Politik

AfD zündet Wahlkampf in Sachsen-Anhalt

3.000 Fans, ein großes Versprechen: In Magdeburg stimmt sich die AfD auf den 6. September ein – und auf den radikalen Umbau.

18.07.2026, 19:10 Uhr

AfD startet Wahlkampf in Sachsen-Anhalt vor rund 3.000 Anhängern

Die AfD hat in Magdeburg offiziell ihren Wahlkampf für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September eröffnet. Bei der Veranstaltung in einer Messehalle stimmte Bundesparteichefin Alice Weidel etwa 3.000 Unterstützer auf den Wahlkampf ein und erklärte, Spitzenkandidat Ulrich Siegmund solle der erste Ministerpräsident der Partei werden. Siegmund selbst sprach von einem historischen Moment und gab als Ziel ein Ergebnis von „45 Prozent plus X“ aus. In jüngsten Umfragen lag die AfD bei 41 bis 42 Prozent.

Zeitgleich gab es in einiger Entfernung zur AfD-Veranstaltung eine Gegendemonstration. Daran beteiligten sich unter anderem die „Omas gegen Rechts“, Kirchen sowie Vertreter der Kulturszene aus Sachsen-Anhalt. Eine Sprecherin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland erklärte, man setze sich für Demokratie, Menschlichkeit und Solidarität ein und wolle dort klar Stellung beziehen, wo diese Werte attackiert würden.

Forderungen nach tiefgreifenden Veränderungen

Der Landesverband der AfD in Sachsen-Anhalt wird vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. In ihrem sogenannten 100-Tage-Programm fordert die Partei unter anderem die Abschaffung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Zudem tritt sie für eine sofortige Abschiebung ausreisepflichtiger Menschen ein, will Geflüchtete zur Arbeit verpflichten und Sonderklassen für Kinder von Flüchtlingen einführen. Nach ihren programmatischen Vorstellungen sollen Schulen außerdem das klassische Familienbild aus Mann und Frau als Leitbild vermitteln und Kinder im Geist von Volk und Heimat erziehen.

Wahlkampfauftakt der AfD Sachsen-Anhalt
Mit einer Kundgebung in einer Messehalle in Magdeburg hat die AfD offiziell ihren Wahlkampf vor der Landtagswahl am 6. September gestartet. Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Aktuell wird Sachsen-Anhalt von einer Koalition aus CDU, SPD und FDP regiert. Ministerpräsident ist der CDU-Politiker Sven Schulze. Die CDU lag in Umfragen zuletzt mit rund 23 Prozent auf dem zweiten Platz. Auf der AfD-Veranstaltung richtete sich die Kritik der Redner gegen mehrere Parteien, besonders jedoch gegen die Union. Siegmund warf der CDU eine „linksgrüne Politik“ vor. Weidel sprach von einer nötigen Abkehr von der aus ihrer Sicht „extremistischen Politik der Altparteien“.

Scharfe Angriffe auf die CDU

Der AfD-Fraktionsvorsitzende im Landtag von Sachsen-Anhalt, Oliver Kirchner, verglich das Vorgehen von Bundeskanzler Friedrich Merz mit der Politik des früheren DDR-Staatschefs Walter Ulbricht. Dabei bezog er sich auf die Abgrenzung der CDU zur AfD, die sogenannte Brandmauer, und zog Parallelen zur innerdeutschen Grenze in DDR-Zeiten, einschließlich der damaligen Selbstschussanlagen.

Lange Schlangen vor dem Einlass

Schon Stunden vor Beginn der Kundgebung bildeten sich lange Warteschlangen am Eingang. Ein Besucher mit schwarzer Sonnenbrille nannte als wichtigste Anliegen einen Stopp der Einwanderung sowie die Abschaffung der Rundfunkbeiträge.

Ein 63-jähriger Mann aus Bremen sagte, von den in Deutschland erhobenen Steuern bleibe nichts mehr im Land, weil alles ins Ausland gehe. Er kritisierte unter anderem die deutsche Unterstützung für die Ukraine im Abwehrkampf gegen den russischen Angriff. Eine weitere Teilnehmerin erklärte, für sie stehe die AfD für Demokratie, während die anderen Parteien diese aus ihrer Sicht einschränken wollten. Sie zog zudem einen Vergleich zur SED.

Unter den Gästen der Veranstaltung war auch der frühere Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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