Die vorübergehende Lockerung des Sonntagsfahrverbots für Lastwagen infolge des Niedrigwassers hat nach Angaben des ADAC bislang keine spürbaren zusätzlichen Verkehrsprobleme verursacht. Das geht aus der Auswertung des vergangenen Wochenendes hervor.
Nach Angaben eines Sprechers des Automobilclubs gab es am Sonntag insgesamt sogar weniger Staus als am Sonntag zuvor. Auch im Vergleich zum entsprechenden Sonntag des Vorjahres zeigten sich keine besonderen Auffälligkeiten. Zwar lag die Zahl der Staus etwas über dem Niveau von 2025, dafür fielen sie kürzer aus und dauerten nicht so lange. Aus Sicht des ADAC hatte die Aussetzung des Fahrverbots daher kaum Einfluss auf die Verkehrslage in Deutschland.
Kaum mehr Lkw auf den Straßen
Auch der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) sieht bislang keine deutliche Zunahme des Lkw-Verkehrs. Vorstandssprecher Dirk Engelhardt erklärte, nach bisherigem Kenntnisstand könne nicht von einem flächendeckend stark erhöhten Aufkommen gesprochen werden. In Nordrhein-Westfalen sei ersten Beobachtungen zufolge ein leichter Anstieg festzustellen gewesen. In Bayern habe sich am Wochenende dagegen kaum etwas verändert. Auch aus Baden-Württemberg seien bisher keine zusätzlichen Staus gemeldet worden.
Wegen der niedrigen Wasserstände auf Rhein und anderen Flüssen haben die meisten Bundesländer das Sonn- und Feiertagsfahrverbot für Lkw zeitweise gelockert. So sollen Waren, die wegen der eingeschränkten Binnenschifffahrt nicht oder nur schwer transportiert werden können, verstärkt auf die Straße verlagert werden. Diese Maßnahme war jedoch auf Kritik gestoßen, unter anderem von Grünen, Linken und Umweltverbänden.

Mehr Flexibilität, aber keine neuen Fahrer
Laut BGL werden die zusätzlichen Transportmöglichkeiten bislang offenbar nur in begrenztem Umfang genutzt. Engelhardt betonte, die Lockerung könne zwar helfen, bestehende Kapazitäten flexibler einzusetzen. Sie schaffe jedoch weder zusätzliches Personal noch mehr gesetzlich erlaubte Lenkzeiten. Nach früheren Angaben des Verbands fehlen in Deutschland seit Jahren mehr als 100.000 Berufskraftfahrer. Zudem sei ein großer Teil der verfügbaren Fahrzeuge bereits fest in laufende Transportaufträge eingebunden.
Ausfälle der Schifffahrt lassen sich kaum ersetzen
Nach Einschätzung des BGL sind die Möglichkeiten des Straßengüterverkehrs ohnehin begrenzt. Jeden Monat müssten durch das Niedrigwasser schätzungsweise rund sechs Millionen Tonnen Fracht auf andere Transportwege umgeleitet werden. Das entspreche rechnerisch etwa 3.000 Güterzügen oder rund 250.000 Lkw-Ladungen. Die Straße könne vor allem punktuell und bei besonders eiligen Lieferungen unterstützen. Die wegfallenden Kapazitäten der Binnenschifffahrt ließen sich in dieser Größenordnung aber nicht auffangen.
Per Binnenschiff werden vor allem große Mengen an Massengütern transportiert, etwa Erz, Kohle, Baustoffe oder Mineralölprodukte. Ein Schiff mit 1.500 Tonnen Ladung entspricht nach Angaben des BGL bei einer angenommenen Nutzlast von 25 Tonnen pro Lkw ungefähr 60 Lastwagenladungen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber