Pogacar triumphiert in den Vogesen und baut Führung aus
Tadej Pogacar hat seine Ausnahmestellung bei der Tour de France erneut untermauert. Der slowenische Weltmeister gewann die anspruchsvolle 14. Etappe durch die Vogesen über 155,3 Kilometer von Mulhouse nach Le Markstein als Solist und festigte damit sein Gelbes Trikot.
Pogacar feierte bereits seinen vierten Etappensieg bei dieser Tour 2026. Im Ziel lag der Titelverteidiger 38 Sekunden vor seinem mexikanischen Teamkollegen Isaac del Toro und dem französischen Jungstar Paul Seixas. Es war zugleich der 25. Tour-Etappensieg seiner Karriere, womit er in der Bestenliste mit dem Franzosen André Leducq gleichzog. Nur Mark Cavendish liegt mit 35 Erfolgen noch davor.
„Wir haben diese Etappe seit dem Beginn anvisiert, ich kenne sie sehr gut. Es ist eine schöne Strecke“, sagte Pogacar, der schon 2023 in Le Markstein gewonnen hatte. Auch ihn beeindruckten die Menschenmassen am Berg: Es sei „etwas Unvergessliches“ gewesen, all die Fans dort zu sehen. Sie hätten eine „große Show“ erlebt.
Dem Dominator der Rundfahrt ist der fünfte Gesamtsieg kaum noch zu nehmen. In der Gesamtwertung führt Pogacar vor Jonas Vingegaard, der 4:30 Minuten Rückstand hat. Auf Rang drei liegt Remco Evenepoel mit 5:04 Minuten Abstand.
Lipowitz nun Gesamtsechster
Auch Florian Lipowitz zeigte auf dem schweren Teilstück mit rund 3.800 Höhenmetern und drei Anstiegen der ersten Kategorie eine starke Leistung. Der deutsche Hoffnungsträger fuhr auf Rang sieben und kam 50 Sekunden nach Pogacar an der Skistation Le Markstein auf 1.192 Metern Höhe ins Ziel. Damit verbesserte sich der 25-Jährige im Gesamtklassement auf den sechsten Platz.
Sein Rückstand beträgt nun 5:44 Minuten. Besonders wichtig aus seiner Sicht: Die direkten Rivalen im Kampf um das Podium nahmen ihm nicht mehr als zwölf Sekunden ab. Der Sekundenkampf bis Paris bleibt damit offen.
„Es war einfach eine superharte Etappe von Anfang an. Am Ende haben die Beine nicht ganz gereicht. Wir können trotzdem happy sein“, sagte Lipowitz in der ARD. Mit Blick auf die kommenden Bergetappen ergänzte er: „Wir müssen von Tag zu Tag schauen, wie es geht. Ich hoffe, ich kann mich schnell wieder erholen. Dann heißt es, wieder angreifen.“
Lipowitz eröffnet den Schlagabtausch
Die Etappe hatte es in sich: An den steilen Rampen des Col du Haag, einem zum Radweg ausgebauten Waldpfad, sorgten zigtausende Fans für eine elektrisierende Atmosphäre. 11,5 Kilometer vor dem Ziel setzte Lipowitz zusammen mit Seixas eine Attacke aus der Favoritengruppe.
Pogacar ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken. 7,5 Kilometer vor dem Ziel griff der Weltmeister dann selbst an – und niemand konnte ihm mehr folgen.
Auch Evenepoel geriet zwischenzeitlich in Schwierigkeiten, kämpfte sich aber wieder heran. Davon profitierte auch Lipowitz, weil beide im Kampf um die Gesamtwertung hinter Pogacar nur wenig Zeit auf die unmittelbaren Rivalen verloren.
Viele deutsche Zuschauer vor Ort – und Jan Ullrich als prominenter Gast
Für Lipowitz fühlte sich der Renntag fast wie ein Heimauftritt an. Nahe der deutschen Grenze hatten sich zahlreiche Fans aus Deutschland an der Strecke versammelt und ihn die steilen Rampen hinaufgebrüllt. Schon auf der Etappe am Freitag in Richtung Belfort waren viele deutsche Fahnen zu sehen.
„Ich muss ein Riesen-Dankeschön an die ganzen Fans sagen. Es war unglaublich. Ich habe so oft meinen Namen gehört“, sagte Lipowitz nach dem Kletter-Spektakel.
Auch ein prominenter Zuschauer war in Le Markstein dabei: Jan Ullrich verfolgte die Tour als Zaungast im Zielbereich. Für den früheren deutschen Radstar war es der erste Besuch bei der Frankreich-Rundfahrt als Gast – 20 Jahre nach seinem damaligen Tour-Ausschluss wegen der Verbindungen zum Dopingarzt Eufemiano Fuentes.
„Ich freue mich wirklich extrem. Also, es ist wirklich mein erster Besuch überhaupt als Gast, als Fan sozusagen bei der Tour de France. Und dann natürlich so eine epische Etappe wie heute in den Vogesen“, sagte Ullrich in der ARD.
Dem wohl größten deutschen Hoffnungsträger seit zwei Jahrzehnten traut Ullrich sogar noch mehr zu. „Auf alle Fälle“ sei für Lipowitz das Podium drin, sagte der Tour-Sieger von 1997. Bereits im Vorjahr hatte Lipowitz als erster Deutscher seit 2006 das Podium in Paris erreicht. „Und mal gucken, wie weit es noch geht. Der Kampf ist, glaube ich, noch offen und spannend“, so Ullrich.
Nächste schwere Prüfung wartet schon
Am Sonntag folgt bereits die nächste große Herausforderung im Hochgebirge. Auf der 15. Etappe nimmt das Fahrerfeld Kurs auf das Plateau de Solaisan. Besonders der finale Anstieg gilt als schwer: Über 11,3 Kilometer hinweg müssen die Fahrer im Schnitt 9 Prozent Steigung bewältigen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber