienten.
Ein Grund für diese Leerflüge ist, dass die Maschinen in Köln stationiert sind, viele Regierungsreisen jedoch in Berlin beginnen.
Der Linken-Abgeordnete Dietmar Bartsch, der die Zahlen erfragt hatte, sprach von einer „Bruchlandung“ für die Bundesregierung. Wenn die Flugbereitschaft innerhalb von sechs Monaten rund 600 Mal starte und etwa die Hälfte davon ohne Passagiere erfolge, sei das ein nicht hinnehmbares Missverhältnis und zudem teuer, sagte er.
Eigentlich sollten die Regierungsflugzeuge bereits seit 2012 vollständig nach Berlin verlegt werden. Dieses Vorhaben verzögerte sich jedoch mehrfach – unter anderem wegen der verspäteten Eröffnung des Flughafens BER. Zudem fehlt weiterhin notwendige Infrastruktur für die Flugbereitschaft. Nach den aktuellen Planungen wird ein vollständiger Umzug erst in der zweiten Hälfte der 2030er Jahre erwartet.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber